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Hoffen auf Tegut

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Main-Taunus Gespräche über Dorfladen in Eddersheim / Stillstand in Wildsachsen

Von Oliver Heil

Es gibt kaum einen Ort im Main-Taunus-Kreis, in dem die Anwohner nicht über den Mangel an schnell erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten klagen. Jahrelang hatten die großen Ketten ihre Filialen aus den Innenstädten abgezogen – und die verbliebenen kleinen Märkte mussten wegen der Konkurrenz am Stadtrand später auch schließen. Die Innenstädte und Wohngebiete waren ohne Lebensmittel-Versorgung, abgehängt waren vor allem Bürger ohne Auto und Ältere.

So ging es zum Beispiel den Menschen in Eddersheim. Im Hattersheimer Ortsteil an der Staustufe hoffen die Bürger nun – mehr als fünf Jahre, nachdem der letzte Lebensmittelladen geschlossen hat – auf ein Comeback von Tante Emma. Vielleicht ja mit der Kette Tegut. Ulrike Milas-Quirin von der Hattersheimer Öffentlichkeitsarbeit kann immerhin berichten, dass Bürgermeisterin Antje Köster vor kurzem mit Tegut-Vertreter Knut John durch Eddersheim gefahren ist und sich Ladengeschäfte angeschaut hat, die in Frage kommen. Das sei immerhin etwas. Früher hätten die Firmen auf Anfragen aus dem Hattersheimer Rathaus immer gleich abgewunken.

Von Gemüse bis Zahnpasta

Knut John tut das nicht: „Lädchen für alles“ heißt das Konzept, das der Tegut-Geschäftsleiter für den Bereich Vertrieb in Eddersheim gerne umsetzen würde. Gerade hat im Vogelsberg der siebte Laden eröffnet, der nach diesem Konzept vom frischen Gemüse bis zur Zahnpastatube alles von Tegut bezieht, den Laden aber in eigener Verantwortung betreibt. Dafür finde sich in Eddersheim ohne Probleme ein Pächter, ist sich John sicher. Leerstehende Räume, die den Anforderungen genügen, gebe es auch.

Jetzt liegt der Ball nach Johns Worten bei Hattersheims Bürgermeisterin Antje Köster und Wirtschaftsförderer Alexander Schwarz. Die müssten jetzt mit den Vermietern die Bedingungen ausloten, so John. Denn, macht der Geschäftsführer ohne Umschweife klar, Mieteinnahmen wie vor dem großen Märktesterben seien mit Tegut nicht drin. In Verhandlungen mit Vermietern sei man noch nicht, schränkt Sprecherin Milas-Quirin allerdings ein. Im Moment liefen erst mal Gespräche mit potenziellen Betreibern. Diese Phase müsse abgeschlossen sein – vorher habe es keinen Sinn, in Gespräche mit den Vermietern von Ladenflächen einzusteigen.

Doch selbst wenn es in Eddersheim jetzt klappen sollte, heißt das nicht, dass der allgemeine Trend zurück zum zentralen kleinen Markt geht. Drei Punkte seien für Erfolg oder Scheitern von kleinen Lebensmittel-Märkten entscheidend, glaubt Knut John: die Unterstützung von Politik und Dorfgemeinschaft, das Fehlen von großflächigen Konkurrenz-Märkten sowie eine ausreichende Ladengröße im Verhältnis zur Einwohnerzahl als Bedingungen für ein Engagement seiner Firma. In Eddersheim gibt er 250 Quadratmeter als Sollgröße an, unter 120 Quadratmetern Verkaufsfläche ist ein Lebensmittelmarkt nach seiner Ansicht nirgendwo überlebensfähig.

Das merken sie gerade in Wildsachsen. Dort gab es bis August einen kleinen Lebensmittelmarkt. Dann schmiss Tanja Völker, die auch in Langenhain einen Markt betreibt, hin – als zweite Betreiberin innerhalb kurzer Zeit. Es habe halt einfach nicht genügend Umsatz gegeben, sagt die Kauffrau auf FR-Nachfrage. Um noch mehr zu erzählen, fehlt Tanja Völker im Moment die Zeit. Sie hat genug damit zu tun, Ersatz für die kaputte Gefriertruhe in ihrem Langenhainer Markt zu suchen.

Nur eins erzählt sie noch. Es sei nicht nur die Konkurrenz direkt am eigenen Ort, die einem Lebensmittelhändler das Leben schwer mache. Die neuen großen Supermärkte am Marxheimer Ortsrand merke sie selbst in Langenhain, und Bürger ohne Auto würden schließlich auch immer seltener. Es werde nicht mehr so viel gekauft wie früher, sagt sie. „Der Umsatz wird weniger.“

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