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Heike Weimer mit deutschem veganen Käsekuchen mit Mandelcrème und arabischen Petit Fours.

Hochheim

Hochheim: Süßes wie aus 1001 Nacht

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Konditorin Heike Weimer hat Flüchtlingsfamilien nach ihren Rezepten gefragt. Demnächst kann man die orientalischen Süßigkeiten auch online bestellen. )

Schon eine halbe Stunde, bevor Heike Weimer ihren kleinen Laden in der Weiherstraße aufsperrt, stehen am frühen Nachmittag Kunden vor der Tür. „Die Leute sind neugierig, was wir hier anbieten“, sagt die Hochheimerin und arrangiert Dattel-Walnuss-Konfekt und arabische Petit-Fours auf einem Teller. Weimers Tochter Sophie stellt derweil Glasschälchen mit Sahne, Baiser und Beerengrütze in die Vitrine. Als „kühler Beerentraum“ ist das Dessert auf der schwarzen Schiefertafel angekündigt. „Bei der Hitze mögen die Leute das lieber als Eis“, sagt Heike Weimer.

Die 54-Jährige ist gelernte Konditorin, vor kurzem hat sie die Meisterprüfung abgelegt und Mitte Juli ihre deutsch-orientalische Zuckerbäckerei „Maalula“ in der Hochheimer Altstadt eröffnet. Mit Unterstützung ihrer Tochter, die Grafikdesign studieren wird, hat Heike Weimer den Verkaufsraum des ehemaligen Woll- und Teegeschäftes komplett umgestaltet. Türkis, Gold und Weiß dominieren jetzt die Inneneinrichtung. „Wie aus 1001 Nacht“ hat ein Kunde begeistert ins Gästebuch geschrieben.

An der Wand hängt, im goldenen Rahmen, ein Bild des syrischen Dorfes Maalula, nach dem der Laden benannt ist. Der kleine Ort liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Damaskus. Quaderförmige Häuser ducken sich im Schatten einer schroffen Felswand. Der Himmel ist strahlend blau. Die Idylle gibt es so nicht mehr. „Das Dorf wurde im Krieg fast komplett zerstört“, erzählt Heike Weimer. Sie selbst war noch nie in Maalula. Aber sie kennt Menschen, die dort gelebt haben. Sie lernte sie durch ihre Arbeit in der Hochheimer Flüchtlingshilfe kennen.

Die Gäste werden im „Maalula“ auf Deutsch und Arabisch begrüßt.

Rafaad Almasri gehört dazu. Von seinem Onkel habe sie erfahren, dass der 21-Jährige schwer krank sei und in Syrien nicht medizinisch versorgt werden könne, erzählt Heike Weimer. Gemeinsam setzten sie alles daran, den jungen Syrer nach Deutschland zu holen. „Das war nicht leicht“, erinnert sich Weimer. Mittlerweile geht es Rafaad Almasri gesundheitlich besser. Er spricht schon sehr gut Deutsch und ist auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Zurzeit hilft er Weimer in ihrer Zuckerbäckerei, serviert syrischen Kaffee mit Kardamom und kann auch übersetzen, wenn Arabisch sprechende Gäste ins „Maalula“ kommen, weil sie Süßigkeiten aus ihrer Heimat probieren möchten.

Sie backe nach syrischen Originalrezepten, erzählt Weimer stolz. Flüchtlingsfamilien haben sie ihr verraten. Das syrische Festtagsgebäck Maamoul gibt es – wahlweise mit Dattel-, Pistazien- und Walnussfüllung – oder den traditionellen süßen Kuchen Basboussa aus einem flaumig-leichten Grießteig. Nebendran in der Vitrine stehen typische deutsche Backwaren wie Käsekuchen, Schokomousse-Torte und gedeckter Apfelkuchen.

Ihr „Meisterstück“ sei die Maalula-Torte, sagte Heike Weimer. Das stimmt im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit dem selbst kreierten Rezept hat sie die Konditoren-Meisterprüfung vor der IHK Wiesbaden bravourös bestanden: Ein mit Kardamom verfeinerter Nussboden, Orangencrème, in die Orangenblütenwasser eingearbeitet ist, und der Schokoüberzug mit einem Hauch Zimt überzeugten die Prüfer.

Demnächst kann man in der deutsch-syrischen Zuckerbäckerei auch online Kuchen und Torten bestellen. Und Heike Weimer und ihr kleines Team gehen auf individuelle Wünsche der Kunden ein: Sie backen bei Glutenunverträglichkeit auch mal ohne Mehl, haben vegane Torten und laktosefreie Kuchen und Teegebäck im Angebot. „Bei uns soll jeder etwas finden, das ihm schmeckt und das er essen kann“, sagt die Konditorin.

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