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Frühschicht mit Spaten

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Ab ins Pflanzloch: Während Herbert Habicht (rechts) gerade die Erde um eine Hainbuche festdrückt, hat Reporterin Barbara Schmidt eine junge Eiche gepflanzt.
Ab ins Pflanzloch: Während Herbert Habicht (rechts) gerade die Erde um eine Hainbuche festdrückt, hat Reporterin Barbara Schmidt eine junge Eiche gepflanzt. Knapp © Knapp

Freiwillige pflanzen junge Bäume auf Kahlschlagfläche im Lorsbacher Wald

Hofheim - Zugegeben, ganz schön fand ich es nicht, das Frühstück verkürzen und ausnahmsweise die Zeitung links liegen lassen zu müssen. Aber Stadt und Bürgerstiftung hatten sich wohl gesagt: Wer früh anfängt, kann viel schaffen. Um 9 Uhr galt es an diesem Morgen, am Treffpunkt unweit des Lorsbacher Sportplatzes zu sein, denn hier hat Hofheims Wald derzeit eine seiner größten Wunden. Mit Arbeitshandschuhen, Spaten und Wanderschuhen mache ich mich auf den Weg. Der erste, den ich im Arbeitsoverall und ebenfalls mit Spaten in der Hand treffe, ist Dieter Kugelmann. Der Ortsvorsteher geht nicht nur mit gutem Beispiel, sondern auch mit Ortskenntnis voran und weist dem weiteren Mitstreiter und der Reporterin den Weg.

Rasch erreichen wir die riesige Brache, die die Trockensommer und der Borkenkäfer verursacht haben. Am Ende war es der Harvester, eine riesige Holz-Erntemaschine, die den Kahlschlag besorgt hat.

„Als ich das gesehen habe, hat mir das Herz geblutet. Ich hab’ ernsthaft geweint. Das war so schrecklich“, wird wenig später die Lorsbacherin Christiane Desbuleux sagen, die unter den Freiwilligen der ersten Gruppe ist. Gut 20 Menschen haben sich zur „Früh-Schicht“ eingefunden. Dieter Kugelmann gehört zu den älteren Semestern, die beiden Jüngsten sind Joel (6) und sein Bruder Jonathan (4). Auch sie gehen hier häufig in den Wald, weil sie ganz in der Nähe wohnen, Joel kann sogar noch minutiös schildern, wie der Harvester es bewerkstelligt hat, sich hier Baumstamm für Baumstamm durch den abgestorbenen Fichtenbestand zu fressen.

„Als wir das hier miterlebt haben, waren wir sehr traurig“, sagt der Vater der zwei Jungs - auch für ihn das beste Motiv, heute gemeinsam zum Spaten zu greifen, um etwas gegen die aktuelle Tristesse auf der riesigen Fläche zu tun. Auf 5000 Quadratmetern davon sollen an diesem ersten von zwei diesjährigen Pflanztagen junge Bäume gesetzt werden. „Wir haben Traubeneichen, Hainbuchen und Sommerlinden“, erläutert Förster Leif Leonhardt. Finanziert wird das Projekt von der Bürgerstiftung. „Ein Lorsbacher Ehepaar hat uns dafür 15 000 Euro gespendet“, freut sich Vorstandsmitglied Anne Pollok-Müller, die nicht nur die Stiftung vertritt, sondern gleich auch mit anpackt. 3000 zweijährige Jungpflanzen wurden eingekauft, das Stück kostet laut Förster Hannes Dietz als „Containerpflanze“, also mit Erde um die Wurzeln, rund 2 Euro. Außerdem hat die Stadt, wie schon bei der Aktion 2021 im Langenhainer Wald, wieder einen Zaun um das Gelände setzen lassen, der die jungen Bäume vor Wildverbiss schützen soll. Er ermöglicht, auf die Plastikhülsen zu verzichten - sonst die einzige Möglichkeit, den Rehen das Knabbern zu verwehren.

ZWEITER AKTIONSTAG

Es gibt noch eine zweite Bürger-Pflanzaktion am Samstag, 12. November. Wieder wird in Lorsbach zur Tat geschritten. Von 9 bis 10.30, von 11 bis 12.30 und von 13 bis 14.30 sind fleißige Helfer gefragt. Die sollten festes Schuhwerk und Arbeitshandschuhe tragen und wenn möglich einen Spaten mitbringen.

Verpflegung : Der FC Lorsbach und der TV Lorsbach unterstützen die Aktion und bieten nach getaner Arbeit eine kleine Stärkung an.

Freiwillige können sich per E-Mail unter buergerstiftung@hofheim.de oder per Telefon 0 61 92/20 23 93 anmelden. babs

Nach Begrüßung und kurzer Einführung geht’s in das eingehegte Gelände. Gut, dass ich die festen, hohen Wanderschuhe angezogen habe! Auf dem leicht abschüssigen, unebenen Boden zwischen toten Fichtenzweigen, herausstehenden Wurzeln und Baumstümpfen geben sie Halt. So einfach, wie es bei Förster Hannes Diez klappt, der anfangs vorgeführt hat, was beim Pflanzen zu beachten ist, ist es zudem nicht, den Spaten in den Boden zu bekommen. Gleich beim ersten Versuch erwische ich einen kleinen Findling, wie im Lorsbachtal viele unter der Oberfläche schlummern. Direkt daneben sitzt eine Wurzel. Da ist kein Durchkommen, wie auch der zur Hilfe eilende Förster Leonhardt feststellen muss. Mit großem Kraftaufwand schafft er es doch, ein Loch zu machen. Dort kann ich ihn endlich in den Boden setzen, „meinen“ ersten Baum, eine Eiche.

Auch die anderen um mich herum haben gleich losgelegt. Herbert Habicht ist Lorsbacher und ebenfalls leidenschaftlicher Waldspaziergänger, Andreas Höck ist aus Hofheim gekommen. „Ich finde es eine gute Aktion“, meint der IT-Fachmann, der sich freut, mal nicht am Computer, sondern draußen zu arbeiten.

Die eineinhalb Stunden gehen flugs vorbei. Die Kisten mit den Setzlingen leeren sich. Dafür füllt sich der Boden um uns herum und wirkt am Ende schon ganz anders, irgendwie hoffnungsgrün. Wir alle sehen es mit tiefer Zufriedenheit. Und gehen mit dem guten Gefühl heim: Dieser Einsatz hat sich gelohnt.

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