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Nachfrage im Stadtteil steigt

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Im Jahr 2005 feierte das Stadtteilbüro, hier mit (von links) Nükhet Umar, Eberhard Roth und Heike Bülter, das fünfjährige Bestehen. knapp
Im Jahr 2005 feierte das Stadtteilbüro, hier mit (von links) Nükhet Umar, Eberhard Roth und Heike Bülter, das fünfjährige Bestehen. knapp © Hans Nietner

Büroleiterin Heike Bülter zieht nach zwei Jahren Corona Bilanz

Hattersheim - Die typischen Probleme in einer Siedlung, in der viele unterschiedlich geprägte Menschen in Mehrfamilienhäusern wohnen, waren vor zwei Jahrzehnten ein Dauerthema. Inzwischen ist alles fast schon in Vergessenheit geraten. Dies ist ein Erfolg des Stadtteilbüros. Grund genug also, mit der Leiterin über die Arbeit des Büros zu sprechen. Seit 22 Jahren ist die Siedlung südlich der Bahnlinie das Arbeitsumfeld von Heike Bülter. Die Diplom-Pädagogin leitet das Stadtteilbüro der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft (Hawobau) und kennt die Probleme der Menschen im Quartier, in dem es viele Sozialwohnungen gibt. In mehr als zwei Jahrzehnten hat sie mit ihrem Team Anlaufstellen und Netzwerke geschaffen. "Natürlich ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen", sagt Heike Bülter. "Doch das ist nirgends so."

Es sei nicht von ungefähr gekommen, dass die Siedlung im Jahr 1999 als eines von fünf Quartieren in Hessen in das Programm "Soziale Stadt" aufgenommen wurde, sagt Bülter, die Ende des kommenden Jahres in den Ruhestand geht. Ihr sei aber wichtig, zu betonen, dass die Siedlung nie ein sozialer Brennpunkt war, meint sie. "Ich kenne soziale Brennpunkte", erklärt die Pädagogin aus Frankfurt. In dem Hattersheimer Quartier der Hawobau sei es von Anfang an darum gegangen, präventive Maßnahmen zu ergreifen, damit es nicht so weit kommt. Bei der Arbeit mit den Menschen in der Siedlung sei ein gesamtgesellschaftlicher Blick gefragt, so Bülter. Es gelte, die Bedürfnisse verschiedene Altersgruppen und Nationalitäten zu berücksichtigen. "Die Leute kommen zu uns, und wir schauen, wo sie am besten aufgehoben sind", sagt die Leiterin des Stadtteilbüros. Die Anlaufstelle kooperiert mit Einrichtungen wie den Integrationslotsen, der Familienoffensive, dem Verein "Frauen helfen Frauen" sowie dem Psychosozialen Zentrum. Ziel ihrer Arbeit sei es, eine Situation wie in einem Dorf zu schaffen. "Man kennt sich und kümmert sich umeinander", erläutert die Diplom-Pädagogin.

Das Stadtteilbüro vermittelt unter anderem bei Nachbarschaftsstreitigkeiten und Spannungen zwischen unterschiedlichen Kulturen. "Am Anfang konnte es einen Riesenterror geben, wenn jemand seine Wäsche auf dem Balkon aufhängte", erinnert sich Bülter. Mittlerweile sei der Umgang entspannter geworden.

Generationenkonflikte gebe es nach wie vor. So etwa, wenn ältere Bewohner anrufen, um sich über Fußball spielende Kinder zu beschweren. Ihr Kollege Eberhard Roth versuche dann zu vermitteln, indem er Kinder und Jugendliche für die Unterstützung von Senioren einspanne. "Man grüßt sich plötzlich", beschreibt Heike Bülter die Folgen. Oft stelle sich heraus, dass die Leute, die sich beklagen, einsam sind und Gespräche suchen. Die Pädagogin räumt ein, dass das Stadtteilbüro nicht jeden erreiche. Gerade bei älteren Frauen, die zudem noch mit Sprachproblemen zu kämpfen haben, sei dies oft schwer. Diese Abgrenzung sei zuletzt noch durch die Corona-Pandemie verstärkt worden. Auch für Siedlungsbewohner, die zuvor schon mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten, sei die Lage durch Corona belastender geworden. "Gerade für Menschen mit Angstproblemen war diese Zeit schwer", berichtet Bülter.

"Es war in letzter Zeit ein bisschen viel", stellt die Leiterin des Stadtteilbüros fest. Ihr Team müsse nach über zwei Jahren Pandemie gerade wieder viel aufbauen. Sorge bereite ihr momentan allerdings die Situation der Kinder im Quartier, die ohnehin schon einen schweren Start hatten, und die durch Lockdowns noch mehr abgehängt worden seien. "Die Schere geht weiter auseinander", befürchtet sie. Bei der Entwicklung der Anfragen im Stadtteilbüro lasse sich in den vergangenen 20 Jahren kein eindeutiger Trend erkennen. Die Nachfrage steige oft parallel zu größeren Krisen, wie sie momentan auftreten.

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