Stadtwald in Hofheim
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Stadtrat Bernhard Köppler mit David Kreddig und Karlheinz Kollmannsberger (v.l.) an einem kahlen Waldstück oberhalb des Lorsbachtales.

Große Trockenheit

Der Stadtwald von Hofheim stirbt

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die große Trockenheit setzt vor allem Fichten und Buchen im Hofheimer Stadtwald zu. Viele Bäume sind nicht mehr zu retten. Die Bürgerstiftung will im November 10.000 neue Bäume pflanzen und hofft auf Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger.

Hofheim - Im Hofheimer Stadtwald ist bereits der Herbst eingezogen. Viele Bäume haben früher als üblich einen Teil ihres Laubs abgeworfen. Die in der Krone verbliebenen Blätter sind trocken und braun. „Das ist ein sichtbares Zeichen, dass es dem Wald sehr schlecht geht“, sagt Revierförster Karlheinz Kollmannsberger. Nach drei heißen Jahren hintereinander mit zu wenig Niederschlägen seien mittlerweile alle Baumarten geschädigt. „Ab 30 Zentimeter Tiefe sind die Bodenschichten derart ausgetrocknet, dass die Bäume kaum Wasser aufnehmen können“, sagt Kollmannsberger. Besonders betroffen seien Fichten, Buchen, Ahorn und Kiefern. Eichen, Douglasien und Tannen könnten mit der großen Trockenheit eher zurechtkommen.

Hofheims Bürgermeister spricht von „dramatischem Zustand“

Bürgermeister Christian Vogt (CDU) spricht von einem „dramatischen Zustand“. Zurzeit gehe es nicht mehr um die Bewirtschaftung des Stadtwalds. „Es geht nur noch darum, die Bäume zu retten.“ Der Holzeinschlag werde 2020 und 2021 rapide sinken, um den Wald nachhaltig wiederaufzubauen. Abgestorbenes Holz, das wirtschaftlich nicht nutzbar sei, werde liegengelassen, weil es bei der Regeneration der Flächen helfe.

Das Ausmaß des Waldsterbens wird an den Fichtenbeständen besonders deutlich. In den vergangenen drei Jahren seien in Hofheim 62 Hektar Fichtenwald verlorengegangen, berichtet Förster Kollmannsberger. „Das ist eine Fläche von 80 Fußballfeldern.“ 2018 und 2019 mussten aufgrund des Befalls durch den Borkenkäfer 8500 Festmeter Fichtenholz entnommen werden, 2020 werden voraussichtlich 5000 Festmeter dazukommen. „Geht man von einem üblichen Einschlag von jährlich etwa 850 Festmetern aus, haben wir in den letzten drei Jahren die Holzmenge von 20 Jahren entnommen“, sagt Kollmannsberger. Die Hälfte der gerodeten Flächen sei noch nicht wieder aufgeforstet.

Wichtigste Baumart im Hofheimer Stadtwald leidet besonders unter Klima

Eine weitere Baumart, die besonders unter dem heißen und trockenen Klima leidet, ist die Buche. Mit einem Anteil von 36 Prozent ist sie die häufigste Baumart in Hofheimer Stadtwald. Mehr als 90 Prozent der Buchen seien mittlerweile mindestens der Schadstufe 1 zuzuordnen, sagt Karlheinz Kollmannsberger. „Das bedeutet, dass der Baum zwar noch lebt, aber die Krone trocken ist und der Laubabwurf einsetzt.“ Vielen Buchen gehe es sogar noch schlechter, sie seien komplett frei von Laub, und die Rinde in der Krone falle ab. Dieser Zustand entspreche der Schadstufe 2.

Vom Buchensterben besonders betroffen sei der Westhang des Kapellenberges, sagt der Förster. Seine Prognose: „Wir werden die Bäume, die jetzt in Stufe 1 sind, bis zum Frühjahr zur Hälfte verlieren. Die Bäume in Stufe 2 haben voraussichtlich gar keine Überlebenschance mehr.“

Bürgerstiftung will Stadtwald von Hofheim retten

Bereits vor Monaten hat die Bürgerstiftung Hofheim beschlossen, zur Rettung des Stadtwalds die Pflanzung von mindestens 10 000 Jungbäumen zu finanzieren. Wegen der Corona-Pandemie wurde die für Oktober geplante Aktionen abgesagt. Am Termin Mitte November will die Stiftung aber vorerst festhalten.

Die vorgesehene Fläche befindet sich in Langenhain am Eselsweg. Sie ist rund zwei Hektar groß und war mit Fichten bewachsen, die 2019 wegen Borkenkäferbefalls gerodet werden mussten. Nun sollen 50 Zentimeter große Eichen, Linden und Hainbuchen gepflanzt werden, außerdem entlang der Wege kleinere Bäume wie Ebereschen, Kirschen und Aspen sowie ein Strauchsaum aus Schneeball, Holunder und Hasel. (Von Andreas Rost)

Bürgerinnen und Bürger können sich an der Baumpflanzaktion am 14. November von 10 bis 16 Uhr beteiligen. Die Bürgerstiftung nimmt außerdem Geldspenden für die Aufforstung des Stadtwalds entgegen. Informationen unter www.buergerstiftung-hofheim.de.

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