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Hans Franssen vom Geschichtsverein Hattersheim und Kunsthistorikerin Ulrike Milas-Quirin inspizieren die Baustelle. Foto: Renate Hoyer
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Hans Franssen vom Geschichtsverein Hattersheim und Kunsthistorikerin Ulrike Milas-Quirin inspizieren die Baustelle.

Stadtmuseum Hattersheim

Hattersheim: Kulturdenkmal im Wartezustand

  • VonJürgen Streicher
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Im neuen Stadtmuseum soll die Sarotti-Werbefigur einen Ehrenplatz erhalten. Investor plant zusätzlich Wohnen und Gewerbe.

Natürlich wird der Markenname Sarotti eine wichtige Rolle spielen im Stadtmuseum. Und die Sarotti-Werksgeschichte, die das Leben vieler Menschen in Hattersheim geprägt hat. Ehe es vorbei war mit der Schokoladenproduktion am Hessendamm und nur noch der riesige runde Schornstein als Wahrzeichen und Denkmal blieb. Und das langgezogene Werkstattgebäude mit den charakteristischen Eck-Pavillons.

Seit 1994 steht es leer, jetzt keimt wieder Hoffnung auf neues Leben, zumindest äußerlich ist es schon ganz ordentlich herausgeputzt. Schicke, dem Zeitgeist von 1925 angepasste Fenster, ein neu eingedecktes Dach, Fensterbänke und Sockel schön grau abgestrahlt, weiße Wände. Ein aufgepepptes Kulturdenkmal im Wartezustand.

„Wir mussten viele Schläge hinnehmen“, sagt Hans Franssen nachdenklich, einer der Urväter des Projekts Stadtmuseum, das den örtlichen Geschichtsverein seit jenen 90er Jahren umtreibt, in denen die Sarotti-Geschichte zu Ende ging. Zum 100. Geburtstag von Sarotti 2018 wollten der frühere Bürgermeister Franssen und die vielen ehrenamtlichen Mitstreiter endlich richtig loslegen, ein Jahr später die erste Ausstellung im historischen Werkstattgebäude eröffnen. Landesfördergeld war zugesagt, ein Ehepaar allein hat 100 000 Euro gespendet, die früheren Eigentümer haben tief in die Tasche gegriffen.

Inzwischen ist Franssen 78 Jahre alt geworden, sein Traum lebt, die Identifikationsfigur des einstigen Unternehmens, der Diener mit dem Turban, soll einen Ehrenplatz bekommen. Etwas bescheiden im Hintergrund nun, einst sollte er hinter einer großen Glasfassade platziert werden, um „Passanten neugierig zu machen“ und ins Museum zu locken.

Es gehört zu den Rückschlägen, die Franssen und die Kunsthistorikerin Ulrike Milas-Quirin aufzählen, wenn sie von den Schattenseiten der Museumsplanung erzählen. Von der Klage der Anwohner gegen die Baupläne im „Schokoladenviertel“, wie sie die neu entstandene Wohnbebauung im einstigen Sarotti-Geviert hier nennen. Um möglichen Lärm durch die vorgesehene Gastronomie in einem Anbau mit insgesamt 140 Plätzen draußen und drinnen ging es da, um vermeintliche Lichtspiegelungen durch die geplante Glasfassade.

Das Grundgerüst des Anbaus auf der Südseite steht inzwischen, in Holzständer-Konstruktion mit nur wenigen kleinteiligen Fenstern. Das Café ist auf 60 Quadratmeter geschrumpft, von ein paar Außenplätzen können Mütter und Väter ihre Kleinen auf dem Spielplatz beaufsichtigen.

Neuer Investor an Bord

Vom „Meilenstein“ ist seit der Fertigstellung des Rohgerüsts des Anbaus trotzdem die Rede. Ein Zeichen für alle, dass es voran gehe. Den Zeitplan gibt der neue Investor vor, der nach eigenen Angaben rund 3,6 Millionen Euro in das Projekt stecken wird. Selim Balcioglu, 39 Jahre alt, Stadtverordneter und Anwohner im Schokoladenviertel, das er zum „Museumsquartier“ machen will, hat spanische Investoren abgelöst. Er sieht eine schrittweise Fertigstellung der Baumaßnahmen vor.

Noch in diesem Jahr sollen Altbau und Anbau bezugsfertig sein, die Eröffnung des Stadtmuseums in finaler Ausstattung könnte laut aktuellem Zeitplan 2022 gefeiert werden.

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden“, sagt Bürgermeister Klaus Schindling. Das alte Werkstattgebäude wird in sechs Abteilungen viel über die Hattersheimer Industriegeschichte erzählen. Natürlich bekommen Sarotti, die frühere Glashütte, die Geschichte der Mühlen und der Papier- und Cellulosefabrik neben dem Eddersheimer Erfinder Anton Flettner Schwerpunkte, aber auch Archäologie und Kirchengeschichte finden Platz.

Einen Teil des Werkstattgebäudes und den östlichen Eck-Risaliten will der Investor als Büroflächen vermieten. Auf der anderen Seite bleibt das erhalten, was im Obergeschoss Industriedenkmal ist. Relikte aus vergangener Zeit, der frühere Umspannraum mit den originalen Trafo-Zellen, das komplette Werk wurde von hier gesteuert. Nur bei Führungen, etwa beim „Tag des offenen Denkmals“, wird dieses Stück Vergangenheit erlebbar sein. Der sich anschließende Dachboden kann als Magazin genutzt werden.

Fast mit Schrecken hat Hans Franssen festgestellt, dass ja nun schon der 100. Geburtstag des denkmalgeschützten Flachbaus naht. Den wollen sie unbedingt im neuen Stadtmuseum feiern. Und Selim Balcioglu will bis dahin mit seiner Investmentgesellschaft auch die restlichen Brachflächen zwischen Sarotti-Schornstein, neuer Kindertagesstätte und dem Stadtmuseum je zur Hälfte mit Wohn- und Gewerbeflächen bebauen.

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