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Buchen sollen nicht mehr gefällt werden

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Solch stattliche Buchen sollen nicht mehr gefällt werden. archiv
Solch stattliche Buchen sollen nicht mehr gefällt werden. archiv © tz

Mehr Naturschutz bei der Bewirtschaftung des Stadtwaldes

Hofheim - Mehr als bisher soll die Bewirtschaftung des Hofheimer Stadtwaldes an den Zielen von Natur-, Klima- und Artenschutz ausgerichtet werden. Einmütig nämlich hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass die Naturschutzleitlinie des Landes Hessen, die im vergangenen Juni vorgestellt wurde, auch im Hofheimer Stadtwald angewendet wird. Außerdem soll die Stadt Mittel aus dem Bundesprogramm „Klima-angepasstes Waldmanagement“ beantragen und für diese Zwecke verwenden.

Sie sei etwas überrascht gewesen, dass die Beschlüsse einstimmig gefasst werden konnten, so die BfH-Stadtverordnete Tanja Lindenthal, die sich in ihrer Fraktion eingehend um das Thema Wald kümmert. Für sie ist es kein Problem, dass bei den Beratungen die Einschränkung in den Beschluss eingefügt wurde, die Umsetzung solle „nach Möglichkeit zeitnah“ passieren.

Große Bedeutung der Habitatbäume

Mit zwei Förstern habe die Stadt überhaupt nicht das Personal, um zum Beispiel die geforderte Festlegung zusätzlicher Habitatbäume im ganzen Stadtwald in kurzer Zeit zu erledigen, so Lindenthal. Dies könne nach und nach umgesetzt werden, immer dann, wenn einzelne Abteilungen ohnehin durchforstet werden. Die Habitatbäume spielen in der Landesrichtlinie eine große Rolle. Es handelt sich um alte, zum Teil abgestorbene Bäume, die stehen bleiben, um unterschiedlichsten Tieren Lebensräume zu bieten. In der abblätternden Rinde zieht die Mopsfledermaus ihre Jungen auf, im Totholz lebt der Hirschkäfer, Baumhöhlen sind Unterkünfte für Käuze, Siebenschläfer und andere Tiere. In Laubholzbeständen soll es davon künftig zehn Stück davon pro Hektar geben; außerdem werden Buchen, die mindestens 150 Jahre alt sind, nicht mehr gefällt.

Bislang, so Lindenthal gab es zur Zahl der Habitatbäume gar keine Vorschriften. Früher habe die Stadt auch einfach viel zu junge Bäume dafür ausgewählt. Dies komme inzwischen nicht mehr vor, wie sie überhaupt festgestellt hat, dass sich die Stadt bei der Waldbewirtschaftung schon viel mehr um Belange des Naturschutzes kümmert, als das früher der Fall war. Als weiteres Beispiel zählt Lindenthal die Rückegassen auf - das sind die Schneisen, durch die gefällten Bäume abtransportiert werden. Früher wurden sie im Abstand von 20 Metern angelegt. Aktuell hat Lindenthal festgestellt, dass bei Forstarbeiten in Langenhain der Abstand fast doppelt so groß ist.

Bei anderen Themen wird sich zeigen, in welcher Weise die Stadt bestehende Entscheidungsspielräume nutzt. Zum „Klima-angepassten Waldmanagement“ gehört es, auf überwiegend heimische Hauptbaum-arten zu setzen. Dazu gehören die umstrittenen Douglasien nicht, aber die Formulierung verbietet es nicht vollständig, diese zu pflanzen. Nachgepflanzt werden soll ohnehin nicht umfassend, sondern die Naturverjüngung hat Vorrang - also die Bäume, die im Wald von alleine nachwachsen.

Die Naturverjüngung wird allerdings dadurch beeinträchtigt, dass das Wild die jungen Triebe abfrisst. Auch bei der Erneuerung des FSC-Zertifikats wurde gefordert, das Wild stärker zu bejagen. Das freilich hat in der Stadtverordnetenversammlung immer wieder für Streit gesorgt, nicht alle möchten höhere Abschussquoten festlegen. Diese Debatte ist bislang nicht beendet.

Angesichts der Diskussionen im zuständigen Umweltausschuss war die einmütige Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung zur Naturschutzleitlinie des Landes und zum „Klima-angepassten Waldmanagement“ schon eine Überraschung. Der für den Wald zuständige Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) hatte von „hochinteressanten Ansätzen“ gesprochen, wollte vor Beschlüssen aber weitere Beratungen abwarten, auch in der neuen Forstkommission. Auch der FDP-Stadtverordnete Ralf Weber und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (CDU) warnten vor voreiligen Beschlüssen und mahnten mehr Informationen an. Offensichtlich hat daher erst die Einschränkung, dass die Leitlinie „nach Möglichkeit“ umgesetzt werden kann, den einstimmigen Beschluss möglich gemacht.

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