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Tierversuchsanstalt, Flüchtlingsunterkunft - jetzt soll der Kastengrund in Hattersheim zu einem IT-Campus umgebaut werden. (Archivbild)

Hattersheim

Kastengrund soll IT-Campus werden

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Der Main-Taunus-Kreis will das Areal für mindestens 53 Millionen Euro verkaufen. Die Stadt Hattersheim muss Planungsrecht schaffen.

Das Gelände der ehemaligen Tierversuchsanstalt zwischen Hattersheim und dem Flörsheimer Stadtteil Weilbach könnte mittelfristig zu einem Campus für IT-Dienstleister und Rechenzentrumsbetreiber werden. Die Voraussetzungen dafür hat das Kreisparlament geschaffen und zugestimmt, dass der Main-Taunus-Kreis das 13,7 Hektar große Areal Kastengrund, das er 2015 erworben hat, um dort Flüchtlinge unterzubringen, wieder verkauft. Mindestens 53 Millionen Euro würden von international agierenden Unternehmen geboten, berichtete Landrat Michael Cyriax (CDU) im Kreistag. Das erforderliche Planungsrecht müsse noch geschaffen werden. Dies sei jedoch Aufgabe der Stadt Hattersheim. Die potenziellen Käufer wüssten Bescheid, sagte Cyriax. Sie sollen ein Rücktrittsrecht erhalten für den Fall, dass die Baugenehmigung am Ende doch nicht erteilt wird.

Davon ist allerdings kaum auszugehen. Denn Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU), der im Stadtparlament eine Mehrheit aus CDU, FDP und Freien Wählern hinter sich hat, ist seit seinem Amtsantritt eifrig bemüht, neue Unternehmen in der Stadt anzusiedeln. Als der größte Rechenzentrumsbetreiber der Region, E-Shelter vor mehr als einem Jahr seine Pläne zum Bau eines Datencampus mit fünf Rechenzentren und eigenem Umspannwerk in Hattersheim vorstellte, sprach Schindling von einem „Meilenstein in der Geschichte der Stadt“. Zuvor hatte der Hattersheimer Verwaltungschef zusammen mit Wirtschaftsförderer Alexander Schwarz alles daran gesetzt, um in Kooperation mit der Hessischen Landgesellschaft den Verkauf der für das Vorhaben nötigen Grundstücke an der Volta-Straße zügig über die Bühne zu bringen.

E-Shelter investiert 400 Millionen Euro in Hattersheim, die Stadt am Main wird zum Hauptstandort des Unternehmens. Am morgigen Donnerstag wird das erste E-Shelter Rechenzentrum in Hattersheim offiziell eröffnet.

Namen von Unternehmen, die sich für den Kastengrund interessieren, wollte Cyriax im Kreistag nicht nennen, sprach von Weltunternehmen der IT-Branche und des Datenmanagements. Das Interesse am Kauf der Fläche, für die ein Interessenbekundungsverfahren in der Hessischen Ausschreibungsdatenbank veröffentlicht wurde, scheint aber sehr konkret zu sein. Mitte Mai hätten Bieter ihre Angebote präsentiert, teilte Cyriax mit. Auf dieser Basis errechne sich der Mindestkaufpreis von 53 Millionen Euro.

Was er mit dem Geld anfangen will, sagte der Landrat ebenfalls: Für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung, die zurzeit im Kastengrund arbeiten, weil der Platz im Hofheimer Landratsamt zu eng geworden ist. sollen neue Räume am Kreishaus geschaffen werden. Vertraglich werde mit dem Käufer eine entsprechende Übergangsregelung ausgehandelt. Gleiches gelte für die Asylbewerber, die aktuell im Kastengrund leben, der zunächst ein großes Flüchtlingsheim werden sollte. Sie würden umgesiedelt. Auch dafür brauche man Zeit.

Einstimmig votierten die Kreistagsabgeordneten am Montag für den Verkauf des Kastengrundes. CDU-Fraktionschef Frank Blasch sprach von einem „schönen Erlös“ für die öffentliche Hand. SPD-Sprecher Philipp Neuhaus lobte das „gute Geschäft – wenn’s so eintrifft“. Zwar fehlten Detailinformationen zu Interessenten und Vertragsbedingungen, sagte Neuhaus. Einer pragmatischen Zustimmung seiner Fraktion stehe dies jedoch nicht im Wege.

Das Areal

Bis 2011 war im Kastengrund eine Tierversuchsanstalt des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis, der dort Medikamente an Hunden und Nagetieren testete. Aus Rentabilitätsgründen wurde die Forschungsanstalt geschlossen.

Ende 2015, zur Zeit des großen Flüchtlingszustroms, kaufte der Main-Taunus-Kreis das 137 000 Quadratmeter große Gelände an der Mainzer Straße zwischen Hattersheim und Flörsheim-Weilbach für 8,1 Millionen Euro.

Bis zu 800 Flüchtlinge sollten ursprünglich auf dem eingezäunten Gelände in Pavillons untergebracht werden. Rund 300 Asylbewerber zogen schließlich ein. Dann stoppte der Kreis den Ausbau. Mehr Plätze waren nicht mehr nötig.

Als Außenstelle der Hofheimer Kreisverwaltung dient der Kastengrund sei 2017. Das Hochbau- und Liegenschaftsamt sowie das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen sind in den ehemaligen Bürogebäuden von Sanofi untergebracht. aro

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