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Die Aufgabe der Kunst in der aktuellen Situation

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Schwierige Frage bei einer Diskussion zur „Taunus Triennale“ im Stadtmuseum

Hofheim - Da hatte sich aber ein Zuhörer aus dem Publikum etwas getraut. Was denn die Aufgabe der Kunst sein solle in der aktuellen Situation, vor welchen Herausforderungen sie stehe, wollte er wissen. Eine große Frage, kommentierte Moderator Pascal Heß. Das Thema sei umfangreich genug, um sich mit einer entsprechenden Beantwortung um den Titel eines Professors bewerben zu können. Aber so geht das eben, wenn man im Rahmen des Projektes Taunus Kunst-Triennale für einen Abend im Stadtmuseum lediglich die Vorgabe macht, es komme zu einem Gespräch über die Positionen der Künstler. Lässt man dann noch Fragen aus dem Publikum zu, muss man auf so etwas gefasst sein. Nun, was ein richtiger Künstler ist, der Kunst nicht nur um der Kunst willen macht, der ist um eine Antwort nicht verlegen. Petra Straß zum Beispiel misst der Kunst die Aufgabe zu, den Betrachter in Sachen Empathie zu schulen. Einmal eine andere Perspektive einzunehmen, das könnte in vielen Debatten hilfreich sein.

Straß macht gewissermaßen eine Kunst daraus. Sie verkleidet sich, schlüpft in immer neue Rollen und lässt sich fotografieren. Die Erfahrung ist, sich in Verkleidung freier zu fühlen und Dinge zu tun, die man sonst nicht täte. So sortiert sich ihre Arbeit auch in den Titel der Triennale ein, die unter dem Motto Maskenball steht. Was einige der mehr als zwei Dutzend Künstler aus der Region veranlasst hat, Werke mit den in der Corona-Pandemie gebräuchlichen Masken zu gestalten. Wer wissen möchte, wie das aussieht, kann sich noch bis zum 19. Februar im Stadtmuseum und an drei weiteren Standorten umschauen (siehe Info).

Zurück zu der Frage nach der aktuellen Herausforderung für die Kunst. Aufmerksames Beobachten statt schnelles Darüberschauen, das könnte auch für Stefan Wolf, Teil des Künstlerduos Joko von Wolf, die Aufgabe sein. Verbindlicher will er das nicht formulieren, aber er kommt schließlich zu dem Appell, vorschnelle Urteile zu vermeiden.

Das gilt auch für seine gemeinsamen Arbeiten mit Jochen Klein. Einer ist in der Welt unterwegs und fotografiert, der andere ergänzt die Fotos, die ansonsten nicht groß bearbeitet werden, mit grafischen Elementen. Was ist nun fotografiert, was ist Grafik - das erkennt man, wenn überhaupt, nur beim genaueren Betrachten.

TRIENNALE

Die Ausstellung „Maskenball. Taunus-Kunst-Triennale 2“ ist bis zum 19. Februar an vier Standorten in Hofheim zu sehen.

Stadtmuseum , Burgstraße 11: Dienstag 10 - 13, Dienstag bis Freitag 14 - 17 sowie Samstag/Sonntag 11 - 18 Uhr.

Hof Ehry, Burgstraße 26: Freitag 14 - 17 und Samstag 11 - 18 Uhr.

Freihand-Graffito „Maskenball“, Hattersheimer Str. 6 a (immer zu sehen).

Atelier Haindl , Bärengasse 6 b: Freitag 14 - 17 und Samstag 11 - 18 Uhr. bt

Der gesellschaftskritische Bezug ist schnell gefunden, etwa bei zwei Bildern, von denen eines eine auf dem Meer treibende Frau zeigt, die sich aus der Luft von einer Drohne fotografieren lässt. Auf dem anderen Bild ist eine Gruppe von Menschen zu sehen, die sich die entstandenen Bilder betrachten. Da ist sie deutlich erkennbar, die aktuelle Lust an der Selbstinszenierung im Zeitalter der sogenannten sozialen Netzwerke.

Um die Erweiterung des Horizonts und um die Wahrnehmung geht es auch Youngwha Song. Erst beim genauen Hinschauen kann man, wie eines ihrer Werke zeigt, auch Widersprüche identifizieren. Sie hat eine Haut einer schwangeren Frau gehäkelt, das textile Teil dann aber einer männlichen Schaufensterpuppe übergezogen. Ob freilich dadurch Männer auf den Gedanken kommen, sich zu überlegen, wie sie so eine Schwangerschaft anfühlt? Man weiß es nicht. Viel weiß man auch nicht über die Absichten, die Brigitte Sterz mit ihren Bildern verbindet. Sie möchte nicht erklären, sondern verlangt vom Betrachter, sich Zeit zu nehmen, sich auf das Bild einzulassen und sich so seinen Sinn zu erschließen. Sterz plant ihre Werke genau durch und arbeitet diesen Plan dann ab, sie spricht von Bruchkanten, die sich finden, von einem Dualismus von Statik und Dynamik.

Was das jetzt mit Maskenball zu tun hat? Moderator Pascal Heß gibt sich Mühe: „Es entsteht der Eindruck, es gebe etwas zu erzählen“, kommentiert er. Ob jemand am Freitagabend so lange geschaut hat, dass der Zusammenhang sichtbar geworden wäre? bt

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