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Der Harvester im Einsatz: Die kranken Bäume müssen aus dem Wald.

Hofheim

Borkenkäfer wüten im Hofheimer Stadtwald

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Tausende Fichten müssen gefällt werden. Auch am Wochenende sind die Erntemaschinen in Hofheim unterwegs.

Zügig fährt der Harvester den steilen Waldweg zwischen Lorsbach und Langenhain hoch. Bis zu 50 Bäume kann die riesige Erntemaschine in der Stunde fällen. Die Stämme werden entastet und für den Abtransport zurechtgeschnitten. Florian Petzold, der das Gefährt mit den mannshohen Rädern und dem weit ausladenden Greifer lenkt, hat in diesen Tagen im Hofheimer Stadtwald viel zu tun. 3000 Fichten müssen gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen sind. „Eine Folge des heißen und trockenen Sommers 2018“, sagt Revierförster Karlheinz Kollmannsberger.

In den letzten Wochen hat er die kranken Bäume, deren Kronen braun und vertrocknet sind, mit roter Sprühfarbe markiert. Einigen Fichten sieht man noch gar nicht an, dass die Käfer-Larven Gänge in ihr Holz fressen. Nur Sägemehl am Fuß des Baumes zeugt davon, dass der Borkenkäfer sich durch die Rinde gebohrt und im Inneren seine Eier abgelegt hat. Lang dauere es dann nicht mehr, bis die Fichten tot seien, sagt Kollmannsberger. Die Versorgungslinien der Bäume würden durch die Käfer zerstört. Nährstoffe und Wasser könnten dann nicht mehr von den Wurzeln nach oben transportiert werden.

Fichten waren im Hofheimer Stadtwald ursprünglich nicht heimisch

14,5 Hektar groß ist der Hofheimer Stadtwald.

Buchen und Eichen sind die häufigsten Baumarten. Sie wachsen auf mehr als 70 Prozent der Fläche.

Die Fichtenbestände machen aktuell nur noch rund drei Prozent aus. 

Der Harvester ist in diesem Jahr im Hofheimer Stadtwald schon zum zweiten Mal im Einsatz. 2000 kranke Fichten sind bereits im Frühjahr gefallen. Bis Jahresende, rechnet Kollmannsberger, werde der Fichtenbestand nahezu halbiert sein auf gerade noch drei Prozent. „Der Borkenkäfer lässt uns keine andere Wahl“, sagt der Förster. „Wir müssen schnell handeln, das Holz zum Sägewerk bringen möglichst bevor die Käfer schlüpfen, damit sich die Population nicht weiter vermehrt.“

Fichten waren im Hofheimer Stadtwald ursprünglich nicht heimisch. Sie wurden zur Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und nach dem zweiten Weltkrieg gepflanzt, weil sie schnell wachsen und gutes Bauholz abgeben. Dem Klimawandel hierzulande mit seinen heißen trockenen Sommern werden die Nadelbäume, die für gewöhnlich in Mittelgebirgen über 500 Metern gut gedeihen, wohl nicht standhalten. Karlheinz Kollmannsberger rechnet damit, dass bald überhaupt keine Fichten mehr im Hofheimer Stadtwald stehen werden. Einzig ausgiebige Regenfälle und kühlere Temperaturen würden die Bäume vital erhalten und gleichzeitig die sprunghafte Vermehrung des Borkenkäfers verhindern. „Beides ist nicht in Sicht“, fürchtet der Förster.

Stämme aus dem Hofheimer Stadtwald werden nach China verkauft

Das in großen Mengen eingeschlagene Fichtenholz lasse sich aktuell kaum gewinnbringend vermarkten, sagt Kollmannsberger. Bei 45 Euro pro Festmeter liege der Preis. „Das ist nur halb so viel wie üblich.“ Weil der Markt in Europa aufgrund der Borkenkäferplage mit Fichtenholz überschwemmt ist, werden die Stämme aus dem Hofheimer Stadtwald nach China verkauft. Aufgeforstet wird mit Kiefern und mit Douglasien. Der Nadelbaum aus Nordamerika sei anpassungsfähiger und reagiere nicht so empfindlich auf den Klimawandel, sagt der Förster.

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Weil Eile geboten ist, wird Florian Petzold auch am kommenden Wochenende mit seinem Harvester im Hofheimer Stadtwald unterwegs sein. Dort wo er Fichten fällt, werden die Waldwege durch große Banner abgesperrt. Wanderer und Radfahrer sollten die Absperrungen unbedingt beachten.

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