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Hochheim: Streit um Verkauf des Hochheimer Hofes

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Der Hochheimer Hof in der Mainzer Straße ist zurzeit eine Eventlocation.
Der Hochheimer Hof in der Mainzer Straße ist zurzeit eine Eventlocation. © Renate Hoyer

Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt rät den Stadtverordneten, das Vorkaufsrecht für den Hochheimer Hof wahrzunehmen. Auch die Pächter wollen das denkmalgeschützte Ensemble erwerben. Sie drohen mit Klage.

Dirk Westedt möchte den Hochheimer Stadtverordneten nicht vorgreifen, die am Donnerstagabend über den Kauf des Hochheimer Hofes entscheiden werden. Doch der Rathauschef machte bei einem Pressegespräch deutlich: Wenn es nach ihm geht, sollte die Stadt vom Vorkaufsrecht Gebrauch machen, das ihr laut Altstadtsatzung zusteht, und das denkmalgeschützte Gebäudeensemble in der Mainzer Straße kaufen.

Es sei zu befürchten, dass der Hochheimer Hof andernfalls für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sein werde, dass die Räume über kurz oder lang sogar ausschließlich für Wohnzwecke genutzt würden, sagte Westedt. Dies gelte es zu verhindern.

In der Parlamentsvorlage ist von einem „multifunktionalen Nutzungsmix“ die Rede. Stadtverordnetensitzungen könnten im Hochheimer Hof stattfinden und festliche Weinproben, die Bücherei könnte im Erdgeschoss unterkommen, außerdem ein Beratungsbüro für Senioren und Geschichtswerkstätten. Das Geld für den Kauf der Immobilie und dringend nötige Sanierungsarbeiten sei im Haushalt eingeplant, berichtete Westedt.

Bis 2005 war das historische Gebäude aus dem 16. Jahrhundert im Besitz der Stadt. Als sich die Kommune den Zuschussbetrieb nicht mehr leisten konnte, verkaufte sie den Hochheimer Hof an eine Gastronomenfamilie. Die musste 2011 Insolvenz anmelden. Im Zuge der Zwangsversteigerung kam der Wiesbadener Boris Lauer in den Besitz der Immobilie. Seine Pläne, darin ein Kulturzentrum einzurichten, gingen nicht auf. Lauer verpachtete den Hochheimer Hof 2016 an die Mainzer Eventveranstalter Daniela Laubenthal und Bobby Mejzli mit der Option, die denkmalgeschützten Gebäude zu kaufen. Von dieser Möglichkeit haben die beiden Mitte November 2021 Gebrauch gemacht. Eine einseitige notarielle Kaufzusage liegt vor.

Drei Monate hat die Stadt Hochheim Zeit, ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen. Der Verkauf an Laubenthal und Mejzlik wäre dann hinfällig. Ob der Pachtvertrag, den die beiden bis 2045 für die mittlerweile unter dem Namen „Hochheimer Terrasse“ firmierende Eventlocation abgeschlossen haben, weiterhin Gültigkeit habe, sei umstritten, sagte Dirk Westedt und kündigte an: „Ich würde den Vertrag juristisch überprüfen lassen."

Die Pächter hätten sich aus dem öffentlichen Leben in Hochheim zurückgezogen, es gebe kaum noch Veranstaltungen im Hochheimer Hof, kritisiert der Bürgermeister. Das sei der Corona-Pandemie geschuldet, sagt Bobby Mejzlik. „Für dieses Jahr ist die Eventlocation gut gebucht“, berichtete er der Frankfurter Rundschau. Demnächst solle auch der Gastronomiebetrieb wieder geöffnet werden. Aktuell seien die Mitarbeiter:innen in Kurzarbeit.

Den Vorwurf, er und seine Geschäftspartnerin planten, Wohnungen im Hochheimer Hof einzurichten, weist Bobby Mejzlik zurück. „Wir sind Eventveranstalter, betreiben auch die Burg Crass in Eltville und das Strandschiff in Mainz-Kastell. Wir haben weder die Expertise noch Interesse, uns mit Wohnungsbau zu befassen.“

Auf den Kauf des Hochheimer Hofes wollen die beiden auf keinen Fall verzichten. Das Vorkaufsrecht der Kommune sei juristisch nicht haltbar, ist Bobby Mejzlik überzeugt. Für den Fall, dass die Stadt darauf beharre, „haben wir schon eine Klage vorbereitet".

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