+
Ein Bauarbeiter hebt auf einer Baustelle ein Brett in die Höhe. (Symbolfoto)

Wohnen in Hattersheim

Wohnhäuser statt Großparkplatz

  • schließen

Bis zu 900 Menschen sollen in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis) mal im Ölmühlenviertel wohnen. Das Parlament beschließt die Offenlegung des Bebauungsplanes. Die Grünen üben Kritik.

Vor wenigen Wochen noch stellten Flugreisende auf dem knapp vier Hektar großen Areal am Hessendamm ihre Autos ab, um sich von einem Shuttlebus von Hattersheim zum Frankfurter Flughafen fahren zu lassen. Jetzt ist das Gelände geräumt, den Großparkplatz am alten Ölmühlengebäude gibt es nicht mehr. Stattdessen graben Bagger den Boden auf.

Der Kelkheimer Projektentwickler Günter Horn bereitet alles vor, um demnächst mit dem Bau eines neuen Wohnquartiers beginnen zu können. Bis zu 900 Menschen sollen im Ölmühlenviertel künftig wohnen. 360 Wohnungen sind in drei- bis fünfgeschossigen Gebäuden geplant, die sich um begrünte Innenhöfe gruppieren. Zwei Drittel werden Mietwohnungen sein. Die Alte Leipziger wird sie auf dem Markt anbieten und laut Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) zwischen 10 und 15 Euro pro Quadratmeter verlangen. Ein Drittel will Günter Horn als Eigentumswohnungen verkaufen. Für 20 Wohnungen soll die Stadt Belegungsrechte erhalten. Die Zahl der Sozialwohnungen sei bewusst niedrig gehalten, sagte der Verwaltungschef der FR. Schließlich habe Hattersheim bereits jetzt mit Abstand die meisten Sozialwohnungen im Main-Taunus-Kreis.

Er sei mit dem Wohnbauprojekt „Alte Ölmühle“ sehr zufrieden, sagte Schindling der FR. Seinen Angaben zufolge könnte bereits im Sommer Baubeginn sein. 2021 könnten die ersten Bewohner einziehen. In einer Sondersitzung des Parlamentes haben die Hattersheimer Stadtverordneten in der vergangenen Woche die Offenlage des Bebauungsplanes beschlossen. Die Koalitionspartner CDU, FDP und Freie Wähler sowie die Wählergemeinschaft pro Hattersheim stimmten zu. Dagegen votierten die Oppositionsparteien SPD und Grüne.

Die Grünen sehen das neue Wohnviertel am Hessendamm zwischen Hattersheim und Okriftel besonders kritisch, rügen zu geringe Abstandsflächen zwischen den Häusern, einen fehlenden Rad- und Fußweg westlich des Schwarzbaches und die alleinige Erschließung über die verlängerte Wasserwerkchaussee, die Teil der Regionalparkroute ist.

Verkehrschaos  befürchtet

Ein Verkehrschaos entlang des Hessendammes befürchten auch die Anwohner aus dem gegenüberliegenden Schokoladenviertel. Bei einem Bürgerinformationsabend im Sommer hatten sie angeregt, an der Schnittstelle mit der Wasserwerkchaussee einen Kreisel zu errichten, um die Verkehrsführung flüssiger zu gestalten. „Wir haben uns am Ende doch für eine Ampelschaltung entschieden“, teilte Bürgermeister Schindling auf FR-Anfrage mit. Fachgutachten hätten gezeigt, dass das die beste Lösung sei.

Auch dem Vorwurf der Grünen, das Gebiet an der Ölmühle sei zu dicht bebaut, widerspricht Schindling. „Wir müssen auf den Flächenverbrauch achten, das Areal eignet sich gut für den Geschosswohnungsbau, die neuen Gebäude passen sich an die Umgebungsbebauung an.“ Elitärer Eigenheimbau sei auf dem Ölmühlengelände von vornherein nicht vorgesehen gewesen. „Wir brauchen bezahlbare Mietwohnungen und davon wird es in dem neuen Quartier eine ganze Menge geben.“

Im Zuge der Offenlage des Bebauungsplanes können Bürger Einwendungen vorbringen. „Wir nehmen alle Bedenken sehr ernst“, verspricht Schindling. Mit dem Kelkheimer Projektentwickler soll ein städtebaulicher Vertrag geschlossen werden. Günter Horn will sich unter anderem verpflichten, das Kulturdenkmal Ölmühle zu revitalisieren und eine Gaststätte darin einzurichten.

Das Baugebiet im Überblick: 3,9 Hektar groß ist das Areal am südlichen Rand von Hattersheim. 

Das historische Ölmühlengebäude soll das neue Quartierszentrum werden. 

360 Wohnungen für 900 Menschen will Investor Günter Horn auf der Fläche errichten: 20 Sozialwohnungen, 214 Mietwohnungen und 136 Eigentumswohnungen. aro

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare