Astrid Zimmermann (vorne) mit Assistentin Diana Fritze in der barrierefreien Musterwohnung der HWB. 
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Astrid Zimmermann (vorne) mit Assistentin Diana Fritze in der barrierefreien Musterwohnung der HWB. 

Hofheim

Hofheim: Behinderte Jugendliche lernen selbstständig wohnen

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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In einer barrierefreien Musterwohnung der Städtischen Wohnungsbaugsellschaft HWB können Schülerinnen und Schüler der nahe gelegenen Förderschule für den Alltag in den eigenen vier Wänden trainieren.

Felicia Sackie wird die Erste sein, die in die Wohnung im Erdgeschoss des Hauses Berliner Straße 6c einziehen darf. Die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) hat dort eine Musterwohnung für Inklusion eingerichtet – mit allem, was Menschen mit Beeinträchtigung brauchen können: von der Türklingel, die neben einem akustischen Signal auch ein optisches aussendet, bis zum höhenverstellbaren Waschtisch im Badezimmer und einem Tablet, mit dem man Beleuchtung und Rollläden fernsteuern kann.

Die 19-Jährige besucht die Abschlussklasse der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung im Stadtteil Marxheim. Den fünfminütigen Fußweg zur Wohnung kennt sie gut. Morgens und nachmittags sei sie mit ihren Mitschülern in der Berliner Straße, erzählt Felicia Sackie. „Wir frühstücken hier, kochen zusammen Kaffee, holen Brötchen vom Bäcker und machen sauber.“ Eine Waschmaschine haben die Bodelschwingh-Schüler bereits angeschafft und einen Staubsauger zusammengebaut. Demnächst wird Felicia Sackie mit einer anderen jungen Frau in der Wohnung zwei Wochen zur Probe wohnen. „Damit ich testen kann, wie es ist, selbstständig in einer WG zu leben“, sagt sie.

Seit 2016 gibt es die barrierefreie Musterwohnung in der Marxheimer Wohnanlage. Die HWB hat sie im Zuge des Projektes Modellregion Inklusion eingerichtet und für Besucher aus ganz Hessen geöffnet. Zahlreiche Mitglieder von Behindertenbeiräten, Handwerker, Architekten und Vermieter haben sich hier Anregungen geholt.

Finanzierung

Die Mietkostenfür die barrierefreie Trainingswohnung in Höhe von 960 Euro im Monat übernehmen in den kommenden zwei Jahren je zur Hälfte die Gemeinnützige Zuhause Mobil GmbH und die Leberecht-Stiftung.

Die Einrichtunghat die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) kostenfrei zur Verfügung gestellt. 

Im vergangenen Jahr hat der Main-Taunus-Kreis die 80 Quadratmeter große Wohnung angemietet. Seither steht sie den Bodelschwingh-Schülern als „Trainingswohnung“ zur Verfügung. Projektpartner ist die Gemeinnützige Zuhause Mobil GmbH, die die Jugendlichen mit Beeinträchtigung dabei unterstützt, sich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.

„Das Thema Wohnen hat für unsere Schülerinnen und Schüler einen wichtigen Stellenwert“, sagt Schulleiterin Annette Wenzel. Die Trainingswohnung der HWB ermögliche lebensnahen Unterricht in den Abschlussklassen, wenn für die Jugendlichen die Berufswahl und der Auszug aus dem Elternhaus anstünden. „Dafür sind wir sehr dankbar.“

Der Vorsitzende des Hofheimer Behindertenbeirats, Kurt Jacobs, spricht von einem „Leuchtturmprojekt“, das es in dieser Form noch nirgendwo in Hessen gebe. „Das Besondere ist, dass bei der Planung der Wohnung der Sachverstand von Menschen mit Behinderung eingeflossen ist.“

Wenn Felicia Sackie demnächst für zwei Wochen in die Trainingswohnung einzieht, wird sie eine Assistentin der Mobil Wohnen GmbH an ihrer Seite haben. Auch mehrfach behinderten Menschen biete die Gesellschaft Unterstützung im Alltag an, sagt die Geschäftsführerin Ellen Schmidt-Nobus. Die HWB-Wohnung in Marxheim könne nicht nur zum Probewohnen, sondern an Wochenenden oder in den Schulferien auch für Kurzurlaube genutzt werden.

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