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Eva Scheid hat das Hofheimer Stadtmuseum zu einer Adresse mit Strahlkraft in der Region gemacht.
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Eva Scheid hat das Hofheimer Stadtmuseum zu einer Adresse mit Strahlkraft in der Region gemacht.

Porträt

Hofheim: Ein Museum als Lebenswerk

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Nach drei Jahrzehnten als Leiter des Hofheimer Stadtmuseums geht Eva Scheid in den Ruhestand.

„Eva, geh nach Hofheim, da hast du’s gut.“ Diese Empfehlung des damaligen staatlichen Museumsberaters in Südhessen, Walter Stolle, hat sich Eva Scheid 1991 zu Herzen genommen. Die promovierte Ethnologin, die im Nebenfach Kunstgeschichte und Pädagogik in Marburg studiert hatte, wurde Gründungsleiterin des Hofheimer Stadtmuseums. 

Ihre Entscheidung hat sie in den vergangenen 30 Jahren keinen einzigen Tag bereut. Die ganze Zeit über hat Eva Scheid das Museum der Main-Taunus-Kreisstadt geleitet. Sie hat zusammen mit Stadtarchivarin Roswitha Schlecker eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte aufgebaut. Sie hat 124 hochkarätige Kunstausstellungen samt Rahmenprogramm organisiert sowie 40 Ausstellungskataloge herausgegeben. Dabei konnte sie unter anderem aus dem reichen Fundus der Exponate rund um den Künstlerkreis Blaues Haus schöpfen, den das Stadtmuseum besitzt. Allein die Schau expressionistischer Gemälde mit dem Titel „Brücke und Blaues Haus“, die 2010 in Kooperation mit dem Kulturfonds Rhein-Main ausgerichtet wurde, sahen mehr als 10 000 Besucher. 

Ende des Monats geht Eva Scheid mit knapp 65 Jahren in den Ruhestand. Die nächste Zeit will sie viel Zeit in ihrer Heimatregion an der Mosel verbringen und in ihrem Lieblingsland Italien. Der Ausstieg aus dem Berufsleben sei wohlüberlegt, sagt sie, dennoch falle ihr der Abschied nicht leicht. „Ich hatte hier in Hofheim von Anfang an große Spielräume“, berichtet sie. Auch finanziell gesehen habe man ihr nie Steine in den Weg gelegt. Der einzige Schockmoment kam 2014, als Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) das Budget für Ausstellungen und Museumspädagogik drastisch zusammenstreichen und Ausstellungsräume schließen wollte. 

Mehr als 1500 Unterschriften wurden damals innerhalb kurzer Zeit gesammelt. Die Sparmaßnahmen kamen am Ende nicht zum Tragen. Das Hofheimer Stadtmuseum blieb, was es war: ein Kleinod unter den lokalen Museen im Rhein-Main-Gebiet, dessen Strahlkraft weiter über die Stadtgrenzen hinausreicht. 

Diesen guten Ruf musste sich Eva Scheid aber erst hart erarbeiten. Leihgeber waren zunächst ausgesprochen skeptisch, als sie sich um Kunstwerke für Ausstellungen bemühte. Mittlerweile ist das Stadtmuseum in der Burgstraße in der Kunstwelt ein Begriff. Renommierte Häuser leihen sich Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die in der Stadt am Taunus wirkten. Für Ottilie Roederstein etwa ist das Hofheimer Museum einer der Hauptleihgeber. 2022 widmet das Frankfurter Städel der Schweizer Malerin, die bis zu ihrem Tod drei Jahrzehnte in Hofheim lebte, eine große Einzelausstellung. In der Tate Modern in London und im Pariser Centre Pompidou hängen Arbeiten der experimentellen Fotografin Marta Hoepffner, die ihr Atelier seit dem zweiten Weltkrieg in Hofheim hatte. 

Welche der von ihr organisierten Ausstellungen ihr die liebste war, vermag Eva Scheid nicht zu sagen. Besonders gerne erinnert sie sich an die Schau mit dem Titel „Malgründe – Hofheim als Motiv“ und an die Ausstellung rund um den Expressionisten Ludwig Meidner, bei der sie eng mit anderen Museen in der Region kooperierte. 

Nun sei es an der Zeit, das Hofheimer Museum, das so etwas wie ihr Lebenswerk ist, in neue Hände zu legen, sagt Eva Scheid. Ihre Nachfolgerin steht bereits fest. Die Kunsthistorikerin Inga Remmers tritt ihr neues Amt Anfang Juli an. 

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