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Menschen sollen weiter mitreden

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Der Deich zwischen Flörsheim und Eddersheim soll saniert und zum Teil verlegt werden. RP
Der Deich zwischen Flörsheim und Eddersheim soll saniert und zum Teil verlegt werden. RP © RP Darmstadt

Deichplanung nicht gegen Interessen der Öffentlichkeit

Hattersheim - Der Hochwasserschutz zwischen Eddersheim und Flörsheim soll bekanntlich verstärkt werden. Im Zentrum steht dabei der rund vier Kilometer lange Maindeich, der verbreitert und an einigen Stellen ins Landesinnere zurückverlegt wird. Außerdem ist eine neue Mauer entlang der Eddersheimer Ankerstraße vorgesehen. Die Maßnahmen sollen die angrenzende Bebauung vor einer extremen Überschwemmung schützen, wie sie statistisch nur alle 200 Jahre auftritt.

Nach einer Informationsveranstaltung im Juli waren aber nicht alle Betroffenen begeistert. Es gab Kritik. Die Stadt reagierte nun mit einem weiteren Treffen auf Sorgen und Beschwerden.

Unverständnis hatten die Pläne vor allem bei den Verantwortlichen der Reitsportgruppe (RSG) auf dem Wiesenhof ausgelöst. Der Deich soll nämlich genau auf Höhe der Koppeln des Therapiezentrums zurückverlegt werden. Auch bei Anwohnern des Mainufers gab es Unmut über die dort geplante Mauer.

Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) traf sich Ende November mit dem unmittelbar betroffenen Personenkreis. „Ich begrüße grundsätzlich die Wiederherstellung eines ausreichenden Hochwasserschutzes für den Ortsteil Eddersheim und die Nachbarkommune Flörsheim“, erklärt Schindling. Ebenso wichtig sei ihm aber auch, dass bei der Planung die Anregungen, Bedenken und Befindlichkeiten der betroffenen Bürgerinnen und Bürger, Landwirte und Vereine berücksichtigt werden.

Um weiterhin einen direkten und bürokratiearmen Austausch zu ermöglichen, habe die Verwaltung eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Per Schreiben an maindeich@hattersheim.de könne schnell und direkt mit den Fachleuten kommuniziert werden. Darüber hinaus solle die städtische Homepage Interessierten ausführliche Informationen zur Maindeichsanierung liefern. Dort sollen auch häufig gestellten Fragen beantwortet werden.

Dass die Deichrückverlegung samt begleitendem Hochwasserschutz einen Einschnitt bedeutet, räumt die Verwaltung auf Nachfrage ein. Trotz des erwünschten Dialogs mit den Betroffenen seien Umplanungen nicht in der Form möglich, dass man jedem gerecht werden könne, erläutert Rathaussprecher Stefan Käck. Jede Anpassung koste Geld. Der Schutz von Hab und Gut stehe für die Verwaltung und Bürgermeister Schindling an erster Stelle. Die Hochwasserkatastrophen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, was Wasser alles anrichten kann. Auf die RSG angesprochen, betont Käck, dass die Interessen der Reitsportgruppe der Stadt immens wichtig seien. Für die Reiter bleibe künftig nur die Option, ihre Koppeln über eine Rampe zu erreichen. Die Alternative bestehe darin, dass bei einem Jahrhunderthochwasser alles überflutet werde.

Die Stadt weist darauf hin, dass im Rahmen der Planfeststellung noch einmal eine offizielle Beteiligung der Öffentlichkeit erfolge. Behörden, Träger öffentlicher Belange sowie die Bürgerinnen und Bürger hätten dann Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben.

Erste Anstöße zur Maindeichsanierung gab es bereits vor 25 Jahren. Damals stellte die Deichaufsicht fest, dass die Schutzwälle entlang des Mains nicht mehr standsicher sind und der Damm im Bereich des Stadtteils Eddersheim nur noch vor einem Hochwasser schützt, wie es alle 40 Jahre vorkommt.

Aufgrund der Gefahrenlage beschloss die Umweltministerkonferenz der Länder im Jahr 2014 das Nationale Hochwasserschutzprogramm. 2015 wurde die Deichrückverlegung in Eddersheim und Flörsheim ins Programm aufgenommen. Aufgrund des Gesamtvolumens und der überörtlichen Bedeutung der Maßnahme unterzeichneten das Land Hessen und die Städte Hattersheim und Flörsheim vor vier Jahren einen Fördervertrag, der die zeitnahe Umsetzung des erforderlichen Hochwasserschutzes ermöglichen soll. Das Regierungspräsidium Darmstadt wurde mit der Projektleitung beauftragt. Bund und Land finanzieren die rund 8 Millionen Euro teure Sanierungsmaßnahme gemeinsam.

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