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Ulrike Milas-Quirin vom Hattersheimer Geschichtsverein auf der Baustelle des Stadtmuseums.
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Ulrike Milas-Quirin vom Hattersheimer Geschichtsverein auf der Baustelle des Stadtmuseums.

Hattersheim

Hattersheim: Sarotti und Kelten im neuen Stadtmuseum

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Die Ausstellungsräume im historischen Werkstattgebäude auf dem ehemaligen Sarotti-Gelände sind fast fertig. Demnächst kann der Geschichtsverein mit dem Einrichten des neuen Museums beginnen.

Noch ist das historische Werkstattgebäude auf dem ehemaligen Sarotti-Gelände von Büschen und Unkraut umwuchert. Der Boden ist matschig, es gibt große Erdhaufen und Regenpfützen. Der Industriebau selbst aber erstrahlt in neuem Glanz. Die Fassade ist frisch gestrichen, das Dach neu gedeckt, die alten Sprossenfenster sind restauriert. An der Südseite hat das Werkstattgebäude einen modernen Anbau gekommen – mit großen Fenstern, die viel Licht in den Raum lassen, der das Entrée des neuen Hattersheimer Stadtmuseums werden soll. Ende 2022 wird es voraussichtlich eröffnet.

„Seit 20 Jahren warten wir auf eine Lösung“, sagt Ulrike Milas-Quirin, die zweite Vorsitzende des Geschichtsvereins. Damals habe das Heimatmuseum aus dem Nassauer Hof ausziehen müssen. „Dass wir ein neues Domizil auf dem Sarotti-Gelände bekommen, war schnell klar“, erinnert sich Milas-Quirin. Die Renovierung des denkmalgeschützten Werkstattgebäudes mitten im Neubaugebiet am Hessendamm zog sich allerdings in die Länge. Eine spanische Investorengruppe sprang ab. Die Stadt wollte als Schutzschirmkommune nicht einsteigen. Der SPD-Stadtverordnete Selim Balcioglu übernahm das Projekt. Seit Anfang 2020 laufen die Renovierungsarbeiten. Jetzt nähern sie sich dem Ende.

Im großen Saal im Mittelteil des Werkstattgebäudes wird bereits das Parkett verlegt. Grau gestrichene Stahlstützen demonstrieren Industriearchitektur ebenso wie Laufkatzen an der Decke. Demnächst würden die Ausstellungskabinette geplant, sagt Ulrike Milas-Quirin. Zum Jahreswechsel will der Geschichtsverein mit dem Aufbau der ersten Exponate beginnen.

Die Hattersheimer Mühlen, die Rhein-Main-Glashütte, der Kartenhersteller Horn, die Okrifteler Cellulosefabrik Phrix, der Rosenanbau und der Eddersheimer Erfinder Anton Flettner werden die Hattersheimer Industriegeschichte dokumentieren. Eine große Themeninsel ist auch zur Schokoladenfabrik Sarotti geplant, von der heute nur noch das alte Werkstattgebäude und der große Schlot übrig sind. Eine Parade von 20 „Sarotti-Mohren“ in allen Größen will der Geschichtsverein im neuen Museum ausstellen, dazu Relikte aus der Schokoladenproduktion, alte Fotos und Werbeplakate.

Fibeln und Armreifen aus der Keltenzeit, die bei archäologischen Grabungskampagnen in Hattersheim gefunden wurden, sollen im westlichen Eckbau des Werkstattgebäudes zu sehen sein, Fotos und Dokumente zur Stadtgeschichte gleich hinter dem Eingang im Neubau gezeigt werden. Ein Café mit 25 Sitzplätzen und Terrasse kann unabhängig von den Museumsöffnungszeiten betrieben werden. Ein Pächter sei bereits gefunden, sagt Milas Quirin.

Rund 300 000 Euro wird die Museumseinrichtung insgesamt kosten. 200 000 Euro bekommt der Geschichtsverein als Zuschuss vom Land, mehr als 100 000 Euro zahlt er selbst. Das Vermächtnis eines Ehepaares steht dafür zur Verfügung. Ein Hattersheimer Unternehmen hat für den Museumsbetrieb in den ersten zehn Jahren 100 000 Euro zur Verfügung gestellt. Selim Balcioglu wird nach eigenen Angaben am Ende fast vier Millionen Euro in das Werkstattgebäude gesteckt haben. Davon stammt eine Million Euro von der Firma Nestlé.

Gut möglich, dass der langgestreckte Industriebau aus den 1920er Jahren demnächst erneut den Eigentümer wechselt. Er habe ein Wertgutachten für das Gebäude, in dem auch Büros zu vermieten sind, in Auftrag gegeben, sagte Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) der FR. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadt das Gebäude kauft, um es langfristig zu erhalten.“ Eine Entscheidung darüber müssten aber die politischen Gremien treffen.

Betrieben werden soll das Hattersheimer Stadtmuseum in jedem Fall von Ehrenamtlichen des Geschichtsvereins. „Das Interesse mitzuhelfen, ist groß“, sagt Ulrike Milas-Quirin.

Die Werbefigur von Sarotti ist mehr als 100 Jahre alt. Rolf Oeser

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