1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Hofheim

Angespannter Wohnungsmarkt

Erstellt:

Kommentare

Land erkennt die Lage an, und die Stadt bekommt mehr Einflussmöglichkeiten

Hofheim - In Hofheim ist der Wohnungsmarkt angespannt. Das ist keine neue Nachricht, und dass dies hochoffiziell von der Landesregierung bestätigt worden ist, das nutzt unmittelbar keinem etwas, der in der Kreisstadt eine Wohnung sucht. Aber: Hofheim wurde in die jüngste Verordnung des Landes zur Feststellung solcher Gebiete aufgenommen. Dies eröffnet der Stadt eine Reihe von Möglichkeiten, den Wohnungsmarkt zu beeinflussen. In welchem Umfang sie dies tut, wird im Rathaus entschieden.

Wie Bürgermeister Christian Vogt (CDU) vor der Stadtverordnetenversammlung mitteilte, hat der Magistrat bei der Vorbereitung der Verordnung im Land darum gebeten, in diese Liste aufgenommen zu werden. Dem hat das Land entsprochen. Ausschlaggebend war, dass die Stadt vier von fünf vorgegebenen Kennzeichen eines angespannten Wohnungsmarktes erfüllt. Außerdem wurde die individuelle Situation Hofheims berücksichtigt.

Zu den neuen Möglichkeiten der Stadt gehört ein Vorkaufsrecht an unbebauten Grundstücken, auf denen Wohnungsbau möglich wäre. Freilich nutzt die öffentliche Hand Vorkaufsrechte, die einen sehr weitgehenden Eingriff in private Eigentumsrechte bedeuten, nur ungern. Zum Zuge kommt das Instrument aber ohnehin nur dann, wenn ein Eigentümer ein Grundstück zum Verkauf anbietet.

Behörde hat größeren Ermessensspielraum

Zweitens kann die Stadt mehr Ausnahmen von geltenden Bebauungsplänen zulassen. Das geht bisher auch schon, wenn die Grundzüge der Planung unverändert bleiben. Die Stadt gewährt diese Ausnahmen auch. Wenn dadurch Wohnungsbau ermöglicht wird, bedeutet die neue Regelung offenbar einen größeren Ermessensspielraum für die Genehmigungsbehörden.

Ausdrücklich wird aber darauf hingewiesen, dass nachbarschaftliche Interessen weiterhin berücksichtigt werden müssen. Ob sich also dadurch viel an der Genehmigungspraxis ändert, wird sich erst noch herausstellen. Die Stadt hat künftig außerdem die Möglichkeit, Baugebote auszusprechen, so dass Eigentümer ein Grundstück entweder bebauen oder verkaufen müssen.

Viertens schließlich gibt es Möglichkeiten, bei größeren Mehrfamilienhäusern die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen zu verhindern. Auch das sind deutliche Eigentumseingriffe, von denen sich erst noch zeigen wird, ob Stadt und Kreis bereit sind, sie überhaupt anzuwenden.

Unabhängig davon geht aus der Verordnung des Landes Hessen hervor, dass die Einstufung Hofheims als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt auch nach den statistischen Zahlen gerechtfertigt ist. So gibt es für 100 Haushalte in Hofheim nur 98 Wohnungen, 103 aber sollten es schon sein. Die Leerstandsquote beträgt 1,9 Prozent - eine Entspannung ist erst bei mindestens drei Prozent erreicht.

Ermittelt hat das Land, dass in fünf Jahren in Hofheim für 100 zusätzliche Haushalte nur 65 neue Wohnungen gebaut wurden. Die Mieten sind in diesem Zeitraum zwar nur um 3,8 Prozent gestiegen, was nicht für einen angespannten Wohnungsmarkt spricht. Aber die mittlere Angebotsmiete betrug zum Erhebungszeitraum - das war 2019 - 9,40 Euro und lag damit schon überdurchschnittlich hoch.

Die Stadt Hofheim hat dem Land dazu noch mitgeteilt, dass bis 2024 zwar drei Neubaugebiete mit 216 Wohnungen entstehen sollen, außerdem könnten durch Nachverdichtung bis 2025 etwa 330 Wohnungen gebaut werden. Aber einmal sind die Wohnbauprojekte der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft wegen der weggefallenen KfW-Zuschüsse zum Teil infrage gestellt, und zweitens ist der Zuzug in die Stadt angestiegen und die Liste der gemeldeten Wohnungssuchenden ist lang. Dies hatte zu erheblichem Streit und einem Akteneinsichtsausschuss geführt.

Nicht zu verwechseln ist der aktuelle Vorgang übrigens mit der Mietpreisbremse, die nur dann gilt, wenn eine Stadt einen angespannten Wohnungsmarkt gemeldet hat. Für diese Verordnung hätte sich die Stadt gesondert anmelden müssen, was vor wenigen Jahren aus letztlich nicht genau geklärten Gründen unterblieben ist.

Auch interessant

Kommentare