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Hilfe zur Selbsthilfe

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Alleinstehende Menschen tun sich oft schwer, um Hilfe nachzusuchen.
Alleinstehende Menschen tun sich oft schwer, um Hilfe nachzusuchen. © dpa

Das aufsuchende Seniorensozialarbeit Schwalbach berät ältere Menschen, die alleine auf sich gestellt sind, in allen Fragen der Lebensbewältigung. Von Claudia Horkheimer

Von Claudia Horkheimer

Die Eheleute A. haben beide das 80. Lebensjahr weit überschritten. Der Mann leidet an einer lebensbedrohlichen Organerkrankung und kann sich selbst nicht mehr versorgen. Seine Frau pflegt ihn und macht den Haushalt. Eine Bekannte des Ehepaars weist die Mitarbeiter des Seniorensozialarbeit auf den Fall hin. Als die Mitarbeiterin telefonischen Kontakt aufnimmt, lehnen die A.s die Unterstützung zunächst ab. "Sie bräuchten niemanden." Doch als es dem Mann schlechter geht und die Frau Tag und Nacht ohne Pause und Entlastung eingespannt ist, wird doch Frau A.s Interesse geweckt und sie wendet sich an das Diakonische Werk.

Meist Hinweise von außen

Dieser Fall, beschrieben im ersten Bericht der aufsuchenden Seniorensozialarbeit Schwalbach, ist keine Ausnahme. Häufig sind ältere Menschen ohne Familie oder ohne Kontakte nicht mehr fähig, sich Hilfe zu organisieren. Das seit einem Jahr in Schwalbach laufende Projekt setzt hier an. Nach einer Magistratsvorlage soll es nun bis Ende 2010 verlängert werden. Die Stadtverordneten beraten heute darüber. Außerdem ist eine personelle Erweiterung geplant.

Im Fall des Ehepaars A. konnte erst die allmähliche Annäherung durch die Mitarbeiter der Diakonie, die Träger des Angebots ist, den Rentnern helfen. Wie in vielen Fällen, kam der Hinweis auf ihre Notsituation von Außen. "Man braucht viel Kreativität und Sensibilität, um dieses kritische Thema anzusprechen", sagt Sozialpädagogin Daniela Köhler.

Das kostenlose Hilfsangebot soll älteren Menschen, die alleine auf sich gestellt sind, Beratung in allen Fragen der Lebensbewältigung liefern. Das reicht von der Schuldnerberatung, über Unterstützung bei Behördenangelegenheiten bis hin zur Vermittlung von Betreuungs- oder Pflegekräften. In den ersten acht Monaten des Projekts wurden 71 Klienten betreut. Dabei dauerten die persönlichen Gespräche im Schnitt 75 Minuten. Je nach Fall waren zwischen ein und 59 Gespräche notwendig. "Sicher könnte man das Angebot noch ausweiten. Denn die Nachfrage steigt mit zunehmender Bekanntheit des Angebots", so Köhler.

Laut ihrem Bericht überwiegen bei den Beratungen psychosoziale Probleme. Oft sind die älteren Menschen einsam und nicht in der Lage, sich selbst zu helfen. Wie etwa Frau B., eine allein lebende Witwe, die aufgrund einer starken Sehbehinderung die Bescheide vom Sozialamt nicht mehr lesen konnte. Als es um die Weiterzahlung ihrer Grundsicherung ging, wandte sich das Sozialamt an die Seniorenberater, um einen Kontakt herzustellen.

Jedoch können auch Köhler und ihre Kollegin Andrea Fügen nur eine "Beratung zur Entscheidungsfindung" geben. "Die Bereitschaft, die Hilfe anzunehmen, muss von den Menschen kommen", so Köhler.

Das Büro der aufsuchenden Seniorensozialarbeit im Ostring 15 ist unter Telefon 06196/6523061 zu erreichen.

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