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Pfarrkirche St. Peter und Paul über den Weinbergen.  

Hochheim

Englische Königin, Kirche und Wein in Hochheim

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Am Rand des Rheingaus in Hochheim weiß man, wie Tourismus funktioniert.

Ein kurzer Besuch von Queen Victoria in den Weinbergen um Hochheim ist noch heute Gold wert für die kleine Stadt am Rand des Rheingaus. Im Wein verewigt die englische Queen, die Lage „Hochheimer Königin Victoriaberg“ genießt einen exzellenten Ruf, dem Vernehmen nach geht jährlich eine Charge auch direkt ins Königshaus. Im August 1845 kam die Queen auf einer Rheinreise mit ihrem deutschen Gemahl an den schönen Weinbergen vorbei und war begeistert vom edlen Tropfen. Die weithin sichtbare katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, einzige hessische spätbarocke Fresko-Kirche, thronte da schon bescheiden über den sanft zum Fluss abfallenden Hügeln, ein Wahrzeichen wie der Wein. Nun, 175 Jahre nach dem royalen Besuch, darf das Städtchen das Prädikat „Tourismusort“ tragen.

Ein Lohn für Beständigkeit, beharrliche Arbeit im Stadtmarketing und trotzdem Bescheidenheit in harten Zeiten. Eine „tolle Auszeichnung“, freut sich Dirk Krams, im Rathaus für die Bewerbung der Stadt und Tourismus zuständig. Bürgermeister Dirk Westedt ist „sehr glücklich über die besondere Auszeichnung“ und kündigt an, den Tourismus zu stärken und stetig voran zu bringen. Der Vorsitzende des Hochheimer Weinbauvereins Martin Mitter goutiert die „Super-Auszeichnung“ wie einen edlen Tropfen.

In Zeiten, da Handel, Gastronomie und Tourismus von einem Virus ausgebremst werden, kommt die Ehrung gerade recht. Und dürfte bei der demnächst zaghaften Öffnung von Gutsschänken und Weinprobierständen vorsichtig zurückhaltend gefeiert werden. Auch wenn das traditionelle und beliebte Weinfest am zweiten Juli-Wochenende bereits abgesagt ist und Zehntausende Gäste ausbleiben werden, die das Lob der Weine sonst in die Region tragen. Bis zu 80 000 Besucher werden an den Weinfesttagen gezählt, eine ganz große Nummer ist der traditionelle „Hochheimer Markt“ im November, der an vier Tagen laut Krams bis zu 500 000 Menschen in die Stadt zieht.

Das Königin-Victoria-Denkmal erinnert an ihren Besuch.  

Königin, Kirche und Wein, die Hochheimer wissen um ihre Zutaten für gelingenden Tourismus, ohne großspurig zu werden. Das Denkmal zur Erinnerung an den Besuch von Queen Victoria wird gerade mit viel Spendengeld aufwendig restauriert. Knapp zwei Kilometer von der historischen Altstadt mit ihren schnuckeligen Fachwerkhäusern und Hessens ältestem Weinbaumuseum entfernt ragt es mitten in der Weinlage zehn Meter hoch in den Rheingauer Himmel, direkt unterhalb fährt die Taunus-Eisenbahn vorbei, beste Tourismus-Werbung. Mehr als fünf Millionen Euro wurden in die jahrelange Sanierung von St. Peter und Paul und die Restaurierung der kunsthistorisch wertvollen Fresken investiert, nach einer Brandstiftung Anfang Januar 2016 waren Restauratoren noch einmal Monate im Gewölbe des 1732 eingeweihten Gotteshauses unterwegs, um gewaltige Schäden durch Ruß zu beseitigen.

Gut für touristischen Import von Gästen ist der Wein, auch wenn es noch an Gästezimmern direkt im Weingut fehlt. Zuletzt wurden über 40 000 Übernachtungen im 18 000-Einwohner-Ort notiert, Tendenz steigend. „Die Zahlen werden steigen“, prophezeit Dirk Krams, die geplante Tennis-Akademie mit großem Vier-Sterne-Hotel und Boris Becker als Werbeträger werde dafür sorgen. Im sanierten Rathaus soll eine Tourist-Information mit Vinothek eingerichtet werden, um die Tagesgäste besser zu versorgen, die Winzer wollen das Prädikat „Tourismusort“ laut Martin Mitter gerne aufnehmen und die Auszeichnung bewerben, um den Export auch ins ferne Ausland weiter anzukurbeln.

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