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Landgericht Frankfurt: Angeklagte stößt Frau Scherbe ins Auge - Urteil erwartet

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Vor dem Frankfurter Landgericht steht ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Abschluss. (Symbolbild)
Vor dem Frankfurter Landgericht steht ein Prozess wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung vor dem Abschluss. (Symbolbild) © Philipp Schulze/dpa

Vor dem Landgericht Frankfurt steht ein Prozess wegen versuchten Totschlags vor dem Abschluss. Die Staatsanwältin fordert sechseinhalb Jahre Haft.

Hattersheim/Frankfurt - Nach fast sieben Monaten Verhandlungsdauer steht der Prozess um einen lebensgefährlichen Angriff mit einer spitzen Glasscherbe mittlerweile vor dem Abschluss. Seit Anfang April dieses Jahres hatte sich ein Pärchen aus Hattersheim (Main-Taunus-Kreis) wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung vor dem Frankfurter Landgericht zu verantworten.

Die Folgen jenes Zwischenfalls im Januar vergangenen Jahres hatten für das Opfer fatale Folgen. Die angeklagte Frau (29) stieß ihr die Scherbe mitten ins linke Auge - die 49 Jahre alte Frau ist seither halbblind. Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren für sie.

Der 43 Jahre alte Mann, der zunächst mit den Fäusten auf das Opfer eingeschlagen, dann aber erwiesenermaßen die Wohnung des Opfers verlassen hatte, soll wegen gefährlicher Körperverletzung zweieinhalb Jahre in Haft. Die Verteidiger freilich sahen keinen Tötungsvorsatz, stattdessen aber eine eingeschränkte Schuldfähigkeit. Nicht mehr als drei Jahre Haft für die Frau sowie ein Jahr für den Partner seien deshalb ausreichend.

Prozess am Landgericht Frankfurt: Opfer ist nach Angriff mit Glasscherbe blind

Der Vorfall spielte sich im Januar vergangenen Jahres in der Wohnung des späteren Opfers in Hattersheim ab. Man kam zu einem ausgedehnten Trinkgelage zusammen - alle drei Beteiligte waren am Ende deutlich alkoholisiert. Ob dies der Grund für die 49-Jährige war, schließlich nicht mehr nachzuschenken, blieb ungeklärt. Jedenfalls deutete das Pärchen diese Geste offenbar als einen Affront, der so nicht hinzunehmen sei.

Eine Schlägerei begann und kurze Zeit später - der Mann war bereits gegangen - eskalierte die Situation. Die 29-Jährige stach mit der Scherbe direkt ins Auge, ließ die stark blutende Frau einfach liegen und verließ ebenfalls die Wohnung. Mit letzter Kraft gelang es der mit zwölf Stichen am ganzen Körper verletzten Frau, über Telefon den Notarzt zu alarmieren. Den Einsatzkräften und der Polizei bot sich in der verwüsteten Wohnung ein schreckliches Bild - inmitten des Durcheinanders kauerte die schwer verletzte Frau. Das Pärchen wurde kurze Zeit später festgenommen.

Streit in Hattersheim eskaliert: Paar verletzt Frau und lässt sie einfach liegen

Für Staatsanwältin Miriam Haßbecker ist ein bedingter Tötungsvorsatz schon aufgrund der Tatsache gegeben, dass die 29 Jahre alte Hauptangeklagte das Opfer einfach hilflos in der Wohnung zurückgelassen habe. Die Frau habe nicht darauf vertrauen können, dass es der Schwerverletzten gelingen werde, Hilfe zu organisieren, hieß es im Schlussvortrag. Darüber hinaus spreche auch der gezielte Angriff auf den Kopf und das Auge des Opfers für einen Tötungsvorsatz und damit für versuchten Totschlag.

Einzig der mitangeklagte Mann konnte im Verlauf der ausgedehnten Beweisaufnahme seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Seine Angabe, die Wohnung des Opfers früher verlassen zu haben, sei zumindest nicht widerlegbar.

Landgericht Frankfurt: Mitangeklagter dürfte auf freien Fuß kommen

Folgt die Schwurgerichtskammer in dem bereits heute erwarteten Urteil dagegen den Vorgaben der Verteidiger, dürfte der bereits seit der Tat inhaftierte Mann sofort wieder auf freien Fuß kommen. Darüber hinaus soll er nach dem Willen der Anwälte auch noch mit einer Haftentschädigung ausgestattet werden. Die Trinkhallenbesitzer in Hattersheim würde so eine Entscheidung gewiss freuen, unkte ein Prozessbeobachter.

Zumindest die Reaktion der Frau auf den Strafantrag der Anklagevertreterin aber ging in eine andere Richtung. Die Möglichkeit, dass ihr Haftaufenthalt noch eine ganze Weile andauern wird, ließ die kleine zierliche Frau in ein helles Wehklagen ausbrechen. (red)

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