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Sorgen wegen Sanierung des Maindeichs

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Noch kann Aushilfe Tanja Schall mit Stute Rueda auf dem Therapieweg entlang der Koppel laufen. Der Maindeich im Hintergrund soll aber künftig in Richtung des Wiesenhofs verlegt werden. kröner
Noch kann Aushilfe Tanja Schall mit Stute Rueda auf dem Therapieweg entlang der Koppel laufen. Der Maindeich im Hintergrund soll aber künftig in Richtung des Wiesenhofs verlegt werden. kröner © Kröner

Hattersheim Reiter befürchten, dass Koppeln zu Überschwemmungsgebiet werden

Ein kleines Schild hinter einer ehemaligen Tennishalle weist den Weg in Richtung Wiesenhof, dem Domizil der Reitsportgruppe Eddersheim (RSG). Wer in den Feldweg einbiegt, könnte meinen, eine völlig abgeschiedene Ecke des Ortsrands erreicht zu haben. Geradeaus erheben sich nur die Ställe und Reithallen des Vereins. Auf der linken Seite der Zufahrt erstrecken sich weiß eingezäunte Koppeln entlang einer Wiese. Alles deutet darauf hin, dass die RSG in diesem Bereich ungestört mit ihren Pferden und Kursteilnehmern arbeiten kann.

Doch der Schein trügt. Der Verein wurde gerade zum wiederholten Male von negativen Nachrichten überrascht. Die Nachfrage ist dabei nicht das Problem. Im Gegenteil: Rund 500 Personen stehen laut Vorsitzender Katrin Förster auf der Warteliste für Kurs- und Therapieangebote der RSG. Angesichts dieses Zuspruchs denkt der Vorstand sogar konkret über eine Erweiterung der Hallenflächen nach. Doch der auf den ersten Blick so ungestörte Standort des Vereins will einfach nicht zur Ruhe kommen. So idyllisch, wie man zunächst meinen könnte, ist die Lage am Ortsrand ganz und gar nicht.

Nachdem die RSG den Hof 1997 erworben hatte, erfolgte in unmittelbarer Nähe der Bau der ICE-Trasse. Die Gleisverbindung für den überregionalen Zugverkehr bedeutete für die Reitsportgruppe nicht nur Lärmbelastung, sondern auch eine Einschränkung bei der möglichen Ausweitung des Geländes. Es kam allerdings noch schlimmer: Der Bau der Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen hat dazu geführt, dass Flugzeuge an manchen Tagen in einer Höhe von nur etwa hundert Metern über den Wiesenhof donnern. Das Gelände, auf dem der Verein seine Zukunft aufbauen wollte, verlor massiv an Wert.

Zögern beim Hallenbau

Gesichert wurde der Fortbestand durch den damaligen RSG-Vorstand, der im Jahr 2012 eine Einigung über Ausgleichszahlungen mit Flughafenbetreiber Fraport erzielte. Seither ging es bergauf. Der gemeinnützige Verein investierte in die Modernisierung seiner beiden Hallen und ließ 2017 für rund 50 000 Euro einen eingezäunten Therapie-Reitweg anlegen, der eine der Koppeln einrahmt.

In diesem Jahr sollte eine dritte Halle entstehen. Stadt, Kreis und Land haben sogar schon Fördermittel für die Erweiterung genehmigt. Der Verein zögert jedoch, weil sich ein neues Problem abzeichnet - die Sanierung des Maindeichs.

Der Schutzwall zwischen Eddersheim und Flörsheim, der nur einige Meter südlich der RSG-Außenanlagen verläuft, soll bekanntlich erneuert werden. Vertreter des Regierungspräsidiums Darmstadt hatten auf Informationsveranstaltungen in den vergangenen Wochen über die sogenannte Deichrückverlegung berichtet. Die Pläne machten unter anderem deutlich, dass der Damm künftig genau auf Höhe des Wiesenhofes in Richtung Eddersheim abknickt und erst kurz vor der ICE-Trasse wieder einen Bogen zum Main macht. Das heißt, dass die Wiesen, auf denen sich die Koppeln und der Therapiepfad der RSG befinden, im Überschwemmungsgebiet südlich des Deichs liegen würden.

"Ich bin ziemlich schockiert", betont Vereinschefin Katrin Förster. Niemand habe die RSG bisher über die genauen Pläne für die Deichrückverlegung informiert. Dass Flächen des Vereins betroffen sind, habe sie nur durch einen Bekannten erfahren, der eine der Informationsveranstaltungen besuchte. "Ich habe das Gefühl, das Regierungspräsidium denkt, dass ist einfach nur eine Wiese, die man weiterhin nutzen kann", erklärt die Vorsitzende, die sich fragt, wie der Verein arbeiten soll, wenn er von seinen Koppeln abgeschnitten wird.

Selbst falls es erlaubt sei, die Pferde über den Damm zu führen, bedeute dies einen hohen zusätzlichen Aufwand. Förster fragt sich außerdem, ob der Zufahrtsweg zum Wiesenhof nach der Rückverlegung des Deichs weiter genutzt werden kann.

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