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Simon Schreiber in der Vinothek des Weinguts Schreiber. Dort kann man den Roséwein verkosten, den er für die Jungwinzervereinigung kreiert hat.

Hochheim

Jungwinzer des Jahres kommt aus Hochheim

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Simon Schreiber vom Johanneshof in Hochheim ist von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zum Jungwinzer des Jahres gekürt worden. Er keltert nicht nur Riesling und Burgunder sondern experimentiert auch mit neu gezüchteten Rebsorten.

Simon Schreiber hat schon als Kind gewusst, dass er Winzer werden will – genauso wie sein Vater Uwe, der das Weingut Johanneshof zwischen Massenheim und Hochheim groß gemacht hat. „Nach der Schule bin ich am liebsten Traktor gefahren und war in den Weinbergen“, sagt der 25-Jährige. „Die Hausaufgaben haben mich nicht so sehr interessiert.“

Nach der zehnten Klasse absolvierte der junge Hochheimer ein Praktikum im Hochheimer Weingut Künstler, begann danach seine Ausbildung zum Winzer in Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel und setzte sie später im Weingut Reichsrat von Buhl in der Pfalz und im Weingut Laquain in Lorsch fort. Auch eine Ausbildung zum Weinbautechniker hat Simon Schreiber absolviert – in Oppenheim und in Bad Kreuznach. Danach wollte er ins Ausland, ging 2012 nach Neuseeland und arbeitete auch dort in renommierten Weingütern. Er sammelte Praxiserfahrung und lernte die enge Verbindung zwischen Weinbau und Tourismus kennen. „Fast jedes Weingut hat in Neuseeland eine Vinothek, in der Veranstaltungen stattfinden“, erzählt Simon Schreiber. Die Idee, seinen Kunden im Weingut mehr zu bieten als nur den bloßen Weinverkauf, der am Ende auch über das Internet laufen könnte, faszinierte ihn.

Idylle: Weinberge und Kirche in Hochheim.

Gemeinsam mit einem Architekten planten die Schreibers ihre eigene Vinothek. Ein Jahr dauerte es, bis der Anbau an Wohnhaus und Weinkeller fertig war. Vor einem Jahr wurde die Vinothek eröffnet und ist zum großen Erfolg geworden. Der 200 Quadratmeter große Raum hat nach drei Seiten bodentiefe Fenster, durch die man auf die Rebreihen blickt, die vor einigen Jahren direkt am Johanneshof gepflanzt wurden. Die schlichten Möbeln des Verkostungs- und Verkaufsraums sind aus Eichenholz, geschliffener dunkler Asphalt bedeckt den Boden. 85 Personen können bewirtet werden.

Die Vinothek sei mehr als nur ein Raum für Weinverkauf und Verkostung, sagt Simon Schreiber. Hochzeiten würden hier gefeiert und runde Geburtstage, Firmenfeiern abgehalten. „Wir haben Gäste aus der ganzen Region, viele kommen aus Frankfurt zu uns“, erzählt der Jungwinzer. Im laufenden Jahr hatten die Schreibers 70 Veranstaltungen zu bewältigen. Für 2020 sind sie so gut wie ausgebucht.

Auch an einem trüben Novembertag kommen die Kunden in die Vinothek der Schreibers an der Straße zwischen Massenheim und Hochheim. 50 000 Flaschen Wein werden pro Jahr ab Hof gekauft, 80 000 insgesamt erzeugt. Die Vermarktung seiner Weine auf Messen in ganz Deutschland oder im Ausland interessiert Simon Schreiber nicht. „Ich will regional verkaufen im Rhein-Main-Gebiet, in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden“, sagt er. Dass ihn die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft jüngst zum Jungwinzer des Jahres kürte, ist dabei von Vorteil. Der Titel sei quasi die Eintrittskarte in die regionale Gastronomie und in den Lebensmitteleinzelhandel, sagt Schreiber. „Wenn man da einmal als Weingut gelistet ist, dann beginnt das Geschäft zu laufen.“

Der Titel
Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) kürt jedes Jahr die Jungwinzer des Jahres.

Die Sieger 2019 wurden vor kurzem in Frankfurt ausgezeichnet:

Sebastian Erbeldinger vom Bastianshauser Hof in Bechtheim (Rheinhessen)

Victoria Lergenmüller vom Weingut Lergenmüller in Hainfeld (Pfalz)

Simon Schreiber vom Weingut Johanneshof in Hochheim (Rheingau)

Teilnehmer dürfen nicht älter als 35 Jahre sein und müssen in mehreren Bewerbungsrunden ihr Fachwissen in Weinbau, Önologie, Wein-Sensorik und internationaler Weinwirtschaft unter Beweis stellen. Für die Bundesweinprämierung müssen eigene Weine eingereicht werden. aro

Mehr Informationen unter https://www.dlg-bwp.de

Mit in Flaschengärung hergestellten Sekten, die er von Hand rüttelt, wie es die Winzer in der Champagne machen, hat Vater Uwe Schreiber das Familienweingut schon vor Jahren bekannt gemacht. 2015 sind die Schreibers auf ökologischen Weinbau umgestiegen. Sohn Simon gab dafür den letzten Impuls. Finanzielle Überlegungen waren nicht entscheidend. Biowein schmecke nicht anders als konventionell hergestellter Wein, deshalb sei Bio für Kunden kein Kriterium bei der Kaufentscheidung, sagt der Jungwinzer. Ökologischer Weinbau ist für Simon Schreiber eher ein Statement. „Ich wollte nachhaltiger arbeiten“, sagt er. „Ich mache Biowein aus Überzeugung.“

Seit dem 2018er Jahrgang sind alle Weine vom Johanneshof biozertifiziert. Herkömmliche Pflanzenschutzmittel dürfen auf der 14 Hektar großen Rebfläche nicht mehr verwendet werden. Ansonsten sei es nicht sonderlich kompliziert, im Weinbau nach ökologischen Kriterien zu arbeiten, findet der Juniorchef und nennt Beispiele: Statt Gras würden Begrünungsmischungen mit bis zu 50 Pflanzenarten zwischen den Rebreihen gesät. Sie lockerten den Boden und sorgten für Artenvielfalt im Weinberg. Die verrotteten Pflanzenteile würden im Frühjahr gewalzt und als Dünger genutzt, auch der Trester aus dem Weinkeller komme in den Weinberg. „Der Nährstoffkreislauf ist komplett geschlossen. Gedüngt haben wir zuletzt im Jahr 2009“, erzählt Simon Schreiber.

Die große Fachkenntnis des jungen Hochheimers hat offenbar auch die Jury des Bundesweinwettbewerbs um den Titel „Jungwinzer des Jahres“ überzeugt. Nachdem er zunächst in einem Onlinetest Fragen zu Weinbaupraxis und Marketing beantwortet hatte, wurde Simon Schreiber zur Bundesweinprämierung nach Frankfurt eingeladen. Drei Weine habe er dafür eingereicht, erzählt er. Einen Riesling Alte Rebe und einen Sekt brut nature vom Johanneshof sowie seinen für das Jungwinzerprojekt „Mainwerk3“ hergestellten Spätburgunder-Rosé.

Beim Finale des Wettbewerbs sollte er seine Betriebsphilosophie vorstellen, zwei Weine beschreiben und in einer Fragerunde den Experten Rede und Antwort stehen. Am Ende stand fest: Simon Schreiber ist der beste Jungwinzer des Jahres aus dem Rheingau. Die beiden anderen Preisträger kommen aus der Pfalz und aus Rheinhessen.

Seit Anfang Oktober sind die Trauben des Jahrgangs 2019 im Keller. Auch Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, sogenannten Piwis, werden bei den Schreibers gekeltert. Auf einem halben Hektar gleich neben der Vinothek wachsen die Reben, die aus amerikanischen und europäischen Sorten gekreuzt sind. 3000 bis 4000 Liter kamen in den vergangenen Jahren am Johanneshof ins Fass. Den Anfang machte die neu gezüchtete Rebsorte Souvignier gris. „Wir wollten ausprobieren, wie der Wein beim Kunden ankommt“, sagt Simon Schreiber. Er selbst findet den Geschmack der Piwis „superinteressant“. Zudem seien die Reben sehr gesund und bräuchten weniger Aufwand in der Pflege. Gerade für Bioweingüter seien sie deshalb perfekt geeignet.

Künftig will Simon Schreiber mit weiteren pilzresistenten Neuzüchtungen experimentieren. Als zweite Rebsorte hat er die dem Riesling ähnliche, aromatische Calardis blanc gewählt. Es sei quasi der Hipster unter den Piwis, sagt er.

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