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„L 3011-Sperrung alternativlos“

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Das Luftbild zeigt die Klärwerkskurve kurz vor dem Ortseingang Lorsbach. Auf der linken Seite der L 3011 liegt der Mühlgraben, dessen marode Stützmauer dringend saniert werden muss. hessen mobil
Das Luftbild zeigt die Klärwerkskurve kurz vor dem Ortseingang Lorsbach. Auf der linken Seite der L 3011 liegt der Mühlgraben, dessen marode Stützmauer dringend saniert werden muss. hessen mobil © Hessen Mobil

Kreistag hat auch keine Lösung / Thema in den Bauausschuss überwiesen

Hofheim - Die drohende einjährige Vollsperrung der Landesstraße 3011 im Bereich der Klärwerkskurve in Lorsbach hat nun auch im Kreistag für eine größere Diskussion gesorgt. Die AfD hatte das Thema ins Parlament gebracht. Sie beantragte, dass Landrat Michael Cyriax (CDU) „seinen gesamten Einfluss und seine gesamte Autorität“ einsetzen solle, um die einjährige Vollsperrung zu verhindern.

Linke, Freie Wähler und SPD wollten per Änderungsantrag dagegen erreichen, dass das in die Zuständigkeit der Ersten Kreisbeigeordneten Madlen Overdick (Grüne) fallende Amt für Bauen, Umwelt, Wasser- und Bodenschutz im Landratsamt seine Stellungnahme zu den Folgen einer Verrohrung des Mühlgrabens für die Umwelt aufgrund neuerer Erkenntnisse überprüft. Es ist Grundlage für die Ablehnung dieser Option durch die Landes-Verkehrsbehörde Hessen Mobil.

Zudem wollen die Antragsteller, dass der Kreistag einen eigenen Appell an den Hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) richtet, noch einmal alle erdenklichen Maßnahmen zur Reduzierung der Vollsperrungsdauer oder für eine einspurige Verkehrsregelung zu prüfen.

Für die schwarz-grün-gelbe Koalition befand CDU-Fraktionschef Dr. Frank Blasch, das Parlament sei einig, dass eine einjährige Sperrung „negative Auswirkungen“ auf Lorsbach und die umliegenden Orte haben werde. So einfach, wie es die AfD suggeriere, nach dem Motto „Jetzt ruft mal der Landrat an“ und dann werde das schon geregelt, funktioniere es aber bei so einem Thema nicht. „Zu Recht“, so Blasch. Auch der Änderungsantrag sei „heute nicht zustimmungsfähig“, da ein Plangenehmigungsverfahren bestehe. Er schlug vor, den Antrag in den Verkehrsausschuss des Kreistags zu überweisen. Zur Sitzung am Mittwoch, 12. Oktober, solle ein Vertreter von Hessen Mobil eingeladen werden, um „zu eruieren, an welcher Stelle es gegebenenfalls noch Spielraum gibt“.

Andreas Nickel (FWG), selbst Lorsbacher, dankte für die Bereitschaft, sich des Themas anzunehmen. Eine einspurige Verkehrsregelung, die möglich sei, könne das Problem „am ehesten lindern“. Das Auftreten von Verkehrsminister Al-Wazir bei einer Grünen-Veranstaltung auf der Gundelhard, wo 150 Lorsbacher protestierten, nannte Nickel „überaus ernüchternd“. Zu sagen, „ich kann nichts für Sie tun“, obwohl die Stadt schon im Juni die Möglichkeit einer Umfahrung über das Reiterhofgelände angeboten habe, vermittle den Eindruck: „Man macht mit uns, was man will“. Eine Umsetzung in Schichtarbeit habe Al-Wazir mit der Begründung abgetan, dadurch werde das Ergebnis nicht unbedingt besser.

Das rief den „Ober-Grünen“, Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger auf den Plan. Menschen klarzumachen, dass eine Maßnahme „alternativlos“ sei, sei nicht immer ein Vergnügen, zeigte er Verständnis für seinen Parteifreund, der „geduldig und transparent“ erklärt habe, warum die jeden Tag größer werdende Gefahr abgewendet werden müsse, die von der maroden Stützmauer ausgehe. Und das funktioniere nun mal nicht ohne Vollsperrung, alles andere glauben zu machen, sei unredlich.

Auf Kündigers Auftritt reagierte Hofheims Bürgermeister Christian Vogt (CDU). „Sie setzen ein falsches Bild“, hielt er dem Grünen entgegen. Es gehe nicht um die Frage der Vollsperrung, sondern darum, wie kommuniziert werde. „Ich glaube, keiner hat schon mal gute Erfahrungen mit Hessen Mobil gemacht“, jede Kommune sei „ein Stück weit“ mit der Verkehrsbehörde „in Disput“. Vogt nannte den Umgang mit den Betroffenen „unverschämt und arrogant“. Die Stadt Hofheim stelle gerne die Schreiben in dieser Sache dem Ausschuss zur Meinungsbildung zur Verfügung.

Jetzt noch einmal gegen die Plangenehmigung vorgehen zu wollen, sei falsch, bekräftigte FDP-Sprecher Dirk Westedt für die Koalition. Das führe zu baulichen Verzögerungen, „die wir uns nicht leisten können“. Weil aber „der volkswirtschaftliche Schaden“ durch die Vollsperrung „immens“ einzuschätzen sei, sollten alle „Beschleunigungsmaßnahmen“ genutzt werden. So wurde das Thema einstimmig zur Beratung in den Verkehrsausschuss überwiesen.

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