Flutbachwehr am Mühlbach 1902.
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Flutbachwehr am Mühlbach 1902.

Hofheim

Hofheim: Ausstellung ermöglicht Blick in die Stadtgeschichte

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Das Stadtmuseum in Hofheim zeigt in einer Sonderausstellung Fotos und Dokumente aus der Sammlung von Gustav Kyritz, dem ehemaligen Wirt des Gasthofs Landsberg.

Beim Anblick der vielen Ordner, Schachteln, Kartons und Mappen war selbst Stadtarchivarin Roswitha Schlecker erst mal „wie erschlagen“. Die Nachfahren von Gustav Kyritz hatten die umfangreiche heimatgeschichtliche Sammlung des ehemaligen Wirtes vom Gasthof Landsberg jahrzehntelang mehr oder weniger ungeordnet in deckenhohen Wandschränken verstaut. 2016 beschloss die Familie, die Sammlung dem Stadtarchiv Hofheim zu übergeben. Gesichtet sind die unzähligen historischen Dokumente und Schriftstücke, Zeitungsausschnitte, Bücher und 25 Laufmeter Fotoalben noch längst nicht. Nur Stück für Stück könne sich ein Fachmann die Sammlung Kyritz erschließen, sagt Roswitha Schlecker. „Dafür braucht man sehr viel Zeit.“

Termine

Die Sonderausstellung „Die Sammlung Kyritz – ein erster Blick“ läuft bis 19. April im Stadtmuseum Hofheim, Burgstraße 11.

Führungen mit Stadtarchivarin Roswitha Schlecker beginnen am 8. und 29. März jeweils um 11.15 Uhr sowie zur Finissage am 19. April um 16 Uhr.

Weitere Informationen unter www. hofheim.de. aro

Deshalb ist die Sonderausstellung, die am morgigen Sonntag im Hofheimer Stadtmuseum eröffnet wird, auch nur „ein erster Blick“ auf Gustav Kyritz’ heimatgeschichtlichen Nachlass. 40 historische Schwarz-Weiß-Fotografien mit alten Hofheimer Ansichten hat Roswitha Schlecker dafür ausgesucht und von Fotograf Herbert Fischer großformatige Reproduktionen anfertigen lassen. Sie zeigen Straßen und Plätze der heutigen Kreisstadt, die der Hofheimer Stadtfotograf Otto Engelhard Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts abgelichtet hat. Auch Szenen aus dem Alltagsleben sind zu sehen: Kinder beim Johannisbeerpflücken, eine Gruppe von Ausflüglern am Meisterturm, der Landwirt Adolf Wollstadt mit seinem Fuhrwerk in der Hauptstraße. Ein Bild zeigt Arbeiter beim Umbau der katholischen Kirche in den Jahren 1926 bis 1929 unter dem hohen, lichtdurchfluteten Dachstuhl; auf einem Foto haben sich die Kommunionkinder des Jahrgangs 1890 und Ministranten am Weißen Sonntag um Pfarrer Fritz Buus versammelt; ein weiteres Bild, das in der Ausstellung gezeigt wird, ist anlässlich des Kochlehrgangs im Hof des Gasthauses „Zur Krone“ im Jahr 1902 entstanden. In seiner Hofheimer Bilderchronik hat Gustav Kyritz Hunderte Fotos gesammelt, aufgeklebt und mit handschriftlichen Notizen versehen. Akribisch sind die Namen der abgebildeten Personen aufgelistet, das Entstehungsjahr des Bildes wird genannt und der Name des Fotografen.

Gustav Kyritz, 1906 geboren, hatte bereits in den 1920er Jahren seine Liebe zur lokalen Geschichte entdeckt und mit dem Sammeln begonnen. Viele Hofheimer brachten dem Wirt vom historischen Gasthof Landsberg im Laufe der Jahre weitere Dokumente und Fotografien. Das historische Material füllte schließlich den gesamten Treppenaufgang und den ersten Stock in Kyritz’ Wohnhaus in der Hauptstraße 20a. Alles, was Hofheim betraf, wurde aufgehoben, abgeheftet, inventarisiert, und zwar stets in der Reihenfolge, wie es eingetroffen war. Zeitsprünge und Themenwechsel sind deshalb typisch für den Sammlungsaufbau. 

Gustav Kyritz am Zapfhahn in seiner Gaststätte im Jahr 1967.

Weil Gustav Kyritz ein detailliertes Schlagwortverzeichnis auf Karteikarten erstellte, konnte er stets Material zu einem Thema zusammenstellen, auch wenn Dokumente und Fotos über mehrere Regale, Ordner und Kästen verteilt waren. Zu Kyritz’ Sammlung gehören auch die sogenannten Landsbergbücher in 18 Bänden. Es sind Chroniken und Gästebücher der Gaststätte in der Hauptstraße, gemischt mit Dokumenten und Zeitungsartikeln von Hochzeiten, Vereinsgründungen und Jubiläen. Als zeitgeschichtliche Dokumente der Hofheimer Gesellschaft sind sie von unschätzbarem Wert.

1972 musste Gustav Kyritz die Gastwirtschaft aus Altersgründen verpachten, Historisches aus Hofheim sammelte er weiterhin bis kurz vor seinem Tod Ende der 1980er Jahre. Als Autodidakt erforschte er auch die Hofheimer Stadtgeschichte und legte seine Erkenntnisse schriftlich nieder. In zwei Heftchen wurden sie als „Hofemer Geschichtcher“ veröffentlicht.

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