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Vereinsvorsitzende Katrin Förster hofft, dass bald wieder Normalität auf dem Wiesenhof einkehrt.

Hattersheim

Reitsportgruppe Eddersheim kann Insolvenz abwenden

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Private Spenden haben den Verein aus Hattersheim erst mal gerettet. Wie es unter Corona-Bedingungen für Pferde und Reiter:innen weitergeht, ist dennoch ungewiss.

Die 17 Pferde der Reitsportgruppe Eddersheim (RSG) stehen momentan den ganzen Tag über auf den weiß umzäunten Koppeln. Um halb sieben Uhr morgens bekommen sie ihr Futter und werden anschließend aus den Boxen geholt. Nach einer kurzen Mittagspause geht es bis zum Einbruch der Dunkelheit erneut ins Freie. „Die Tiere müssen bewegt werden. Wenn es kälter wird, brauchen sie besonders viel Auslauf“, sagt die Vereinsvorsitzende Katrin Förster.

Für gewöhnlich kümmern sich Reitschüler:innen und Übungsleiter:innen darum, dass die Pferde die nötige Bewegung bekommen. Doch das ist seit Anfang November nicht mehr möglich. Wie während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr musste der Verein alle Reitangebote absagen. Weder Einzel- und Gruppenunterricht darf auf dem Freigelände des Wiesenhofes und in den beiden Reithallen stattfinden. Der abrupte Wegfall aller Kursgebühren brachte die RSG kurzfristig an ihr finanzielles Limit. „Wir dachten, wir müssen Insolvenz anmelden“, sagt Katrin Förster. Die Rücklagen seien bereits im März und April komplett aufgebraucht gewesen. Finanziell über die Runden gebracht hätten den Verein damals nicht zuletzt die jährlichen Mitgliedsbeiträge, die erst kurz zuvor auf dem Konto eingegangen waren.

Der Verein

Die Reitsportgruppe Eddersheim (RSG) ist ein gemeinnütziger Verein und hat 350 Mitglieder.

Gegründet wurde die Reitsportgruppe 1987. Sie ist auf therapeutisches Reiten für Kinder spezialisiert. Außerdem gibt es Reitkurse für alle Altersgruppen sowie Kurse fürs Voltigieren.

Informationen zum Angebot auf dem Wiesenhof und zu Spendenmöglichkeiten gibt es unter www.rsg-eddersheim.de. aro

Ein verzweifelter Spendenaufruf des Vorstands in den sozialen Netzwerken sowie Presse- und Fernsehberichte haben Anfang November dafür gesorgt, dass nochmals 7000 Euro auf dem Vereinskonto landeten. Vollends abgewendet sei die Pleite der Reitsportgruppe damit aber nicht, sagt Katrin Förster. „Das wird davon abhängen, wie es für uns weitergeht, ob wir Reitstunden anbieten dürfen und wenn ja, in welchem Umfang.“

Ab Montag kommender Woche soll erst mal wieder Einzelunterricht auf dem Wiesenhof möglich sein. Mit 15 Prozent der üblichen Einnahmen rechnet Förster. Die monatlichen Kosten für die Grundversorgung der Pferde könne damit erst mal finanziert werden, hofft sie. Dringend erforderliche Sanierungsarbeiten an den Reit- und Therapiehalle seien aber verschoben worden, Großinvestitionen wie der Bau einer dritten Reithalle erst einmal komplett gestrichen. Angebote für alle jene, die auf der langen Warteliste des Vereins stünden, werde es deshalb so bald nicht geben, bedauert die Vorsitzende. „Dafür fehlt uns das Geld.“

Die Hoffnung, dass der Betrieb bald wieder einigermaßen normal laufen kann, haben sie im Vorstand der RSG dennoch nicht aufgegeben. „Reiter müssen mindestens zwei bis drei Meter Abstand voneinander halten, damit die Pferde sich nicht gegenseitig treten. Unsere Halle ist 800 Quadratmeter groß, an einer Seite offen und gut durchlüftet“, sagt Katrin Förster. Die Pferdeboxen ordneten sich um einen offenen Hof. Der einzige geschlossene Raum sei die Sattelkammer. „Und die darf lauf unserem Hygienekonzept nur einzeln und mit Maske betreten werden.“

Die 350 Mitglieder halten der Reitsportgruppe in diesen schwierigen Zeiten die Treue. Kaum jemand sei in den letzten Monaten wegen Corona aus dem Verein ausgetreten, berichtet Förster. Spenden, sagt die Vorsitzende, seien auch weiterhin willkommen. Potenzielle Geldgeber:innen anschreiben will der Vorstand aber nicht. Und auch nicht beim Flughafenbetreiber Fraport vorstellig werden, der die Reitsportgruppe Eddersheim seit der Eröffnung der Nordwestlandebahn finanziell unterstützt hat. Die RSG war der einzige Verein, der laut Planfeststellungsbeschluss für die neue Landebahn Anspruch auf Entschädigung hatte.

Weil Gebäude und Pferdekoppeln in nur 130 Metern Höhe überflogen werden, zahlte Fraport nach zähem Ringen eine siebenstellig Summe und verpflichtete sich zu einem mehrjährigen Sponsoring, das 2020 ausgelaufen ist. „Eine Verlängerung ist nicht geplant“, sagt Katrin Förster.

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