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Museumsleiterin Eva Scheid in der Austellung „Der deutsche Expressionismus um 1918“

Hofheim

Expressionismus-Ausstellung im Stadtmuseum

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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100 Bilder aus einem Jahrzehnt deutscher Kunstgeschichte zeigt das Hofheimer Stadtmuseum ab Sonntag in der neuen Expressionismus-Ausstellung „Hölle und Paradies“. Zu sehen sind auch Leihgaben des Wiesbadener Privatsammlers Frank Brabant.

Einige der Bilder im Hofheimer Stadtmuseum lassen den Betrachter erschaudern. Otto Dix’ Radierung „Leiche im Drahtverhau“ etwa oder die düsteren Kriegszyklen von Ludwig Meidner. Von Trauer und Hoffnungslosigkeit getragen ist auch Karl Hofers Ölbild „Mädchen mit blauer Vase“ aus dem Jahr 1920: Teilnahmslos blickt die junge Frau ins Leere. Die Rose, die in einer Vase vor ihr auf dem Tisch steht, ist geknickt. Doch es gibt in der Ausstellung zum deutschen Expressionismus um 1918, die morgen eröffnet wird, auch helle, farbenprächtige Bilder. Etwa die Komposition „Jüngling und Mädchen“ von Carl Gunschmann. Das Ölbild strahlt Zuversicht und Leichtigkeit aus. Gleiches gilt für die lichtumflossenen, metaphorischen Werke von Albert Mueller, die Titel tragen wie „Wunderblume“ oder „Sonnenaufgang“.

Die Ausstellung mit 100 Kunstwerken von 32 Künstlern der zweiten Generation von Expressionisten wurde nicht eigens für das Hofheimer Stadtmuseum zusammengestellt. Sie war zuvor bereits im städtischen Museum Engen (Baden-Württemberg) zu sehen. In die Main-Taunus-Kreisstadt, die selbst einst ein Kristallisationspunkt expressionistischen Schaffens war, passt sie perfekt. Und sie zeigt neben den Werken berühmter Künstler wie Ludwig Meidner, Otto Dix und Conrad Felixmüller auch Arbeiten weniger bekannter Zeitgenossen. So gebe es beispielsweise Curt Lahs, Hans Orlowski oder Curt Ehrhardt neu zu entdecken, sagt Museumsleiterin Eva Scheid. Oder eben Albert Mueller, dessen Werke Scheid besonders faszinieren. „Er war für mich die größte Entdeckung.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Hölle und Paradies – Der Deutsche Expressionismus um 1918“ läuft bis 14. Februar 2021 im Hofheimer Stadtmuseum, Burgstraße 11.

Öffnungszeiten sind Dienstag, 10 – 13 Uhr, Dienstag bis Freitag, 14 – 17 Uhr und Samstag/Sonntag 11 – 18 Uhr.

Informationen unter www.hofheim.de.

Die meisten Exponate in der Ausstellung sind Leihgaben aus Privatbesitz – etwa aus der Sammlung Hermann-Josef Bunte aus Norddeutschland, von Winfried Flammann aus Karlsruhe oder aus dem Besitz des Wiesbadener Kunstsammlers Frank Brabant. Dazu kommen Werke aus den Kunstsammlungen der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke oder der Stadt Limburg. Der Titel der Ausstellung, „Hölle und Paradies“, weist auf den Spannungsbogen hin, in dem sich die Künstler in den Jahren 1914 bis 1924 bewegten: Sie teilten die traumatisierende Erfahrung des systematischen Massentötens im Ersten Weltkrieg, Hunger, Revolution und Zukunftsängste ebenso wie das Hoffen auf eine bessere Welt, Zukunftsvisionen und die Euphorie des Neuanfangs der Weimarer Republik.

Stilistische Neuerungen wie Kubismus, Futurismus und ein expressiver Naturalismus seien damals von den Avantgarde-Künstlern Conrad Felixmüller, Georg Tappert und Bruno Krauskopf eingesetzt worden, um ihre Bildsprache zu steigern, berichtet Eva Scheid. Von allen dreien sind in der Ausstellung Werke zu sehen. Ebenso von den süddeutschen Expressionisten Gottfried Graf, Albert Mueller und Josef Eberz, die in ihrer Kunst den Aufbruch von der „Hölle“ des Krieges ins „Paradies“ einer freundlichen, vergeistigten Menschheit herbeiträumen.

Wegen der Corona-Pandemie findet die Eröffnung der Ausstellung am morgigen Sonntag, 11.15 Uhr, nur im kleinen Kreis statt. Ein Digitalvideo ist danach unter www.hofheim.de abrufbar. Führungen beginnen am Eröffnungstag um 13 Uhr, 14.30 Uhr und um 16 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist auf jeweils zwölf Personen begrenzt. Weitere Führungstermine sind jeweils sonntags um 11.15 Uhr beziehungsweise um 15 Uhr. Für Sonntag, 5. Oktober, ist eine Ausstellungsführung mit Gespräch und Diskussion über die Bedeutung der Farben in der Kunstrichtung des Expressionismus sowie in Alltag, Kleidung und Natur angekündigt.

Am Freitag, 4. Dezember, referiert der Künstler und Kunsthistoriker Otfried Schütz über die zweite Generation des deutschen Expressionismus. Der Wiesbadener Sammler Frank Brabant ist am Dienstag, 19. Januar, 20 Uhr, im Stadtmuseum zu Gast. Ab November können Besucher der Ausstellung unter dem Motto „Hofheim spricht!“ Statements zu den Bildern abgeben, die dann als Audiodatei im Internet abrufbar sind. Wer möchte, kann außerdem von den Kunstwerken inspirierte lyrische Texte einsenden. Sie werden auf Facebook und Instagram präsentiert.

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