Hattersheim

Heizen mit Abwärme von Hattersheimer Rechenzentren

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Die Linken im Main-Taunus-Kreis schlagen Fernwärmenetze für den Landkreis vor, um damit Wohnungen zu heizen. Ihr Antrag wird demnächst im Kreisparlament diskutiert.

Als Digital City nimmt die 28 000-Einwohner-Stadt Hattersheim eine rasante Entwicklung. Im Frühjahr hat der europaweit agierende Rechenzentrumsbetreiber E-Shelter das erste von fünf Rechenzentren im neuen Datencampus an der Voltastraße eröffnet. 800 Millionen Euro will E-Shelter in den nächsten Jahren am Standort Hattersheim investieren. Die Ansiedlung dürfte Sogwirkung haben. Denn auch auf dem Gelände der früheren Tierversuchsanstalt von Sanofi-Aventis Kastengrund zwischen Hattersheim und Flörsheim-Weilbach ist ein riesiger IT-Campus geplant. Der Main-Taunus-Kreis hat das 13,7 Hektar große Areal, auf dem aktuell noch Flüchtlinge untergebracht sind, für 57 Millionen an einen international tätigen Rechenzentrumsbetreiber verkauft. Dabei soll es sich um den US-Trust Digital Reality handeln.

Diese Pläne nehmen die Linken im Main-Taunus-Kreis jetzt zum Anlass und fordern in einem Antrag an das Kreisparlament, es solle geprüft werden, ob und wie Fernwärmenetze zur Nutzung und Verteilung der Abwärme von Rechenzentren im Kreis geschaffen werden können.

Linken-Sprecherin Beate Ullrich-Graf verweist auf Schweden, wo seit langem in der Umgebung von Großstädten die Abwärme von Rechenzentren genutzt werde. Es gebe dort ausgiebige Fernwärmenetze, Wärmepumpen könnten wirtschaftlich betrieben werden. Schon allein wegen der Nähe zum weltweit größten Internetknoten DE-CIX in Frankfurt sollte dies auch im Main-Taunus-Kreis möglich sein.

In ihrem Antrag zitieren die Linken Ralph Hintemann vom Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit, der von Rechenzentren als „großer Heizplatte“ spricht, die sich für die Wohnungsheizung und Warmwasseraufbereitung gut nutzen lasse. Ein Rechenzentrum könne gut und gerne 10 000 Wohnungen heizen.

Im näheren Umfeld der Hattersheimer Rechenzentren würden Wohn- und Baugebiete entwickelt, darunter Marxheim II in Hofheim, heißt es im Antrag der Linken. Einrichtungen, die versorgt werden könnten, seien mit der Schlockerstiftung in Hattersheim und dem Regionalparkportal in Weilbach ebenfalls bereits vorhanden.

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