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Aufklärung über Anspruch auf Sozialwohnungen

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Familien mit Einkommen bis 50 000 Euro sind berechtigt / HWB startet Kampagne

Hofheim - Insgesamt 581 Haushalte stehen auf der Warteliste der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB). Und es könnten deutlich mehr sein, denn viele wissen gar nicht, dass ihre Einkommensverhältnisse sie dazu berechtigen, eine öffentlich geförderte Wohnung zu bekommen. Das möchte die HWB jetzt ändern - selbst auf die Gefahr hin, dass die Warteliste dann noch länger wird.

„Wir sind für mehr Menschen da, als man denkt“, sagt HWB-Geschäftsführer Norman Diehl, und genauso heißt die Kampagne, die das Unternehmen jetzt startet. Sein Lieblingsbeispiel ist das Ehepaar mit zwei Kindern - diese Familie bekommt den Berechtigungsschein für eine Sozialwohnung bei einem Bruttojahreseinkommen von bis zu 50 000 Euro. Er kennt eine Untersuchung des Instituts Wohnen und Umwelt, nach der in Hessen über 44 Prozent der Mieterhaushalte dieses Einkommen nicht überschreiten.

Viele Mitarbeiter des öffentliches Dienstes gehören dazu. Beschäftigte beim städtischen Bauhof gehen mit 36 000 Euro nach Hause, berichtet Bürgermeister Christian Vogt (CDU), der Aufsichtsratchef der stadteigenen Hofheimer Wohnungsbau GmbH ist. Viele sind daher von der HWB-Kampagne angesprochen, und die Stadt hat ein Interesse daran, dass bezahlbare Wohnungen für ihre Mitarbeiter verfügbar sind. Vogt kündigt an, dass sich die Stadt um das Thema stärker kümmern möchte.

Die Motivation der HWB geht darüber hinaus. Festgeschriebener Gesellschaftszweck der HWB sei, „breite Schichten mit Wohnungen zu versorgen“, so Geschäftsführer Diehl. Breite Schichten, das seien nicht nur die Bezieher geringer Einkommen, sondern das schließe erheblich mehr Menschen ein. Deshalb werde bei der Vergabe von Wohnungen jetzt schon nicht nur nach dem Einkommen geschaut, sondern die Wartezeiten spielen ebenfalls eine Rolle.

Aber müssen nicht mehr Sozialwohnungen gebaut werden, wenn sie stärker beworben werden? Erstens würden jährlich etwa 100 Wohnungen frei, deutet Diehl an, dass es Spielraum gibt. Zweitens seien in den nächsten Jahren in Hofheim immerhin Investitionen von 50 Millionen Euro vorgesehen. Die HWB dürfe andererseits aber nicht überfordert werden, so Bürgermeister Vogt.

Aktuell zusätzliche Projekte gibt es daher nicht. In der Mache sind das Nahkauf-Gelände und die Hofheimer Straße in Lorsbach sowie die beiden Vorhaben in der Homburger Straße in Hofheim-Nord, möglichst bald auch das Wohnbauprojekt in der Höchster Straße. Möglich wäre ein Engagement der HWB auf dem Grundstück der alten Ländcheshalle in Wallau und im Wildsächser Baugebiet Jungehag. Es gebe weitere Pläne, zu denen man öffentlich noch nichts sagen könne. Geprüft wird überdies die Nachverdichtung von HWB-Siedlungen, etwa zwischen Chatten- und Berliner Straße.

Hilfreich wäre natürlich eine stärkere Unterstützung vom Land. Hessen fördere den Bau von Sozialwohnungen mit 1200 bis 1900 Euro pro Quadratmeter, im benachbarten Rheinland-Pfalz seien es 2050 bis 2650 Euro, so Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stadt und HWB. Das Land müsse mehr tun, die Förderung mindestens auf das Niveau von Rheinland-Pfalz anheben. bt

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