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Fische durch Schleuse locken

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Plan für die Fischaufstiegsanlage an der Eddersheimer Schleuse: Über vier Einstiege sollen Fische künftig ihren Weg in die neue Aufstiegsanlage auf der Schleuseninsel finden. WNA
Plan für die Fischaufstiegsanlage an der Eddersheimer Schleuse: Über vier Einstiege sollen Fische künftig ihren Weg in die neue Aufstiegsanlage auf der Schleuseninsel finden. WNA © nn

Für 19 Millionen Euro wird eine moderne Aufstiegsanlage gebaut

Hattersheim - Für Menschen ist die Eddersheimer Staustufe kein Hindernis. Fußgänger und Radfahrer überqueren das Bauwerk regelmäßig über einen Steg, während Schiffe durch die Schleusenbecken flussauf- und flussabwärts gelangen. Fische haben es jedoch nicht so leicht. Die Reise der meisten Flussbewohner endet vor der Staustufe, die eine kaum überwindbare Barriere darstellt.

Zwar gibt es eine sogenannte Fischtreppe entlang des Eddersheimer Mainufers - doch diese entspricht nicht den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ein groß angelegter Neubau auf der Schleuseninsel soll Abhilfe schaffen und den Weg für Fische frei machen.

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) setzt Vorgaben aus der geltenden Wasserrahmenrichtlinie um. Laut dieser gilt der Main als „erheblich beeinträchtigtes Gewässer“. Nach und nach soll die Durchgängigkeit der 34 Schleusen entlang des Flusses wiederhergestellt werden.

Die 1934 erbaute Eddersheimer Schleuse wurde als eines von sieben Pilotprojekten bundesweit ausgewählt, um die beste Umsetzung zu testen. Vertreter des Wasserstraßen-Neubauamts Aschaffenburg (WNA) informierten in dieser Woche im Begegnungshaus über die Schritte.

Profitieren sollen sogenannte Langdistanzwanderfische - also alle Fische, die über längere Strecken zu ihren Laichplätzen wandern. Neben dem Lachs zählen dazu unter anderem Meerforelle und Rotauge. Die Experten erhoffen sich außerdem die Rückkehr des Maifischs. Wie die Kiemenatmer ihren Weg finden und wieso die derzeitigen Bedingungen in Eddersheim nicht optimal sind, erläuterte Silke Wilde vom WNA.

Die Zuhörer erfuhren, dass sich die Fische bei ihrer Wanderung an der entgegenkommenden Strömung orientieren. In Eddersheim entstehe die Hauptströmung unterhalb der Turbinen des Wasserkraftwerks inmitten des Flusses, führte die Expertin aus. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass die Flussbewohner die bestehende Aufstiegsanlage in Ufernähe finden. Diese sei nicht nur am falschen Fleck, sondern auch zu klein dimensioniert.

Für das künftige System sehen die Pläne einen rund 400 Meter langen Kanal auf der Schleuseninsel vor. Den Fischen sollen vier Einstiege auf Höhe des Kraftwerks angeboten werden. Durch alle Öffnungen wird den schuppigen Wanderern dann Wasser aus dem Oberlauf entgegenfließen. Silke Wilde sprach von einer „Lockströmung“, mit der die Fische auf die Zugänge aufmerksam gemacht werden.

Die Notwendigkeit, Wasser für die Fischkanäle abzuzweigen, konkurriere mit den Zielen von Kraftwerksbetreibern, die möglichst viel Wasserkraft in ihren Turbinen sehen wollen. Da das Kraftwerk der Eddersheimer Schleuse nicht privat, sondern vom Bund betrieben werde, sei der Standort besonders gut für das Pilotprojekt geeignet, erklärte die Mitarbeiterin des Wasserstraßenamts. Das gesamte Projekt werde wissenschaftlich begleitet, um die optimalen Voraussetzung für künftige Fischaufstiege zu ermitteln. Acht Jahre Forschung sind nach der Fertigstellung vorgesehen.

In den kommenden Jahren sollen Fische mit Funksendern vor der Eddersheimer Schleuse schwimmen. Die Tiere würden elektrisch eingefangen und betäubt, bevor ihnen der Sender durch einen kleinen Schnitt eingesetzt wird, erklärte Diplom-Biologe Wilko Heiman. Die Wege der Fische sollen Aufschluss darüber geben, wie viel Wasser durch die Kanäle strömen muss, damit die Tiere die Einstiege finden.

Der Antrag auf Planfeststellung für das rund 19 Millionen Euro teure Projekt ist für Ende 2023 vorgesehen. Zwischen 2027 bis 2031 würde dann gebaut. Während des Baustellenbetriebs zwischen 7 und 20 Uhr bleibe der Lärm für Eddersheimer unter dem für Wohngebiete festgelegten Grenzwert von 55 Dezibel.

Schäden durch Erschütterungen seien ebenfalls ausgeschlossen. Baumaterial wird auf der südliche Mainseite und auf der Schleuseninsel gelagert. Der Übergang über den Schleusensteg sei nur kurzzeitig eingeschränkt, während ein Abgang auf die Schleuseninsel eingerichtet wird. Der Bewuchs und das Vogelschutzgebiet auf der Insel sollen so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

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