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Das hemalige Sarotti-Werkstattgebäude in Hattersheim wird zum Stadtmuseum.

Hattersheim

Neuer Investor baut Stadtmuseum in Hattersheim

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Das ehemalige Sarotti-Werkstattgebäude am Hessendamm soll bis zu kommenden Herbst saniert sein. Weil die Bauarbeiten vor dem Investorenwechsel lange stoppten, muss der Geschichtsverein Fördergeld beim Land neu beantragen.

Selim Balcioglu ist zuversichtlich: Bis zum Herbst dieses Jahres will der 38-Jährige, der eine Grundstücksinvestmentgesellschaft betreibt, mit den Sanierungsarbeiten am ehemaligen Werkstattgebäude der Sarotti-Schokoladenfabrik fertig sein. Der Hattersheimer Geschichtsverein, der in dem langgestreckten denkmalgeschützten Industriebau aus den 1920er Jahren das Stadtmuseum einrichten möchte, könnte dann Fördergeld beim Land Hessen für die Gestaltung der Ausstellungsräume beantragen. 2022 könnte das Museum mit Schwerpunkten zu archäologischen Funden aus der Keltenzeit, zur Stadt- und Industriegeschichte und zum Eddersheimer Erfinder Anton Flettner eröffnet werden.

„Wir waren schon einmal viel weiter“, räumt Hattersheims ehemaliger Bürgermeister Hans Franssen (SPD) ein, der Vorsitzender des Geschichtsvereins ist. Spanische Investoren hatten das Sarotti-Werkstattgebäude vor einigen Jahren gekauft, wollten es zum Museum umbauen und ein Café darin einrichten. Die Pläne sahen einen Glasanbau an der Südseite vor, der Main-Taunus-Kreis erteilte die Baugenehmigung. Doch Anwohner legten im Herbst 2018 Widerspruch dagegen ein. Sie befürchteten zu viel Lärm und Lichtspiegelungen.

Von Spaniern übernommen

Die Bauarbeiten ruhten, bis Selim Balcioglu im vergangenen Jahr auf den Plan trat. Er übernahm von den Spaniern die eigens für das Hattersheimer Projekt gegründete Entwicklungsgesellschaft und integrierte sie in seine Holding, mit der er unter anderem das Bürogebäude „House of Finance“ in Hattersheim gebaut hat. Balcioglu ist seit 2016 SPD-Stadtverordneter und wohnt selbst mit seiner Familie im Neubaugebiet auf dem ehemaligen Sarotti-Gelände. „Ich möchte, dass es hier schön wird, und dass das Werkstattgebäude endlich saniert wird“, sagte er der FR. An den Umbauplänen hat er einiges geändert. Der Anbau im Süden wird jetzt mit Holz verkleidet. Die große Glasfront fällt weg. Das Museumscafé wird deutlich kleiner. Einige Räume will Balcioglu als Büros vermieten.

Vor Weihnachten hat er den Bauantrag eingereicht. Davor wurden bereits die restaurierten historischen Fenster wieder eingesetzt, eine durchgehende Bodenplatte gegossen und Wände im Inneren durchgebrochen. Im Februar will Selim Balcioglu das Dach des Werkstattgebäudes neu eindecken und dann die Arbeiten zügig abschließen.

Fast vier Millionen Euro, schätzt er, wird er in Umbau und Sanierung insgesamt investieren. Mehrere Hunderttausend Euro kann er bei der Stadt abrufen, die das Geld verwaltet, das die früheren Besitzer des Areals, die Firma Nestlé, für das Museumsprojekt zur Verfügung gestellt hatten. Eine Million Euro stand ursprünglich zur Verfügung. Rund 200 000 Euro wurden bisher ausgegeben

Für den hundert Mitglieder zählenden Hattersheimer Geschichtsverein, der bereits kurz nach der Schließung der Sarotti-Schokoladenfabrik Mitte der 1990er Jahre mit den Planungen für ein Stadtmuseum begonnen hatte, bedeutet Balcioglus Engagement Licht am Horizont. Für 2018 sei die Museumseröffnung ursprünglich geplant gewesen, erzählt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Ulrike Milas-Quirin. Fördergelder für die Ausstellungskonzeption seien beim Land Hessen beantragt und auch bewilligt worden. Weil die Bauarbeiten wegen des Anwohnerprotestes stoppten, konnte das Geld aber nicht ausgegeben werden. „Wir mussten es an das Ministerium zurückgeben.“ Für 2019 wurden erst gar keine Zuschüsse beantragt.

Erst wenn die Bauarbeiten durchgeführt sind kann wieder Geld beim Land beantragt werden. „Bis zum Frühjahr 2021 sind uns wohl die Hände gebunden“, sagt Milas-Quirin. Danach soll es aber zügig losgehen mit der Einrichtung der Museumsräume. Exponate gibt es zuhauf. Verteilt sind sie aktuell über das ganze Stadtgebiet. Dutzende Figuren des Sarotti-Mohrs in allen Größen sind darunter, ein Landauer aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, alte Kirchturmuhren und Fibeln und Armreifen aus der Keltenzeit, die bei Grabungskampagnen in Hattersheim gefunden wurden.

30 Jahre lang kann der Verein das Museum laut Erbpachtvertrag nutzen. Das Interesse an dem Projekt ist groß in der Stadt. Ein Großsponsor hat bereits mehr als 100 000 Euro als Anschubfinanzierung und zur Deckung laufender Kosten in den ersten zehn Jahren für das Museum zur Verfügung gestellt.

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