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Hofheim: Exerzitienhaus schließt schon Ende 2022

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Von: Andrea Rost

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Das Exerzitienhaus am Fuße des Kapellenberges in Hofheim ist fast 100 Jahre alt.
Das Exerzitienhaus am Fuße des Kapellenberges in Hofheim ist fast 100 Jahre alt. © Michael Schick

Der Franziskanerorden hat angekündigt, sein Zentrum für Stille und Begegnung in Hofheim wegen teurer Brandschutzauflagen bereits Ende des Jahres zu schließen. Eine Bürgerinitiative will das Exerzitienhaus weiterbetreiben und macht den Brüdern ein Angebot.

Das von der Deutschen Franziskanerprovinz getragene Zentrum für Stille und Begegnung in Hofheim schließt bereits Ende dieses Jahres und damit deutlich früher, als noch vor wenigen Monaten angekündigt. Grund seien Brandschutzauflagen, die für den Weiterbetrieb des Seminar- und Gästehauses über 2022 hinaus erfüllt werden müssten und den Orden zwei Millionen Euro kosten würden, sagte der Leiter des Exerzitienhauses, Stefan Federbusch, der Frankfurter Rundschau. „Für einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren ist das eine zu hohe Summe.“ Bislang war geplant, dass sich die Franziskaner Mitte 2025 aus Hofheim zurückziehen.

Aktuell leben noch sechs Brüder in dem idyllisch am Waldrand gelegenen Gebäude, das von einem großen Klostergarten umgeben ist. Es gibt Seminarräume und für Gäste 49 Zimmer mit 60 Betten. Das Bildungshaus wird als Refugium des Bistums Limburg für Besinnungstage und Exerzitienkurse genutzt. Es kann als Tagungsstätte auch extern gebucht werden und ist deshalb überregional bekannt.

Historie

Die Franziskaner der damaligen Fuldaer Ordensprovinz gründeten und erbauten das Exerzitienhaus Sankt Josef am Fuße des Kapellenberges in Hofheim im Jahr 1926.

Die Nationalsozialisten schlossen die Einrichtung 1939 gewaltsam. In der Folgezeit wurde das Gebäude als Lazarett und Lungenheilstätte genutzt.

Im Jahr 1955 kam das Haus wieder in die Hände der Franziskaner. Durch das Provinzkapitel erhielt es im Jahr 2004 einen besonderen Stellenwert als geistliches Zentrum im Rhein-Main-Gebiet. Mit Hilfe des Bistums wurde es modernisiert und umgebaut. aro

Für die Franziskaner in Deutschland bedeute die Aufgabe des Hofheimer Exerzitienhauses „einen massiven und schmerzlichen Einschnitt“, heißt es in der Pressemitteilung des Provinzialministers. Eine 96-jährige Tradition gehe zu Ende. Der Abschied aus Hofheim falle allerdings in eine Zeit, in der sich auch viele andere Ordensgemeinschaften und Diözesen von geistlichen Bildungshäusern trennen müssten.

Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern aus Hofheim und der Region möchte dieser Entscheidung etwas entgegensetzen. Aus dem Freundeskreis für das Exzerzitienhaus, der schon lange Zeit besteht, habe sich eine Aktionsgruppe zusammengefunden, die das Ensemble und den Garten in der jetzigen Form erhalten wolle, sagte Karen Heemann der FR. Kurzfristig sei ein Geldgeber bereit, den Franziskanern zwei Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, damit die Brandschutzauflagen erfüllt werden könnten und der Seminarbetrieb über das Jahresende hinaus gesichert sei. Ab 2025 könnte die Gruppe das Haus in Eigenregie übernehmen. Dabei sei angedacht, zusätzlich zu neuen Seminaren die bisher bestehenden Seminare weiter anzubieten und im Exerzitienhaus auch Aktivitäten von sozialen und gemeinnützigen Hofheimer Vereinen zu beherbergen. „Wir arbeiten gerade an einem Konzept und haben auch schon Gespräche mit dem Orden, dem Landrat und dem Hofheimer Bürgermeister vereinbart“, sagte Heemann. Mit der Entwicklung einer Perspektive für die Nachnutzung des Exerzitienhauses mitsamt Gartengelände haben die Franziskaner den Immobilienmakler Christian Vogdt beauftragt.

Verschiedenste Ideen, was aus dem 12 000 Quadratmeter großen Areal und dem Gebäudeensemble, das das Stadtbild am Fuße des Kapellebergs präge, werden könnte, seien an ihn herangetragen worden, sagte Vogdt der FR. „Das geht in ganz unterschiedliche Richtungen.“ Dem Orden sei wichtig, eine gute und tragfähige Lösung zu finden und das ihm anvertraute Vermögen sorgsam zu verwalten. Dafür brauche man Zeit. Zu den Plänen der Initative „Bürger fürs Exerzitienhaus“ äußerte sich Vogdt vorsichtig zurückhaltend. Noch kenne er die Gruppe nicht. „Ich bin aber jederzeit ansprechbar.“

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