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Ist das Pferd nicht herrlich anzuschauen?

Hochheimer Markt

Keine ist so harmonisch wie die Siegerstute

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Auf der Käsbachwiese lebt beim Hochheimer Markt noch der alte Bauernmarkt.

Warum „Fürstenblume“ zur Siegerstute bei der Bezirks-Pferdeschau 2018 gekürt wird? Klaus Becht kann das mit wenigen Worten beschreiben. Vielleicht sogar mit einem Wort: Harmonie. Fürstenblume bringt all das mit, von der harmonischen Kopflinie mit den schönen Augen, über den schlanken Hals und den perfekten Rist bis hinunter zum Fundament mit den schlanken Beinen. Applaus für das schöne dunkle Pferd und seine Halterin. „Vielen Dank, Sie waren ein aufreizendes Publikum“, sagt der Mann am Mikro mit kleinem Versprecher. Für „Polarfee“, die erst zweijährige „Reserve-Siegerstute“ bleibt der Titel „Zukunftsstute“.

Wohl 500 Menschen stehen schon am Morgen um das mit Blumen geschmückte improvisierte Geviert. Auf der Käsbachwiese am Ortsrand wird der Hochheimer Markt noch wie in alten Zeiten gelebt. Klaus Becht hat die Bilder vor Augen, wie in den 50er Jahren hier die Ferkel, Kühe und Pferde reihenweise aufgestellt waren, frei für den Verkauf, Bauernmarkt eben. Der Bub von damals ist Fleischer geworden, Landwirt auch, „erster Selbstvermarkter“ sei er gewesen im Main-Taunus-Kreis. Seit 63 Jahren ist er immer dabei auf der Käsbachwiese. Wenn der 74-Jährige mit seiner Kutsche unterwegs ist nach Hochheim und bis hinunter zum Main, dann ist das Hufgetrappel der Pferde Musik in seinen Ohren.

Der Hochheimer Markt hat auch im 554. Jahr viel mit Nostalgie zu tun. Daher das Festhalten an Traditionen wie der Pferdeschau, Präsentation von Zuchtrindern und großem Viehmarkt am Montag, wo die Geschäfte noch mit Handschlag besiegelt werden.

Zu Hunderttausenden strömen die Menschen ins Städtchen, fünf Tage Ausnahmezustand rund um das Weihergelände. Wären es nicht so viele, man würde sich fühlen in die Zeiten von Kram- und Jahrmarkt, von mittelalterlich inspirierten Futterplätzen, wo sich die Säue nahezu komplett am Spieß über dem Feuer drehen. Wo sich Händler und Scharlatane rumtreiben und dem einen oder anderen auch mal das Geld aus der Tasche ziehen.

Am Stand von Willi Koch ergänzt Bürgermeister Dirk Westedt seine technischen Helfer für die Küche. Solinger Stahlwaren und Hausrat, gute Ware mit Tradition. Willi Koch kommt seit 1971 zum Hochheimer Markt, dessen Ruf deutschlandweit positiv ist. Auch weil er die Kurve in die Neuzeit bekommt: Das Jungvolk strömt am Abend ins riesige Festzelt und auf den Rummelplatz mit dem 55 Meter hohen Riesenrad. „Wir müssen aufhören, weniger zu trinken“, klingt es schon am Mittag aus den Lautsprechern. Der Blick ins Rund ist eindeutig: Das größte Geschäft wird hier mit Speis und Trank gemacht. Wer in der Messehalle mit vielen skurrilen Angeboten neben klassischem Handwerk Geschäfte machen will, muss reichlich Überzeugungskraft einbringen.

Das Schwäbisch-Hällische Landschwein auf der Käsbachwiese braucht weder noch. Es erledigt stoisch seinen Job. Frisst und ruht und nimmt jeden Tag 900 Gramm zu, damit es nach etwa 20 bis 24 Monaten und nach „schonender Schlachtung“ zu allerlei Nahrhaftem verarbeitet werden kann. Zuvor gilt es als „frühreif und außergewöhnlich fruchtbar“. Zur Schlachtbank wird es mit bis zu 380 Kilogramm Lebendgewicht geführt.

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