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Haftstrafe für 29-Jährige

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Schwere Körperverletzung / Angeklagte hat Frau Scherbe ins Auge gestochen

Hattersheim - Viereinhalb Jahre Haft wegen schwerer Körperverletzung, nicht aber wegen versuchten Totschlags - mit dem gestern verkündeten Urteil des Frankfurter Landgerichts ist eine 29 Jahre alte Hattersheimerin nach einer Tat mit besonders schlimmen Folgen recht glimpflich davongekommen. Die Frau hatte ihrer Kontrahentin im Januar vergangenen Jahres eine Glasscherbe in das linke Auge gestochen. Das Opfer ist seither auf diesem Auge blind. Der Lebenspartner der Angeklagten, der zunächst zwei Mal kräftig zugeschlagen hatte, danach jedoch aus der Wohnung gegangen war, erhielt zwei Jahre und drei Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung.

In dem fast sieben Monate dauernden Strafverfahren hatte sich die Schwurgerichtskammer ohne durchschlagenden Erfolg bemüht, das Geschehen am Tatabend in der Wohnung des späteren Opfers aufzuklären. Dort gab es zunächst ein Trinkgelage, an dem auch noch ein weiterer Mann beteiligt war. Als die Gastgeberin - man hatte sich bereits auf Blutalkoholwerte von knapp drei Promille heraufgetrunken - nicht mehr nachschenkte, eskalierte die Situation. Es gab schwere Faustschläge und später eben jene zwölf Stiche und Schnitte, von denen einer buchstäblich ins Auge ging.

Die Aufklärung des Vorfalls war von allerlei Widrigkeiten begleitet. Kritik übte Vorsitzender Richter Jörn Immerschmitt an der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Obwohl der unbekannte Vierte am Tatabend noch greifbar gewesen sei, habe man ihn nicht vernommen. Später verschwand er auf Nimmerwiedersehen in Richtung Südosteuropa. Heute kennt niemand mehr Namen und Aufenthaltsort. So konnte man sich kein genaues Bild davon machen, in welchem Zustand die schwer verletzte Frau in der Wohnung allein zurückgelassen wurde. Sie hatte noch den Rettungsdienst verständigen können. Rechtlich hatte dies zur Folge, dass die 29-Jährige nicht - wie von der Staatsanwaltschaft beantragt - wegen eines versuchten Tötungsdelikts verurteilt werden konnte. Sie sei überdies vom Versuch des Totschlags zurückgetreten, weil sie nach dem Angriff mit der Scherbe von sich aus aufgehört und die Wohnung verlassen habe. Der Tatbestand der schweren Körperverletzung ergebe sich aus dem Umstand, dass bei der Frau die Erblindung zurückgeblieben sei. Im Prozess hatte man sie noch einmal zu einem augenärztlichen Gutachter geschickt, der den völligen Verlust der Sehfähigkeit auf der linken Seite bescheinigte.

Rechtlich einfach gestaltete sich für das Gericht die Verurteilung des 43 Jahre alten Lebenspartners. Dieser habe mit voller Wucht zwei Mal in das Gesicht der Gastgeberin geschlagen und damit einen Knochenbruch im Gesicht und die Verschiebung der Augen des Opfers verursacht. Dies rechtfertige eine Verurteilung des einschlägig vorbestraften Mannes zu einer Haftstrafe ohne Bewährung, hieß es im Urteil. Wie die allermeisten Entscheidungen der Schwurgerichtskammer ist auch dieses Urteil noch nicht rechtskräftig. Es wird mit Rechtsmitteln in Richtung Karlsruhe gerechnet.

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