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„Von der Pike auf“ kennt Tischlermeister Martin Schuchardt, was ein Beruf im Handwerk bedeutet. schmidt
„Von der Pike auf“ kennt Tischlermeister Martin Schuchardt, was ein Beruf im Handwerk bedeutet. schmidt © babs

Martin Schuchardt setzt sich als neuer Kreishandwerksmeister für die Berufsausbildung ein

Hofheim - Vom sprichwörtlichen „Goldenen Boden“ des Handwerks will Martin Schuchardt derzeit lieber nicht sprechen. Zu gut weiß er um die Sorgen etwa von Bäckern und Metzgern, denen allem voran die hohen Energiepreise in diesen Tagen die Bilanz verhageln. Sicher ist sich der neue Kreishandwerksmeister aber mit dieser Aussage: „Wir haben Zukunft“ - und das trotz all der Herausforderungen und Schwierigkeiten, die Tischlermeister Martin Schuchardt als Geschäftsführer der Schreinerei Peter Fuchs kennt, und um die er sich ehrenamtlich kümmert.

Seit Ende des vergangenen Jahres tut er es an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Main- und Hochtaunus, doch diese Art ehrenamtlichen Einsatzes für die gesamte Berufsgruppe ist für ihn längst kein Neuland mehr. Fast erschrocken sei er, als er, der über derlei Dinge nicht Buch führe, bei der Vorbereitung auf die Wahlversammlung festgestellt habe, dass er schon seit 1996 im Vorstand der Tischlerinnung dabei ist, berichtet Schuchardt. „Damals wurde ich zum Beisitzer gewählt.“ Bereits 2002 machten ihn seine Berufskollegen zum Obermeister, seit 2006 sitzt der Wallauer auch im Vorstand der Kreishandwerkerschaft und war zuletzt stellvertretender Kreishandwerksmeister.

Nach der Fusion mit dem Hochtaunus 2017 war beschlossen worden, die Erfahrung der Kreishandwerksmeister Raimund Dorn (Main-Taunus) und Walter Gernhard (Hochtaunus) für eine weitere Amtszeit zu nutzen, in der beide als Doppelspitze fungieren sollten. „Das hat gut funktioniert und sehr geholfen, dass es zusammenwachsen konnte“, urteilt Schuchardt im Rückblick.

Doch nicht zuletzt aus Altersgründen war es an der Zeit für eine Neubesetzung und damit zur Neuwahl eines einzigen Kreishandwerksmeister, der nun beide Landkreise repräsentiert. Schuchardt begrüßt aber, dass ihm zwei Stellvertreter zur Seite stehen, und zwar einer aus jedem Kreis, die zudem aus zwei anderen Innungen kommen. Wolfgang Gräber aus Hofheim ist Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister, Dirk Velte aus Oberursel Schmiedemeister.

„Kreativ und interessant“

Martin Schuchardts Wahl ist früh auf das Tischlerhandwerk gefallen, „weil ich es kreativ und interessant finde“. Seine Ausbildungsstelle, die Schreinerei Peter Fuchs in Hofheim, ist bis heute sein Arbeitsplatz, nur ist er hier seit langem der Chef. 1996 gab Peter Fuchs seinem Mitarbeiter die Chance auf eine Betriebsnachfolge und gründete mit ihm gemeinsam eine GmbH. Dass die eigenen Kinder den Betrieb übernehmen, wie es über Jahrhunderte im Handwerk üblich war, ist längst nicht mehr selbstverständlich. So ist die Nachfolgefrage eine jener Herausforderungen, von denen schon die Rede war.

Wie viele andere Branchen kämpft auch das Handwerk mit einer Fülle von gesetzlichen Vorgaben. Immer mehr drückt zudem auch hier der Fachkräftemangel. Mehr Schulpraktika würde Martin Schuchardt begrüßen, damit junge Menschen überhaupt die Chance hätten, mit Handwerksberufen in Berührung zu kommen. Er selbst hat im schulischen Werkunterricht, den es zu seinem Bedauern kaum noch gibt, seine Freude an handwerklicher Arbeit entdeckt. Richtig Lunte gerochen hat er dann, als die Fensterbauer ins Elternhaus kamen. „Das hat mich fasziniert“, weiß Schuchardt noch. Er habe dann seinen Vater gebeten, ihm zu erlauben, sich den Dachboden selbst auszubauen. Das Ergebnis: Er hatte seinen Traumberuf gefunden - und sich ein eigenes Zimmer geschaffen.

Der 55-jährige Schuchardt, selbst Vater von zwei erwachsenen Kindern, macht keinen Hehl daraus, dass er nichts davon hält, wenn nur Abitur und Studium als Weg zu beruflicher Zufriedenheit, gesellschaftlicher Anerkennung und nicht zuletzt (auch wirtschaftlichem) Erfolg gesehen werden. „Ich habe einen Riesenrespekt vor allen, die im Handwerk ihren Job machen. Aber das wird so mit Füßen getreten“, sagt Schuchardt.

Er spricht an, dass Handwerksbetriebe im Ballungsraum zudem mit zusätzlichen Erschwernissen kämpfen. Höhere Kosten, der Mangel an für ihre Mitarbeiter bezahlbarem Wohnraum und vielfach auch fehlende Flächen für Betriebs-Räume und -Fahrzeuge zu stemmbaren Preisen gehören dazu. Einen verstärkten Blick dafür bei der Politik würde er sich hier wünschen - und nutzt auch deshalb gern alle Möglichkeiten zum Gespräch etwa mit Landräten und Bürgermeistern.

Der sich selbst als „glücklich verheiratet“ bezeichnende Motorsportfan, der mit seiner Frau Gabriele neben der täglichen Arbeit im Betrieb auch die Leidenschaft für Oldtimer und die Freude am Tanzen teilt, setzt einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Zeit ehrenamtlich und aus Überzeugung für die Belange des Handwerks ein. „Dass man auch mehr auf die Kreishandwerkerschaft zugeht, das wünsche ich mir“, sagt der Kreishandwerksmeister. Denn dass Handwerk Zukunft hat, dafür braucht’s in seinen Augen noch manche Einsicht und Veränderung.

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