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Hochheim

Die letzten Trauben

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Die Lese ist noch nicht zu Ende. Die Winzer erwarten besondere Weine. Vor allem die roten können mit internationalen Spitzenweinen konkurrieren.

Wer aus der Hochheimer Weinlage „Hölle“ kommt und durch das „Kirchenstück“ zur Peter-und-Paul-Kirche läuft, sieht auch mitten im Oktober noch viele Trauben in Hochheims bester Lage an den Rebstöcken hängen. Aufgrund der hervorragenden Ernte in diesem Jahr fällt jedoch die Masse an Trauben auf, die noch nicht gelesen wurden.

Viele Winzer, die dieses Jahr auf Eiswein spekulieren, eine Beeren- oder Trockenbeerenauslese, warten ab und freuen sich bei diesen Wetterverhältnissen über die zahlreichen Sonnenstunden. Die Trauben wurden weit mehr als in den vergangenen Jahren intensiv von der Sonne verwöhnt und bis in den späten Herbst hält dieser Trend an. Diese erzeugen bei den aktuellen Witterungsverhältnissen jeden Tag mehr Zucker, der Zugewinn kann bis zu zwei Grad Öchsle pro Tag betragen.

Nach Aussage des Biowinzers Uwe Schreiber aus Hochheim, der zusammen mit seinem Sohn Simon den Betrieb 2015 auf Bioanbau umgestellt hat, gab es im Rekordsommer 2003 für Trockenbeerenauslesen über 330 Grad Öchsle. In diesem Jahr könnten diese Werte fallen. „Wir sind nahe dran“ sagt Simon Schreiber, der Jungwinzer, der schon in seinen jungen Jahren Spitzenweine produziert hat.

„Für die breite Masse an Weinen, die verkauft werden, bringen die hohen Zuckerwerte jedoch wenig. 80 bis 90 Prozent der hier verkauften Weine sind trocken oder halbtrocken ausgebaut“, sagt der Jungwinzer, der zusammen mit seinem Vater 2019 den ersten zertifizierten Biowein verkaufen wird.

„Bei den trockenen Weinen ist zu viel Zucker in den Trauben eher negativ für das Aroma, da der Wein zu viel Alkohol bekommt, wenn er als trockener Riesling fertig ausgebaut wurde“, ergänzt Uwe Schreiber. Daher habe man in diesem Jahr so früh wie noch nie mit der Weinlese begonnen, um den Zuckergehalt der Trauben an den Bedürfnissen der Kundschaft zu orientieren.

Die Folgen des Klimawandels spüren die Winzer im Rheingau deutlich. „Rebsorten, die vor einigen Jahren nicht rentabel anzubauen waren, gedeihen inzwischen prächtig und bekommen größere Anteile an Fläche, da sie mit dem veränderten Klimabedingungen besser zurechtkommen.“

Insbesondere Rotweinen komme die Veränderung qualitativ entgegen. „Die werden sich dieses Jahr selbst mit den besten Weinen im internationalen Vergleich nicht verstecken müssen“, sagt Uwe Schreiber.

Das verdankten die Winzer nicht nur der hohen Sonneneinstrahlung in diesem Jahr, sondern auch der Arbeit im Keller und in den Weinbergen. Nicht zu vergessen: Die erstklassigen Lagen- und Bodenverhältnissen, sagt Schreiber.

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