Hattersheim

Hattersheim: Bebauungsplan für IT-Campus

Die ehemalige Tierversuchsanstalt im Kastengrund soll zum Technologiestandort werden. Die US-Firma Digital Reality will ein Rechenzentrum errichten. Das Stadtparlament hat dafür den Bebauungsplan auf den Weg gebracht.

Noch planen Architekten und Ingenieurbüros, doch die Konzepte, die sie für das gut 13 Hektar große Areal im Kastengrund am westlichen Stadtrand von Hattersheim vorgelegt haben, sind schon sehr konkret. Ein Rechenzentrum soll auf dem Gelände der ehemaligen Tierversuchsanstalt des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis entstehen.

Geplant sind zudem ein Umspannwerk sowie ein Bürogebäude für die Digital Reality Germany GmbH. Der US-amerikanische Rechenzentrumsbetreiber will seine Deutschlandzentrale von Frankfurt nach Hattersheim verlegen und die Zahl der Mitarbeiter deutlich erhöhen: von 40 Ende 2019 auf 160 im Jahr 2023.

Das Baurecht für den Hightech-Campus muss allerdings noch geschaffen werden. Das Hattersheimer Stadtparlament hat vor kurzem mit großer Mehrheit für die Aufstellung eines Bebauungsplanes gestimmt. Damit der Kastengrund, der bislang vor allem als Fläche für Landbewirtschaftung gilt, Gewerbegebiet mit der Sondernutzung Rechenzentrum werden kann, sind zudem Änderungen im Regionalplan Südhessen beziehungsweise im regionalen Flächennutzungsplan nötig. Die entsprechenden Änderungsverfahren sollen beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt werden. Die endgültige Entscheidung treffen die Regionalversammlung Südhessen und der Regionalverband.

Das Gelände Kastengrund, auf dem zurzeit noch die flachen Pavillons der früheren Tierversuchsanstalt stehen und die jahrzehntealten Verwaltungsgebäude des Pharmaherstellers, hat Digital Reality vor knapp einem Jahr vom Main-Taunus-Kreis gekauft. Rund 57 Millionen Euro hat der US-Trust, der weltweit mehr als 200 Rechenzentren betreibt, dafür bezahlt. Der Landkreis hatte das Areal 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise von Sanofi-Aventis erworben, um dort Asylbewerber unterzubringen. Der Standort auf dem freien Feld zwischen Hattersheim und Flörsheim-Weilbach war jedoch von Anfang an umstritten. Manche vermuteten, es solle ein Abschiebungslager für Geflüchtete daraus werden. Die zu Wohnzwecken umgebauten Tierzwinger waren nie voll belegt. Mittlerweile leben nur noch wenige Flüchtlinge im Kastengrund.

Stadt wird zur Digital City

In den Bürogebäuden der früheren Pharmaforschungsstätte sind zurzeit Teile der Verwaltung des Main-Taunus-Kreises untergebracht. Das Hochbau- und das Liegenschaftsamt sowie das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen übersiedelten nach Hattersheim, weil im Hofheimer Landratsamt der Platz knapp wurde. Die Pläne von Digital Reality sehen vor, dass die gesamte alte Bebauung abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt wird. Sie sollen energieeffizient werden. Geprüft wird zudem, ob die in den Rechenzentren entstehende Abwärme ins lokale Fernwärmenetz eingespeist werden kann.

Wenn der Daten-Campus im Kastengrund Realität wird, wäre das ein weiterer Schritt Hattersheims auf dem Weg zur „Digital City“ im Rhein-Main-Gebiet. Denn in der 29 000-Einwohner-Stadt am Main hat sich mit E-Shelter bereits ein anderer großer Rechenzentrumsbetreiber angesiedelt. Das Unternehmen hat seine Firmenzentrale von Eschborn nach Hattersheim verlegt und baut im Gewerbegebiet an der Voltastraße fünf Rechenzentren. Das erste wurde im Sommer 2019 in Betrieb genommen. E-Shelter plant nach eigenen Angaben Gesamtinvestitionen von 800 Millionen Euro am neuen Standort.

Mehr zum Thema

Kommentare