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Hilfe für „Zappelphilipp“

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Von: Torsten Weigelt

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Kelkheim Psychiatrische Tagesklinik bietet Platz für zehn Kinder

Hyperaktivität, Essstörungen und Depressionen – in Zeiten von G8 und hohem Leistungsdruck nehmen gerade bei Kindern die psychischen Probleme immer mehr zu. Gleichzeitig hat sich das medizinische Angebot in den vergangenen Jahren in Hessen eher verschlechtert als verbessert.

Ein wenig Linderung soll ab dem kommenden Jahr eine neue psychiatrische Tagesklinik für Kinder von sechs bis 14 Jahren schaffen, die derzeit in Kelkheim entsteht. Zehn Kinder können dort gleichzeitig betreut werden, erläuterte der künftige Leiter der Klinik, Jörg Lüders-Heckmann, gestern in einem Pressegespräch.

„Schwere Fälle“ würden in der Klinik nicht behandelt, wehrt er mögliche Bedenken von Anwohnern ab – dafür habe die Vitos GmbH die Klinik Rheinhöhe bei Wiesbaden. „Zu uns werden vor allem Kinder mit schulischen Problemen kommen.“ Etwa Jungen und Mädchen, die an ADHS und ADS leiden, also umgangssprachlich formuliert am „Zappelphilipp“- oder „Hans-guck-in-die- Luft“-Syndrom.

„Ziel ist, dass die Kinder anschließend wieder in die Regelschule gehen können“, sagt Jörg Lüders-Heckmann. Deshalb seien auch zwei Lehrer im Klinik-Team, die von der Wiesbadener Geisberg-Schule für Erziehungshilfe abgestellt werden. Insgesamt werden sich etwa zehn feste Kräfte um die Kinder kümmern, die nicht nur normalen Schulunterricht erhalten, sondern auch ein erlebnis-, musik- und ergotherapeutisches Angebot.

Von sieben bis 17 Uhr soll die Tagesklinik geöffnet sein, die Kinder werden jeden Tag gebracht und wieder abgeholt. „Wir brauchen in jedem Fall Eltern, die mitarbeiten“, sagt Lüders-Heckmann. Anders sei ein therapeutischer Erfolg nicht möglich. Im Schnitt müssten die Kinder ein viertel bis ein halbes Jahr in der Tagesklinik betreut werden. Dann seien sie in der Regel so stabilisiert, dass sie wieder am Regelunterricht teilnehmen können.

Zusätzlich zu der Klinik wird es in dem Gebäude, das derzeit in der Frankfurter Straße entsteht, auch eine psychiatrische Ambulanz für Kinder und Jugendliche geben. „Deshalb werden wir ab dem Frühjahr auch Kontakt zu den örtlichen Kinderärzten aufnehmen“, kündigt Lüders-Heckmann an. Wobei sich das Angebot nicht nur an Kinder aus Kelkheim richtet, sondern auf alle, die in etwa 20 bis 30 Minuten Fahrzeit von der Möbelstadt entfernt leben. Die nächsten Angebote gibt es in Wiesbaden und Oberursel.

Geplant ist ein vierstöckiges Gebäude, von dem Vitos zunächst drei Stockwerke anmietet. „So hat die Klinik die Option zu erweitern“, sagt Kelkheims Bürgermeister Thomas Horn (CDU). Er ist gleichzeitig Aufsichtsratschef der städtischen Entwicklungsgesellschaft (Steg), die das Gebäude errichtet.

Für Horn bedeutet die psychiatrische Kinderklinik „eine Abrundung des Angebots“ der Stadt im Gesundheitssektor. Für die Kinder sei der zentrale Standort ideal, da er direkt am Stadtpark Sindlinger Wiesen liegt.

Die Steg investiert 1,7 Millionen Euro in den Bau, dessen Fertigstellung sich durch den nachträglichen Einbau einer Fluchttreppe und Problemen mit dem Grundwasser zeitlich verzögert hat. Die Eröffnung ist nun für den 1. September 2012 geplant. „Und ich bin sehr optimistisch, dass das klappt“, sagt Lüders-Heckmann. Denn auch für weitere unliebsame Überraschungen sei noch ein „Zeitpuffer“ eingebaut.

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