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Hochheim: Stadt verzichtet auf Vorkaufsrecht für Hochheimer Hof

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Das Gébäudeensemble des Hochheimer Hofes in der Mainzer Straße stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Das Gébäudeensemble des Hochheimer Hofes in der Mainzer Straße stammt aus dem 16. Jahrhundert. © Renate Hoyer

Das dekmalgeschützte Ensemble des Hochheimer Hofes bleibt in Privatbesitz. In einem städtebaulichen Vertrag ist die Nutzung zu Wohnzwecken aber ausgeschlossen.

Die Stadt Hochheim wird den Hochheimer Hof nicht kaufen. Das hat die Stadtverordnetenversammlung entschieden. Eine Magistratsvorlage, die empfahl, das Vorkaufsrecht der Kommune wahrzunehmen, hatte Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) zuvor zurückgezogen. Die Fraktionen unterzeichneten stattdessen einen städtebaulichen Vertrag, der per Grundbucheintrag eine Nutzung zu Wohn- und Bürozwecken ausschließt. Der Stadt wird darin überdies das Recht eingeräumt, den Hochheimer Hof für Veranstaltungen, wie beispielsweise Stadtverordnetenversammlungen, zu nutzen.

Das denkmalgeschützte Ensemble gehört jetzt den Mainzer Eventveranstaltern Daniela Laubenthal und Bobby Mejzlik. Sie hatten das historische Gebäude 2016 gepachtet, um darin die Eventlocation „Hochheimer Terrasse“ zu betreiben. Im November vergangenen Jahres unterschrieben sie einen Kaufvertrag mit dem bisherigen Eigentümer Boris Lauer. Der Vertrag kann jedoch erst wirksam werden, nachdem die Kommune auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet hat.

Bis 2005 war der Hochheimer Hof in städtischem Besitz. Als sich die Kommune den Zuschussbetrieb nicht mehr leisten konnte, verkaufte sie das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert in der Mainzer Straße an eine Gastronomenfamilie, die 2011 Insolvenz anmelden musste. Der Hochheimer Hof wurde zwangsversteigert und kam in den Besitz von Boris Lauer. Pläne, darin ein Kulturzentrum einzurichten, verwarf der Wiesbadener wieder. Er verpachtete das Gebäudeensemble an Daniela Laubenthal und Bobby Mejzlik. In den letzten Monaten war der Gastronomiebetrieb pandemiebedingt geschlossen.

Hochheims Bürgermeister befürchtete, die Räume würden überhaupt nicht mehr für die Öffentlichkeit geöffnet. Er vermutete, der Hochheimer Hof, einst die „Gudd Stubb“ der Stadt, könnte über kurz oder lang ausschließlich zu Wohnzwecken genutzt werden. Westedt schlug einen „multifunktionalen Nutzungsmix“ für das Gebäudeensemble vor, auch die Stadtbücherei und ein Beratungsbüro für Senioren sowie Geschichtswerkstätten sollten darin unterkommen.

Geld für den Kauf des Ensembles sowie für dringend nötige Renovierungsarbeiten hatte der Kämmerer bereits im Haushalt 2022 eingestellt. Die Stadtverordneten folgten Westedts Vorschlag jedoch nicht. Die Parlamentsvorlage wurde zurückgezogen, der städtebauliche Vertrag, der die Nutzung zu Wohnzwecken ausschließt, einstimmig beschlossen.

Bobby Mejzlik, der mit seiner Geschäftspartnerin auch die Burg Crass in Eltville und das Strandschiff in Mainz-Kastel betreibt, hatte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau das Vorkaufsrecht der Stadt Hochheim angezweifelt und mit Klage gedroht, sollte die Kommune den Hochheimer Hof tatsächlich kaufen wollen.

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