Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die exzessive Nutzung digitaler Medien kann für Jugendliche zum Problem werden.
+
Die exzessive Nutzung digitaler Medien kann für Jugendliche zum Problem werden.

Hofheim

Hofheim: Die Sucht aus dem Internet

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
    schließen

Das Zentrum für Jugendberatung im Main-Taunus-Kreis startet Präventionsprojekte zu exzessivem Medienkonsum und Online-Drogenwerbung. In Corona-Zeiten sei das umso wichtiger.

Der 14-Jährige sitzt seit Stunden vor dem Computer. Erst hatte er Online-Unterricht, jetzt läuft auf dem Bildschirm ein Ballerspiel. „O. k., muss auch mal sein“, denken die Eltern. „Hat eh keinen Sinn, ihm das komplett zu verbieten.“ Was sie nicht wissen: Der Sohn spielt nicht selbst. Über den Monitor flimmert der Live-Erfahrungsbericht eines Youtubers, der Fenantyl eingenommen hat. Dabei handelt es sich um ein künstlich hergestelltes Opioid, das schmerzstillende Wirkung hat und immer häufiger als illegale Droge missbraucht wird. „Wir haben gemeinsam den Sektor verteidigt“, ist auf dem Bildschirm zu lesen. Will heißen: Wer die Tabletten schluckt, steht auf der Gewinnerseite.

„Dass diese Substanzen hochgefährlich sind und abhängig machen können, wird in den Videos nicht erwähnt“, weiß Wolfgang Mazur, Leiter des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe im Main-Taunus-Kreis. Dutzende solcher Videoclips kursierten im Netz. Auch der bekannte Rapper Capital Bra propagiert ein Opioid, das beruhigend, euphorisierend und enthemmend wirken soll. „Das Leben ist zu kurz, um nicht zu rauchen. Gib mir Tilidin, ich könnte was gebrauchen“, heißt es in einem seiner Songs, der bereits 80 Millionen Mal im Internet angeklickt wurde.

Dieser Trend stellt das Expertenteam im Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe vor neue Herausforderungen. „Junge Leute leben heute ein Stück weit im Internet“, sagt Wolfgang Mazur. In Zeiten der Corona-Pandemie würden digitale Medien besonders stark genutzt. Damit steige nicht nur das Risiko, von Computerspielen und Sozialen Netzwerken abhängig zu werden, sondern auch die Gefahr, über das World Wide Web mit illegalen Drogen in Kontakt zu kommen.

„Die meisten Eltern kennen dieses Phänomen noch gar nicht, wir wollen darauf aufmerksam machen und Beratung anbieten“, betont Wolfgang Mazur. 1200 Menschen habe man im vergangenen Jahr durch Präventionsprojekte erreicht. Rund 1000 Personen kamen in die Beratungsstelle. Dabei falle auf, dass bereits Zehnjährige von Internetsucht und Drogenkonsum betroffen seien. Vor allem Cannabis werde verstärkt zu Hause konsumiert.

Der Main-Taunus-Kreis unterstütze die Arbeit des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe, informierte Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Johannes Baron (FDP) bei einem Pressegespräch. Im Jahr 2021 würden im Landkreis drei Millionen Euro zusätzlich für ambulante und stationäre Leistungen ausgegeben, um Jugendlichen mit psychischen oder familiären Problemen zu helfen. „Es gibt immer mehr Einzelfälle, die wir im Blick haben müssen.“ Das Internet leiste gerade in Zeiten von Lockdown, Abstandsgeboten und Distanzunterricht hervorragende Dienste. „Wir dürfen die Risiken aber nicht unterschätzen“, warnte Baron. „Wir wollen jungen Menschen helfen, den Schattenseiten zu widerstehen.“

Besorgten Eltern rät Wolfgang Mazur zum Gespräch mit der Tochter oder dem Sohn. Wichtig sei, den Kontakt zu den Jugendlichen nicht zu verlieren. Auch in der Familie und im Freundeskreis sollte der Internetkonsum thematisiert werden, empfiehlt der Experte. Sollten Drogen im Spiel sein, kann ein Beratungsgespräch helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Aktuell arbeitet das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe im Main-Taunus-Kreis an einem Präventionsprojekt zum Thema exzessive Mediennutzung und Drogen. Ob es vor Ort an den Schulen oder virtuell laufen wird, steht noch nicht fest.

Informationen: Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe im Main-Taunus-Kreis, Hofheim, Hattersheimer Straße 5. https://zjsmtk.jj-ev.de/

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare