+
Der Kastengrund ist aktuell Flüchtlingsunterkunft und Verwaltungsaußenstelle des Main-Taunus-Kreises.

Hattersheim

57 Millionen Euro für IT-Campus

  • schließen

Ein international agierender Rechenzentrumsbetreiber hat das Gelände der ehemaligen Tierversuchsanstalt Kastengrund in Hattersheim gekauft und plant eine Rekordinvestition in der Stadt am Main.

Dass der Main-Taunus-Kreis das Gelände der ehemaligen Sanofi-Tierversuchsanstalt im Kastengrund zwischen Hattersheim und Flörsheim-Weilbach wieder verkaufen möchte, darüber hatte Landrat Michael Cyriax (CDU) bereits im Kreistag Ende Juni informiert. Nun ist die Transaktion schneller über die Bühne gegangen als erwartet. Für insgesamt 57 Millionen Euro sei das Areal an einen international tätigen Rechenzentrumsbetreiber veräußert worden, teilte der Landkreis mit. Einen Bericht des Höchster Kreisblattes, dass hinter dem Kauf der US-Trust Digital Reality stehe, der weltweit mehr als 210 Rechenzentren betreibt, darunter auch zwei in Frankfurt, wollte eine Kreissprecherin nicht bestätigen.

Innerhalb der nächsten Jahre soll das Gelände nach und nach geräumt und ein Bebauungsplan von der Stadt Hattersheim für einen IT-Campus aufgestellt werden. Dies ist laut Cyriax auch die Voraussetzung, dass der Kaufvertrag endgültig zustande kommt. Zurzeit sind in den zu Wohnzwecken umgebauten ehemaligen Tierzwingern noch Flüchtlinge untergebracht. Und in den Bürogebäuden der früheren Forschungsstätte haben Mitarbeiter der Kreisverwaltung ihre Schreibtische stehen. Das Hochbau- und Liegenschaftsamt, das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen sowie die Revision mussten in den Kastengrund umziehen, weil im Hofheimer Landratsamt der Platz knapp wurde. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des 13,7 Hektar großen Geländes solle das Landratsamt erweitert und die Kreisverwaltung wieder am Hauptstandort in Hofheim zusammengeführt werden, kündigte Cyriax an. Die Flüchtlinge, die derzeit im Kastengrund leben, sollen auf andere Unterkünfte verteilt werden. Für die Übergangszeit könne der Kreis als Mieter den Kastengrund unentgeltlich nutzen.

Die Tierversuchsanstalt von Sanofi-Aventis war bis 2011 im Kastengrund untergebracht. Dann wurde die Forschungsanstalt des französischen Pharmakonzerns aus Rentabilitätsgründen geschlossen.

Zur Zeit des Flüchtlingszustroms im Jahr 2015 kaufte der Main-Taunus-Kreis das 137 000 Quadratmeter große Areal für 8,1 Millionen Euro.

Der Ausbau zum Heim mit Plätzen für bis zu 800 Geflüchtete wurde 2017 gestoppt. Heute leben noch 172 Flüchtlinge im Kastengrund.  

Laut Cyriax beabsichtigt der Investor, „eine Rekordinvestition“ in Hattersheim zu tätigen. Dies sei ein wichtiger Schritt in der Entwicklung Hattersheims zur „Digital City“ und stärke auch den Wirtschaftsstandort Main-Taunus-Kreis.

Den Begriff „Digital City“ hatte Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) geprägt. Ihm war es zusammen mit Wirtschaftsförderer Alexander Schwarz gelungen, den ebenfalls international agierenden Rechenzentrumsbetreiber E-Shelter in die Stadt am Main zu holen, die wegen chronischer Finanznot 2012 unter den Rettungsschirm des Landes Hessen gegangen war. Vor wenigen Tagen hat E-Shelter sein erstes Rechenzentrum im Gewerbegebiet an der Voltastraße eröffnet. Vier weitere Rechnenzentren sowie ein eigenes Umspannwerk sollen folgen. Insgesamt will E-Shelter mehr als 800 Millionen Euro in Hattersheim investieren. Ausschlaggebend für die Standortwahl seien die gute Verkehrsanbindung, die Nähe zum Frankfurter Flughafen und zum weltweit größten Internetknoten De-Cix gewesen, sagt E-Shelter-Gründer Rupprecht Rittweger. Zudem habe man nirgendwo sonst im Rhein-Main-Gebiet ein 60 000 Quadratmeter großes Grundstück angeboten bekommen. „Die Flexibilität im Rathaus war groß und die Baugenehmigung vom Main-Taunus-Kreis schnell erteilt.“

Für Rathauschef Klaus Schindling war die Ansiedlung von E-Shelter eine Art Initialzündung. „Wir haben die IT-Branche international aufhorchen lassen.“ Für Kreis und Stadt sei der Verkauf des Kastengrundes eine „Win-Win-Situation“. Vor allem finanziell: Hattersheim wird den Rettungsschirm des Landes 2019 verlassen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare