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Grünes Licht für 100 Wohnungen

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Der geplante Neubaukomplex mit Kita von der Ecke Liederbacher Weg/Fichtestraße aus gesehen.
Der geplante Neubaukomplex mit Kita von der Ecke Liederbacher Weg/Fichtestraße aus gesehen. instone © instone

Politik billigt Bebauungsplan fürs alte Fabrik-Gelände / Nachbarschaft enttäuscht

Hofheim - Es gab, voraussichtlich letztmalig, noch einmal eine lange Diskussion im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung über das Baugebiet auf dem ehemaligen Industrie-Grundstück in der Homburger Straße. Es gab auch ein halbes Dutzend Anwohner, die nach der Abstimmung hörbar unzufrieden die Sitzung verließen. Und es gab eine mehr als deutliche Entscheidung des Ausschusses für das Projekt - der Bebauungsplan wurde einstimmig gebilligt, ohne Gegenstimmen, bei Enthaltung der SPD. Damit ist die Grundlage dafür geschaffen, dass der Main-Taunus-Kreis eine Baugenehmigung erteilen kann.

Um was geht es? Der Immobilienentwickler Instone Real Estate möchte auf dem ehemaligen Grundstück der Firma Mohr etwa 100 Wohnungen bauen. Ein Gebäude soll an die stadteigene Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) verkauft werden, die dort 20 Sozialwohnungen vermietet. Außerdem ist eine Kindertagesstätte mit drei Gruppen vorgesehen, davon zwei für Kinder unter drei Jahre und eine für die Älteren.

Anwohner lehnen die Pläne ab, weil sie Gebäude von bis zu 18 Metern Höhe als überdimensioniert ansehen. Die neuen Häuser werden die umgebende Bebauung tatsächlich um mindestens ein Geschoss überragen. An der Ablehnung der Nachbarschaft hat auch ein gewisses Entgegenkommen der Planer nichts geändert - das für die HWB vorgesehene Haus wurde etwas verkleinert und soll ein wenig tiefer stehen. Trotzdem erwägen einzelne Anlieger eine Klage.

Abgelehnt wird das Vorhaben übrigens auch von den Linken, die im Bauausschuss allerdings kein Stimmrecht haben. „Wir begehen eine städtebauliche Sünde“, so der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann - ebenso gut sei eine lockerere Bebauung möglich gewesen, ergänzt durch eine große Kindertagesstätte.

Dass das Quartier relativ hoch und relativ dicht bebaut werden soll, das wird von keinem ernsthaft bestritten. „Das ist nicht wegzudiskutieren“, so auch Baudezernent Wolfgang Exner (CDU). Aber die Vor- und Nachteile werden gegeneinander abgewogen. „Für uns sind die Kindertagesstätte und die Sozialwohnungen entscheidend“, so etwa die BfH-Stadtverordnete Tanja Lindenthal.

Ähnlich Bettina Brestel von den Grünen - die Fraktion stimme wegen der notwendigen Wohnungen zu. Aus ihrer Sicht hätte die Stadtverordnetenversammlung allerdings früher in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden müssen - Exner sieht da keine Versäumnisse der Stadt. Ralf Weber (FDP) dagegen hätte sich an der einen oder anderen Stelle etwas weniger Bebauung gewünscht, er hatte ja die zuletzt vorgenommene Verkleinerung des HWB-Gebäudes initiiert.

Noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist offensichtlich der Verkauf des Gebäudes mit den Sozialwohnungen an die HWB. Dies könne erst jetzt vertraglich festgeklopft werden, nachdem der Bebauungsplan definitiv beschlossen ist, so HWB-Geschäftsführer Norman Diehl im Bauausschuss. Nur wenn es zu einer Einigung kommt, wird die HWB dort für mindestens 20 Jahre Sozialwohnungen anbieten können. Bleibt das Objekt beim Investor, ist der vertraglich nur für 15 Jahre auf Sozialwohnungen verpflichtet.

So jedenfalls steht es in der Vereinbarung zwischen Stadt und der Instone GmbH, die vertraulich ist und auch nur in nicht öffentlicher Sitzung beraten wurde. Der Ausschluss der Öffentlichkeit ist freilich auch unter den Parteien umstritten und führte unter den Anwohnern zu der Vermutung, der Vertrag enthalte Zugeständnisse an den Investor, die beide Seiten lieber nicht öffentlich machen wollen.

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