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28 Frauen mit 34 Kindern fanden eine Zuflucht

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Frauenhaus immer stärker nachgefragt / Hilfsverein fehlen Personal und Wohnungen

Hofheim - Die Corona-Pandemie hat, natürlich, auch den Verein Frauen helfen Frauen und das Hofheimer Frauenhaus in Mitleidenschaft gezogen. „Es reihte sich eine Quarantäne an die andere“, berichtete Geschäftsführerin Petra Gokkenbach im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung, wo sie den Jahresbericht für 2021 vorstellte. Deutlich wurde, dass dem Verein immer zwei wichtige Dinge fehlen - Personal und Wohnungen. Und dass trotzdem neue Projekte angepackt werden.

Die Arbeit des Vereins kennt zwei große Bestandteile. Da ist erstens das Frauenhaus, in dem Frauen unterkommen, die in ihrer Beziehung Gewalt ausgesetzt sind und keine andere Zuflucht finden. Und da ist zweitens die Beratungsstelle für Frauen, die ebenfalls mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind, aber den Schritt ins Frauenhaus vorerst vermeiden wollen.

Auch diesen Frauen zu helfen, ist für den Verein wichtig, denn es können längst nicht alle aufgenommen werden, die Schutz suchen. Etwas mehr als 300 Frauen hätten vergeblich angefragt, berichtete Gokkenbach. Was aber nicht heißt, dass sie alle in einer Gewaltsituation hatten bleiben müssen. Viele fragen in mehreren Einrichtungen nach. „Alle wurden irgendwo untergebracht.“

Was das Problem ist, liegt auf der Hand - die Frauen haben es schwer, in der Region eine eigene Wohnung zu finden. Zu Beginn des Jahres 2021 lebten zehn Frauen mit zwölf Kindern im Frauenhaus, sechs davon bereits seit mehr als sechs Monaten. Das soll so eigentlich nicht sein, der Verein muss dann Sozialberichte schreiben. Aus denen geht hervor, wie die Gefährdungssituation ist, welchen sozialpädagogischen Bedarf es gibt und welche Hindernisse für einen Auszug.

28 Frauen mit 34 Kindern konnten im letzten Jahr aufgenommen werden, 30 Frauen mit 38 Kindern zogen aus. Nur neun Frauen fanden eine eigene Wohnung. Die Lage sei extrem schwierig, vor allem dann, wenn die Miete vom Kreis bezahlt werde. Denn was der Kreis als Miete akzeptiere, das reiche zumeist nicht aus, um auf dem freien Markt etwas zu finden.

Das Frauenhaus ist ein Projekt, das für den Verein auch eine ständige Diskussion um eine Weiterentwicklung der Einrichtung bedeutet. Zuletzt wurde entschieden, dass auch männliche Jugendliche mit ihren Müttern einziehen dürfen, aber nur bis zum Alter von 17 Jahren. Ältere möchten das ohnehin in der Regel nicht, versicherte Gokkenbach. Aktuell wird diskutiert, wie der Verein mit Trans-Frauen umgehen kann - diese Frage sei allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Beraten wurden im vergangenen Jahr mehr als 340 Frauen, die meisten davon im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Neu eingeführt wurde die Online-Beratung per Internet, dafür wurde auch das Personalkontingent um eine halbe Stelle aufgestockt. Aber 1,7 Stellen reichen bei Weitem nicht aus, so Petra Gokkenbach, für die Umsetzung der Istanbul-Konvention würden doppelt so viel gebraucht.

Die Istanbul-Konvention ist eine Vereinbarung des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie enthält die Verpflichtung, sich für Bewusstseinsbildung und Prävention einzusetzen, für die Schaffung von Hilfseinrichtungen und sich um Unterstützung von Opfern im Strafprozess einzusetzen. Der Verein Frauen helfen Frauen möchte sich in dieser Sache gerne engagieren - aber wenn das Tagesgeschäft alle Kapazitäten bindet, wird alles, was noch dazukommen soll, doppelt schwer.

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