Hofheim

Hofheim: Der Clown hilft in der Krise

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Die Hofheimer Schule für Clowns hat Videos mit Spielen für Eltern und Kinder online gestellt, die helfen sollen, leichter durch die Corona-Krise zu kommen.

Wie alle Schulen musste auch die Schule für Clowns im Hofheimer Stadtteil Lorsbach vor knapp drei Wochen von jetzt auf gleich ihre Pforten schließen. Aktuell sei er damit beschäftigt, für die diversen Kurse neue Termine zu finden, sagt Schulleiter Michael Stuhlmiller der FR. „Bei bis zu zwei Dutzend Teilnehmern pro Veranstaltung ist das keine einfache Aufgabe, vor allem, weil wir ja gar nicht so genau wissen, wann es überhaupt weitergehen kann.“

Der Arbeitsalltag ist auch für Stuhlmiller selbst ein anderer geworden. Für gewöhnlich hält er regelmäßig Vorträge zu Kommunikationsthemen vor großem Publikum. Jetzt sind sämtliche Termine abgesagt. Auch Clowns, die in seiner Schule ihre Ausbildung absolviert haben, könne er zurzeit nicht mehr für Auftritte vermitteln, erzählt er. Zusammen mit einer Schülerin hat er deshalb in der vergangenen Woche eine ganz neue Idee entwickelt: Auf der Homepage der Clownschule sind über Youtube eine Reihe kurzer Videos mit Bewegungs- und Fantasiespielen abrufbar, die Kinder und Eltern zu Hause spielen können. „Das, was wir normalerweise in unseren Kursen vermitteln, kommt jetzt direkt und kostenlos zu allen nach Hause“, sagt Stuhlmiller. Mehrere Tausend mal seien die kurzen Filme bereits angeklickt worden. „Und wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen.“

Stuhlmiller und Clownin „Blümchen“ alias Angela Hartmann arbeiten mit dem Mittel der Imitation. Sie ziehen Grimassen oder machen komische Bewegungen, die der andere nachahmen soll. „Dadurch entsteht körperlich und emotional eine Verbindung, man bekommt automatisch mit, wie es dem Gegenüber geht“, erläutert der Schulleiter, selbst ein ausgebildeter Clown. Dieses empathische Verstehen sei gerade in der Corona-Krise, in der bekannte Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt seien, wichtig.

Wenn Eltern die Spiele mit ihren Kindern spielten, löse sich außerdem die Hierarchie auf. „Als Clowns sind wir alle gleich.“

Stuhlmiller kann sich vorstellen, künftig mehr seiner Unterrichtsinhalte auch online anzubieten. „Das ist eine neue Idee, die ich in den letzten Tagen geboren habe und die Krise auf diese Weise für mich sogar kreativ nutze.“

Fast prophetisch mutet zudem der Arbeitstitel des Buches an, an dem Michael Stuhlmiller schon seit einigen Monaten schreibt und das im Herbst erscheinen soll: „Wer erfolgreich handeln will, muss kippen können“. Darin beschreibt er die Technik der Clownsarbeit, die sich jeweils an der gegebenen Situation orientiert und ein Problem in den Blick nimmt, ohne dass der Akteur all seiner Handlungsfreiheit beraubt wird.

„Der Clown stolpert, er fällt hin und findet auf dem Boden das, was er schon lange gesucht hat – zum Beispiel den Schlüssel für einen verschlossenen Schrank“, erklärt Stuhlmiller das Konzept. Das clowneske Kippen sei daher kein Scheitern, sondern die Voraussetzung für neue Impulse, um Probleme zu lösen. „Wenn wir die Corona-Krise als die größte Kippsituation begreifen, die wir jemals hatten, dann kann die clowneske Sicht auf die Dinge ein Ansatzpunkt sein, neue Wege zu gehen“, sagt Stuhlmiller. Wege, „von denen wir noch vor kurzem nicht geahnt haben, dass es sie gibt“.

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