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Gute Freundin und Portrait-Motiv

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Die Jüdin Emma Kopp war wie Malerin Ottilie W. Roederstein Wahl-Hofheimerin

Hofheim - Sie war eine enge Freundin von Ottilie Wilhelmine Roederstein: Emma Kopp wurde von der Künstlerin gleich mehrfach als Motiv für Gemälde gewählt. So ist die Wahl-Hofheimerin, die 1911 in die direkte Nachbarschaft von Roederstein und ihrer Lebensgefährtin Dr. Elisabeth Winterhalter zog, in der aktuellen Ausstellung im Frankfurter Städel gleich mehrfach zu sehen - im Portrait, eine Leihgabe des Hofheimer Stadtmuseums, als „Eingebildete Kranke“ und als Darstellerin in der Geste der berühmten drei Affen (nichts hören, nichts sehen, nichts sagen), das Roederstein mit „Lebensweisheit oder Drei weltabgewandte Frauen“ betitelte. Noch bis zum 16. Oktober besteht Gelegenheit, die sehenswerte Roederstein-Werkschau zu besuchen.

Erzwungener Auszug

Emma Kopp wurde 1864 geboren. Das steht auf dem „Stolperstein“, der vor ihrem früheren Wohnhaus im Roedersteinweg 4 verlegt worden ist. Der Stein erinnert an sie, weil sie als Jüdin aus ihrem Eigentum vertrieben wurde. Ihre stattliche Villa wollte der Main-Taunus-Kreis als repräsentative Dienstwohnung des Landrats und wies Bürgermeister Oskar Meyrer an, dies durchzusetzen. 1938 war es, im Jahr nach Roedersteins Tod. Dem Einsatz der hochangesehenen Elisabeth Winterhalter, immerhin Ehrenbürgerin der Stadt, ist wohl zu verdanken, dass Kopp ermöglicht wurde, weiter in der Nähe ihrer Freunde in Hofheim zu leben. Der damals bereits 74-Jährigen wurde angeboten, das Gebäude Kurhausstraße 31 mitsamt Garten zu mieten. Auch Hannah Bekker vom Rath soll sich für Emma Kopp eingesetzt haben. Das Haus in der Kurhausstraße gehörte Flora Gollhard, geborene Lipmann. Die Jüdin war vor den Nazis bereits ins Exil nach England geflohen. Für ihr Eigentum wurde Juden in der Regel nur ein lächerlicher Kaufpreis angeboten, um das erzwungene „Geschäft“ legal wirken zu lassen.

„Am 12. Januar 1939 forderte Bürgermeister Meyrer Emma Kopp höflich, aber unmissverständlich auf, innerhalb einer Frist von drei Tagen der besprochenen Regelung zuzustimmen, nach der sie bis zum 5. Februar 1939 ihr Anwesen zu räumen hatte.“ So ist es auf der Internetseite der Stadt Hofheim unter dem Stichwort Stolpersteine nachzulesen. Der Kaufvertrag trägt das Datum des 24. Januar. Auch der Zugang zum eigenen Vermögen wurde Emma Kopp stark eingeschränkt. Sie durfte davon nur noch einen sogenannten „Freibetrag“ von bis zu 300 Reichsmark im Monat für ihren Lebensunterhalt nutzen.

ROEDERSTEIN-RETROSPEKTIVE

Die Werkschau „Frei. Schaffend. - Die Malerin Ottilie W. Roederstein“ ist noch bis Sonntag, 16. Oktober, im Frankfurter Städel am Museumsufer zu sehen. Es gilt noch der Sommereintrittspreis von 10 Euro.

Die 1859 in Zürich geborene Künstlerin kam nach Lebensstationen in Berlin und Paris 1891 nach Frankfurt. 1909 bezog sie mit ihrer Lebensgefährtin, der Ärztin Dr. Elisabeth Winterhalter, in Hofheim am damals noch weitgehend unbebauten Kapellenberg eine neu erbaute Villa. Die mit beiden Frauen eng befreundete Emma Kopp folgte ihnen nach Hofheim. Die Schau im Haus Giersch auf dem Städel-Gelände zeigt 75 Bilder Roedersteins, darunter auch ein Portrait des Arztes Karl Herxheimer, der nach der Deportation ins KZ Theresienstadt starb. Auch er gehörte zum Freundeskreis der Künstlerin. babs

Um eine Pflegerin bezahlen zu können, erreichte sie im Mai 1940, dass der Betrag auf 450 Reichsmark angehoben wurde. Der Abtransport in ein Vernichtungslager blieb der Jüdin erspart. Emma Kopp starb im Alter von 77 Jahren am 31. August 1941 in Hofheim. Die Tochter eines Kleider-Fabrikanten, der wohl 1877 von Offenbach nach Frankfurt umgesiedelt war, soll, so hat es sich Roederstein-Biographin Dr. Barbara Rök nach Jughenns Aufzeichnungen notiert, auf einem Frankfurter Friedhof beigesetzt worden sein.

Über ihre Tätigkeit ist wenig bekannt. Sie sei „im Kunstgewerbe unterwegs“ gewesen, heißt es auf der Seite der Stadt. Die Zeitschrift „Die Werkstatt der Kunst - Organ für die Interessen der Bildenden Künstler“ hielt in Heft 25 vom 31. März 1919 fest, dass Emma Kopp an der Ausstellung Frankfurter Künstler in Mannheim teilgenommen habe, die dort auf Einladung 62 Werke zeigten. Genannt werden neben Emma Kopp unter anderem die Maler Friedrich Ernst Morgenstern (1853 - 1919), Alfred Oppenheim (1873 - 1953) und Ugi Battenberg (1879 - 1957). Battenberg und Kopp gehörten laut Städel zu den Mal-Schülern, die Roederstein in ihren Ateliers im Städelschen Kunstinstitut unterrichtete.

Die Freundschaft zwischen den Frauen rührt aber wohl eher aus enger Nachbarschaft und vorurteilsfreier Sympathie. Nach den Aufzeichnungen von Hermann Jughenn haben Roederstein, Winterhalter und Kopp im Frankfurter Westend eine Zeit lang in der Straße Unterlindau im selben Haus Nummer 35 gewohnt.

Übrigens pflegte Ottilie Roederstein auch Kontakt zu einem weiteren in Hofheim wohlbekannten jüdischen Künstler. Ludwig Meidner schrieb der „verehrten Kollegin“ im Juni 1934, gerade in ihrer Person sei ihm „so sehr Wesen und Art des liberalen Zeitalters, das nun leider zu Ende geht“, verkörpert erschienen. „Sie gehören zu einem Menschentypus, der vermutlich in den nächsten Jahrzehnten gänzlich von der Bildfläche verschwinden dürfte, um einer anderen Art Mensch Platz zu machen, die eher mit dem Menschenfressertum verwandt sein wird.“

Roederstein, Jeanne Smith, Emma Kopp und Maximiliane vom Rath (von links), um 1930. städel museum
Roederstein, Jeanne Smith, Emma Kopp und Maximiliane vom Rath (von links), um 1930. städel museum © Stadtmuseum Hofheim
Portrait „Emma Kopp im Mantel“ von 1910. stadtmuseum hofheim
Portrait „Emma Kopp im Mantel“ von 1910. stadtmuseum hofheim © Stadtmuseum Hofheim

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