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Am Rathauseingang steht die Box, in der die Briefe gesammelt werden. Renate Hoyer
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Am Rathauseingang steht die Box, in der die Briefe gesammelt werden. Renate Hoyer

Hofheim

Hofheim: Corona-Briefe für die Zukunft

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Das Hofheimer Stadtarchiv sammelt Briefe, in denen Bürgerinnen und Bürgern über die Corona-Pandemie schreiben. Erst in 100 Jahren sollen die Kuverts geöffnet werden.

Wie viele Kuverts bereits in der großen blaugrünen Box gelandet sind, die seit Anfang August am Eingang des Hofheimer Rathauses steht, weiß niemand. Das ist aber auch nicht wichtig. Denn gelesen werden die Briefe ohnehin nicht so bald. Genaugenommen werden es erst die Ururur-Enkel:innen der heute in der Kreisstadt lebenden Menschen sein, die die Kuverts öffnen, um zu sehen, was ihre Vorfahren im Jahr 2021 über das Leben in Pandemiezeiten mitzuteilen hatten. Bis dahin werden die Briefe verschlossen im Stadtarchiv aufbewahrt.

Die Idee zu der Aktion „Briefe in die Zukunft: 2121“ hatte Hofheims Bürgermeister Christian Vogt (CDU). Eine Bürgerin habe ihm über ein ähnliches Projekt in Freiburg berichtet, sagte er der Frankfurter Rundschau. „Ich fand die Idee faszinierend, dass Menschen, die heute in der Stadt leben, in einem Brief in die Zukunft ihre Erlebnisse und Geschichten, Gedanken und Wünsche rund um das Leben mit Corona festhalten und damit den Hofheimerinnen und Hofheimern im Jahr 2121 Denkanstöße geben und vielleicht sogar wichtige Lehren aus dieser Zeit.“

Die Corona-Pandemie habe das Leben stark verändert. „Sie lässt uns heute manches anders sehen als früher“, sagt Vogt. „Wir wissen, wie wichtig es ist, in so herausfordernden Zeiten zusammenzuhalten und füreinander da zu sein.“

Die Aktion

Die Briefe mit Post aus der Corona-Zeit ins Jahr 2121 werden bis Sonntag, 26. September 2020 gesammelt.

Im Foyer des Hofheimer Rathauses können sie in einen eigens dafür aufgestellten Briefkasten links neben der Eingangstür eingeworfen werden.

Die verschlossenen Kuverts werden 100 Jahre lang im Stadtarchiv aufbewahrt und sollen erst 2121 geöffnet werden. aro

Formlos können die Mitteilungen in einen nicht frankierten Umschlag gesteckt und in die große Box im Rathausfoyer gegenüber dem Bürgerbüro geworfen werden. Anekdoten können in den Briefen erzählt, Probleme aus dem Pandemie-Alltag geschildert, Zeichnungen und Fotos beigefügt werden. Auch Kritik an den Einschränkungen oder an politischen Entscheidungen ist erlaubt. „All das prägt zurzeit unseren Alltag. Spätere Generationen sollen in den Briefen darüber lesen und die Informationen in den historischen Kontext einordnen können“, findet Vogt.

Für das Projekt „Briefe in die Zukunft: 2121“ hat der Hofheimer Rathauschef schon viel Lob bekommen. Der eine oder die andere hat jedoch auch nachgefragt, warum die Corona-Botschaften im 21. Jahrhundert ganz „altmodisch“ auf Papier niedergeschrieben werden sollen und ob man sie nicht auch virtuell in der Cloud abspeichern kann. Für Vogt macht allerdings genau das den Reiz der Aktion aus: Sie solle anregen, wieder einmal einen handschriftlichen Brief zu verfassen, sich Zeit zu nehmen zum Nachdenken und Formulieren, sagt er.

Dass die Briefe die nächsten 100 Jahre gut überstehen, dafür sorgt das Stadtarchiv. Die Kuverts mitsamt Inhalt werden bei einer konstanten Temperatur von 18 Grad Celsius und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert, erläutert Stadtarchivar Matthias Bartsch. Für das Archiv sei Papier immer noch sehr viel besser zu handhaben als eine digitale Datei.

Die „Briefe aus der Corona-Zeit ins Jahr 2121“ werden zu den ersten Archivalien zählen, die ins neue Hofheimer Stadtarchiv umziehen. Es ist Teil der Stadtbücherei, die zurzeit auf dem Kellereiplatz errichtet wird und wird dort im Untergeschoss seinen Platz finden. Der Neubau am Rande der Altstadt ist fast fertig. Schon bald soll Eröffnung sein.

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