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39 neue Bauplätze in Wildsachsen

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So könnte das Neubaugebiet „Jungehag“ einmal aussehen. archiv
So könnte das Neubaugebiet „Jungehag“ einmal aussehen. archiv © N.N.

Stadtverordnete beschließen nach zehn Jahren Bebauungsplan / Linke und Grüne dagegen

Hofheim - Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) sprach vom „Ende eines sehr sehr langen Prozesses“, und tatsächlich: Vor zehn Jahren, im Juni 2012, beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gebiet Jungehag am südlichen Ortsrand des kleinsten Hofheimer Stadtteils Wildsachsen. Jetzt ist es abgeschlossen: Die Stadtverordnetenversammlung beschloss gegen die Stimmen von Grünen und Linken den Bebauungsplan.

Demnach werden aus einer Fläche von 16 000 Quadratmetern genau 39 Bauplätze, auf denen 51 bis 77 Häuser gebaut werden dürfen. Erst spät im Verfahren wurde eine Fläche zum Bau eines Kindergartens aufgenommen. Dies soll den Mangel an Kindergartenplätzen in dem Stadtteil beseitigen.

Wann gebaut wird, hängt nun von der Rheinhessischen Immobilien Treuhand GmbH (RHT) ab. Das Mainzer Unternehmen hat die Grundstücke gekauft und mit der Stadt einen Städtebaulichen Vertrag abgeschlossen. Das Papier ist geheim, über den Vertrag wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten und abgestimmt. Deshalb ist unklar, ob die RHT selbst bauen und die Häuser verkaufen möchte oder ob sie nur das Baugebiet entwickelt und baureife Grundstücke verkauft.

GEHEIMHALTUNG

Bei der Diskussion darüber, ob öffentlich oder hinter verschlossener Tür beraten werden sollte, soll es hoch hergegangen sein. Zu unterschiedlich sind die Meinungen. Diesmal ging es um ein Grundstücksgeschäft und um zwei städtebauliche Verträge. Der Verkauf des Grundstücks im Paulinenweg in Langenhain ist geplatzt. Mehrheiten gab es dafür für die Verträge zum Baugebiet Jungehag in Wildsachsen und an der Homburger Straße.

Kritisiert werden immer wieder geheime Verhandlungen des Stadtparlaments seit Jahren von den Linken. Die weisen auf die Hessische Gemeindeordnung hin: „Die Gemeindevertretung fasst ihre Beschlüsse in öffentlicher Sitzung“, heißt es da. Ausgeschlossen werden dürfe die Öffentlichkeit nur, wenn das Wohl der Allgemeinheit dies verlange oder aufgrund schützenswerter Interessen.

In 422 hessischen Kommunen funktioniere das reibungslos, nur in Hofheim werde darüber immer wieder diskutiert, wundert sich Erster Stadtrat Wolfgang Exner. Es gehe ja nicht nur um Kaufpreise, sondern auch um Kalkulationsgrundlagen, Zeitpläne und andere Dinge, die kein Unternehmen gerne der Konkurrenz verraten möchte.

Die Stadt folge auch ihrem eigenen Interesse, wenn sie dem Wunsch nach Vertraulichkeit entspreche. Sie weist auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gießen hin. Die Geheimhaltungsbedürftigkeit von Kaufvertragsverhandlungen, heißt es dort, „erschließt sich grundsätzlich abstrakt“, braucht im Einzelfall nicht erörtert zu werden. bt

Über den Bebauungsplan dagegen wurde offen diskutiert, also ist klar, dass er umstritten ist. Die Linken halten von dem Plan gar nichts. Wildsachsen sei ein abgelegener Ort ohne Infrastruktur, eigne sich nicht für Neubaugebiete, so der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann. Baumöglichkeiten für die Wildsächser selbst gebe es genug, etwa im früheren Wochenendhausgebiet Junghainzehecken.

Das glaubt CDU-Mann Michael Henninger nicht - wenn die Eigentümer von Baulückengrundstücken nicht bauen wollten, stünden diese Flächen nicht zu Verfügung. Frank Härder (CDU) sieht durch zusätzliche Einwohner bessere Chancen dafür, dass in Wildsachsen wieder Läden eröffnet werden könnten. Freidemokrat Ralf Weber sprach von einem „mit viel Bedacht und großem Einfühlungsvermögen“ gestalteten Bebauungsplan. Überhaupt nicht überzeugt ist dagegen die Bürgerinitiative gegen das Baugebiet, die vom Städtebau über den Verkehr und den Klimaschutz bis zur Beteiligung der Bürger kaum eine Anforderung an ein vernünftiges Baugebiet erfüllt sieht. Überdies wird überhaupt kein Bedarf an Bauplätzen in Wildsachsen gesehen.

In einem Punkt wird sich übrigens noch zeigen, wer recht hat: Eine geplante neue Straße nämlich wird nur auf einer Seite bebaut, auf der anderen Seite sollen lediglich Parkplätze eingerichtet werden. Dies sei unwirtschaftlich, schimpft der Linke Hausmann - er rechnet deshalb fest damit, dass der Vorschlag nicht lange auf sich warten lassen wird, die andere Seite auch zu bebauen. Im Hofheimer Norden übrigens, im Langgewann, hat die Stadt tatsächlich genau so argumentiert . . .

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