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Erfahrungen mit Diskriminierung

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Veranstaltung des Ausländerbeirats gewährt Einblicke in das sensible Thema

Hofheim - Es war eine bemerkenswerte Veranstaltung, die der Ausländerbeirat da organisiert hatte. Erstens bemerkenswert, weil ein Vater eines aus Madagaskar stammenden Adoptivkindes über Diskriminierungen berichtete, die dieses erleben musste. Beim Spiel mit seinem Fußballverein gab es vom Gegner auf dem Platz so lange rassistische Beleidigungen, bis der Jugendliche weinend das Spielfeld verließ. Und in der Grundschule habe sich vor Jahren eine Lehrerin ebenfalls rassistisch verhalten.

Die Folgen dieser Erfahrungen: Bei der aktuellen Suche nach einem Ausbildungsplatz spiele auch die Überlegung eine Rolle, wo die Gefahr groß sein könnte, sich derartigem erneut auszusetzen. Und seit Jahren habe die Familie stets im Hinterkopf, Situationen zu meiden, in denen es zu solchen Vorfällen kommen kann. Es ergebe sich so eine Einschränkung persönlicher Freiheiten.

Die Veranstaltung war auch eine Reaktion auf eine Diskussion im Sozialausschuss des Stadtparlaments um den Beschluss zum Beitritt der Stadt zur Städtekoalition gegen Rassismus. Dieser war einstimmig gefallen, zuvor wurde aber auch die Einschätzung vertreten, es gebe in Hofheim keine Probleme mit Rassismus. Ganz so ist es wohl doch nicht.

Bemerkenswert war die Veranstaltung zweitens wegen des Films „Der Rassist in uns“, der eingangs gezeigt wurde. Autor Jürgen Schlicher berichtet über ein Experiment, bei dem erkennbar wird, wie schnell man bereit ist, diskriminierendes Verhalten zu akzeptieren, wenn es von der eigenen Gruppe ausgeht. Das Trainingsprogramm werde inzwischen von vielen großen Firmen gebucht, zuletzt auch von der Bundeswehr, ließ Schlicher als Teilnehmer der Podiumsdiskussion immerhin erkennen, dass das gesellschaftliche Bewusstsein gewachsen ist.

Bemerkenswert war die Veranstaltung drittens, weil Dr. Dr. Seyed Shahram Iranbomy auf dem Podium saß. Auf die Frage nach dem, was zu tun sei, hielt er sich nicht mit politisch korrekten Sprachspielereien auf, deren Nutzen kaum nachzuweisen ist. Wirksamer wäre Antirassismustraining, zum Beispiel in allen Behörden, und das verpflichtend. „Leute, die freiwillig kommen, brauchen es am wenigsten“, ist der Frankfurter Rechtsanwalt überzeugt.

Konkrete Ideen gegen Ausgrenzung

Zwei Stunden Deutschunterricht für jeden Grundschüler mit Sprachproblemen, speziell für Diskriminierungsfragen ausgebildete und zuständige Elternbeiräte, Deutschunterricht für Flüchtlinge in deren Unterkünften, das sind seine konkreten Forderungen. Und dass das Land Hessen immer noch kein Antidiskriminierungsgesetz hat, und das bei grüner Regierungsbeteiligung, könne der Jurist nicht verstehen. „Man muss halt die richtigen Parteien wählen“, kommentierte Filmemacher Schlicher.

Und viertens war die Veranstaltung bemerkenswert, weil sich zeigte, dass es schon schwierig ist mit einem Bewusstsein für gesellschaftliche Diskriminierungen. Denn das Publikum wurde begrüßt als vor allem aus der weißen Mehrheitsgesellschaft bestehend, ohne eigene Diskriminierungserfahrungen. Zumindest einer der vier hauptberuflichen Antidiskriminierungsexperten auf dem Publikum hätte an der Stelle mit dem Hinweis einschreiten müssen, dass die Gleichberechtigung von Männern und Frauen auch noch nicht erreicht ist - auch geschlechtsspezifische Benachteiligungen sind diskriminierend. Weil es am Ende noch hieß, jeder müsse in seinem Wirkungskreis gegen Diskriminierungen einschreiten, soll dies hier auch Erwähnung finden.

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