Main-Taunus-Kreis

Hartz-IV-Empfänger„in die Wüste geschickt“

  • Jonas Nonnenmann
    vonJonas Nonnenmann
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Kritik an niedrig angesetzten Wohnkosten für Sozialhilfeempfänger.

Die Wohnkosten für Hartz-IV-Empfänger im Main-Taunus-Kreis sind viel zu niedrig angesetzt – das kritisiert Carlo Graf im Namen des Vorstand des Hattersheimer Hartz-IV-Cafés.

Laut dem Schreiben zahlt das Jobcenter seit 2010 höchstens 7,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete im Monat für Wohnungen ab zwei Personen. Bei einer Wohnfläche von 60 Quadratmetern seien für zwei Menschen also höchstens 450 Euro drin.

Das sei eindeutig zu wenig. Ein Blick auf Immobilienportale zeige, dass es für den Preis kein Angebot gebe. Wenn das Jobcenter auf den freien Markt verweise, dann sei das so, als würde man „jemand in die Wüste schicken, um Wasser zu holen“.

Für günstigere Sozialwohnungen gebe es lange Wartelisten. Wer bereits in einer teureren Wohnung lebt, werde aufgefordert, die Miete innerhalb von sechs Monaten zu senken.

„Gibt es eine Lösung? Nein. Nur einen Ausweg: [Der Sozialhilfeempfänger] zahlt die Differenz zu seiner bisherigen Miete aus den Bezügen, die sich auch ‚Leistungen zum Leben‘ nennen“, der eigentlich als Mindestbedarf kalkuliert ist. 25 Prozent der sogenannten Bedarfsgemeinschaften seien 2018 dazu gezwungen gewesen – ein starker Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Für die Betroffenen sei das ein „erhebliche Einschnitt“.

Wohnkosten erhöhen

Das Hartz-IV-Café fordert die Politik auf, die „angemessenen Kosten“ zum Wohnen zu erhöhen und sich dabei an den marktüblichen Mieten zu orientieren. Zwangsräumungen „in die Wohnungslosigkeit“ sollten verboten werden. Darüber hinaus fordern die Autoren die Kommunen dazu auf, ihrer Fürsorgepflicht für die armen Bürgerinnen und Bürger nachzukommen und Belegungsrechte aus offenen Vermietungsangeboten aufzukaufen.

Unterdessen hagelt es von den Linken Kritik, weil immer mehr Beschäftigte trotz Job mit Hartz IV aufstocken müssen.

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