1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Hofheim

Der Chef will zurück nach Griechenland

Erstellt:

Kommentare

Traditions-Gaststätte Nassauer Schweiz im Stadtteil Lorsbach steht zum Verkauf

Hofheim - Seit die Planungen bekannt wurden, die Landstraße zwischen Hofheim und Lorsbach wegen notwendiger Sanierungsarbeiten von März an für ein Jahr zu sperren, geht in Lorsbach die Angst um, einzelne Betriebe könnten dies nicht überleben. Neuerdings wird außerdem im Ort erzählt, die Gaststätte Nassauer Schweiz würde schließen - von einer Pizzeria abgesehen ist das die einzige Gaststätte im Ort. Ganz so weit ist es freilich noch nicht, wie Gastronom Michael Silaidos auf Anfrage erklärt.

Er wolle das Anwesen verkaufen und zurück nach Griechenland gehen, erläutert Silaidos den Stand der Dinge. Aber es gebe noch keinen Käufer. Und es sei natürlich Sache des künftigen Besitzers, ob die Gaststätte bestehen bleibe oder nicht. Er selbst denke nicht daran, das Lokal zu schließen - von einer kleinen Pause vom 9. bis zum 15. Februar abgesehen, die auf der Internetseite der Gaststätte angekündigt wird.

Es seien viele Gerüchte in Lorsbach im Umlauf, hat Silaidos mitbekommen. Veränderungen auch in der Nassauer Schweiz würden mit der sich abzeichnenden Straßensperrung in Verbindung gebracht. Tatsächlich aber sei es so, dass nach mehr als 30 Jahren im Lokal die Motivation doch nachgelassen habe. Silaidos hat sich entschlossen, nach Griechenland zurück zu gehen.

Er hat das Lokal gemeinsam mit seiner Familie 1989 übernommen und das Anwesen vor einigen Jahren gekauft. Silaidos bietet vor allem griechische Gerichte an, hat aber auch andere Speisen wie Handkäse mit Musik und Wiener Schnitzel auf der Karte. Das Lokal hat 55 Plätze und außerdem einen Nebenraum, der auch von Vereinen, Parteien und anderen Gruppen genutzt wird.

Nicht zuletzt wegen dieses Nebenraums haben die Gerüchte von der Schließung auch die Linken alarmiert, die darauf hinweisen, dass es dann wieder einen Raum weniger gäbe, in dem man sich treffen könne. Eine Anfrage der Linken an den Magistrat liest sich sogar so, als sei die Schließung bereits beschlossene Sache. Auch wenn dem nicht so ist, so steht das Thema doch auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Ortsbeirates am morgigen Mittwoch im evangelischen Gemeindezentrum.

Sollte die Nassauer Schweiz geschlossen werden, wäre das letzte der alten Traditionslokale weg, die entstanden, als Lorsbach gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen erheblichen Fremdenverkehr erlebte. 1880 gab es fünf Lokale im Ort mit gerade 480 Einwohnern. Der Boom wurde von der Eröffnung der Eisenbahnstrecke 1877 befeuert - im gleichen Jahr übrigens erbaute ein gewisser Justis Alsmann die Gaststätte Nassauer Schweiz und gab ihr den Namen der gebirgigen Landschaft zwischen Lorsbach und Eppstein.

Das letzte der Traditionslokale, das geschlossen wurde, war das Gasthaus zum Löwen. Das bestand von 1834 bis 2011, in dem Anwesen befindet sich jetzt die Clownsschule. Vor etwa 20 Jahren abgebrochen wurde das Gasthaus „Zum Taunus“ am Anfang der Straße „Im Lorsbachtal“, dort stehen heute Reihenhäuser. Eine Schließung der Nassauer Schweiz wäre also das Ende einer langen Tradition in Lorsbach.

Auch interessant

Kommentare