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Ein Gewinner der Bürgermeisterwahl: Wilhelm Schultze (r.) bekam 12,3 Prozent der Stimmen.

Analyse

CDU-Bewerber in fast allen Stadtteilen in Hofheim vorn

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Die Bürgermeisterwahl in Hofheim sorgt für Überraschungen. Christian Vogt geht gegen den SPD-Mann Bernhard Köppler in die Stichwahl.

Sieben Kandidaten wollten Bürgermeister oder Bürgermeisterin in Hofheim werden. Das war eine Premiere in der Main-Taunus-Kreisstadt, und die Flut der Bewerber hat im ersten Wahlgang für einige überraschende Ergebnisse gesorgt.

Überraschung Nummer eins: Auch wenn er sich gegen sechs Kontrahenten behaupten musste, geht der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Christian Vogt, mit einem deutlichen Vorsprung in die Stichwahl am 7. April. Außer in Lorsbach, wo der 23 Jahre alte Newcomer Wilhelm Schultze mit mehr als 30 Prozent der Stimmen die Wahl gewonnen hat, landete Vogt in allen Stadtteilen auf dem ersten Platz.

In seinem Heimatort Wallau bekam er sogar 64,4 der Stimmen. Insgesamt schnitt Christian Vogt im ersten Wahlgang mit fast 40 Prozent deutlich besser ab als die CDU bei den vorigen Kommunalwahlen, als sie auf 29,6 Prozent kam.

Überraschung Nummer zwei: Das brillante Abschneiden von Wilhelm Schultze. Der parteilose Kandidat, der gerade seinen Bachelorabschluss in Medien- und Kommunikationsmanagement macht, ist politisch ein unbeschriebenes Blatt und wollte mit seinem Wahlkampf im Internet vor allem junge Wähler an die Urnen bringen. Ob ihm das gelungen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Wahlbeteiligung lag mit 51,2 Prozent aber immerhin um gut sechs Prozentpunkte über der bei der Bürgermeisterwahl vor sechs Jahren. Fest steht, dass Schultze mit 12,3 Prozent der Wählerstimmen, die er insgesamt erhielt, arrivierte Kommunalpolitiker wie Barbara Grassel von der Linken oder den Fraktionschef der Freien Wähler, Andreas Nickel, in den Schatten stellte.

Dass Nickel mit 8,1 Prozent der Stimmen nicht an das Kommunalwahlergebnis der Freien Wähler aus dem Jahr 2016 von 11,1 Prozent herankam, machten den 52-Jährigen, der sich ebenfalls mit Videos und einem Song im Internet zu profilieren versucht hatte, am Wahlabend sichtlich betroffen. Da war der Umstand, dass er in seinem ehemaligen Wohnort Wildsachsen auf 20,2 Prozent der Wählerstimmen kam und hinter Vogt auf dem zweiten Platz landete, ein schwacher Trost.

Eher nicht überraschend ist das Kopf-An-Kopf-Rennen, das sich der Hofheimer SPD-Chef Bernhard Köppler und die Grünen-Ortsvereinsvorsitzende Bianca Strauss um den Einzug in die Stichwahl lieferten. Ihre Ergebnisse in den einzelnen Stadtteilen fielen sehr unterschiedlich aus und lassen keinen einheitlichen Trend erkennen.

Köppler lag in Langenhain, Diedenbergen, in Marxheim und in seinem Wohnort, der Kernstadt, vorne. In drei Wahllokalen bekam er dort sogar die meisten Stimmen von allen Bewerbern. Strauss überholte den SPD-Mann in Wallau, Wildsachsen und Lorsbach. im Gesamtergebnis reichte es für sie aber nur zum dritten Platz. Mit 16,2 Prozent der Stimmen schöpfte Strauss fast exakt das grüne Wählerpotenzial der vorangegangenen Kommunalwahlen aus. Bernhard Köppler blieb mit 19,8 Prozent leicht unter dem Resultat der SPD aus dem Jahr 2016.

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In Vogt und Köppler gehen zwei Vertreter des in Hofheim regierenden Viererbündnisses aus CDU, SPD, Freien Wähler und FDP in die Stichwahl. Beide haben angekündigt, um die Stimmen jener Bürger werben zu wollen, die im ersten Wahlgang einen der ausgeschiedenen Kandidaten gewählt haben. Ob und in welchem Ausmaß das gelingt, ist ungewiss. Bislang gibt es nur eine Wahlempfehlung für die Stichwahl: Die parteilose Friederike Röhr, die mit 0,8 Prozent auf dem letzten Platz landete, spricht sich für SPD-Mann Köppler aus.

Linke und Grüne werden in den Parteigremien beraten. Den freien Wählern dürfte es schwerfallen, einem ihrer Bündnispartner den Vorzug zu geben. Und Wilhelm Schultze machte im Gespräch mit der FR deutlich: Er wird seine Anhänger lediglich auffordern: „Geht wählen!“

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